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Gerechtigkeit anhand von Krankenschwestern?

Wie kann man eine Krankenschwester mit einem Top-Manager vergleichen? Gar nicht. Eine Krankenschwester bekommt (hoffentlich) ein Tarifgehalt, während ein Top-Manager (leider) viel zu viel Geld einsackt. Das allerdings lässt sich leider kaum verhindern, wenn man einen Profi sucht.

Nun erzählt uns der Herr Kanzlerkandidat, jene Krankenschwester würde „weniger als 40 Cents pro Minute“ verdienen. Das stimmt, wenn sie nach Tarif bezahlt wird und ihren Bruttolohn zugrunde legt.

Und nun lassen Sie mich mal nachrechen, was den Beruf des Lohnschreibers betrifft. Die Artikel, von denen ich spreche, werden von den Auftraggebern übrigens später als „hochwertige und professionell geschriebene Texte“ vermarktet. Ich habe da so meine Erfahrungen. Die meisten Autoren, egal für wen und was sie schreiben, schaffen nicht mehr als 2000 Wörter pro Tag. Ein durchschnittlicher Contentschreiber bekommt von seinen Auftraggebern oft nur zwei Cent pro Wort, würde also 4000 Cent verdienen – also 40 Euro am Tag. Selbst wenn er ausgesprochen fleißig wäre, wenig recherchieren müsste und tolerante Auftraggeber hätte, würde er selten mehr als 100 Euro am Tag verdienen – bei Arbeitszeiten von 10 bis zwölf Stunden. Nun können Sie sagen: das wären bei einer 7-Tage-Woche im Monat immerhin 3.000 Euro – dann sind Sie ein Schelm, denn Sie haben nicht jeden Tag bezahlte Aufträge und können nicht täglich 10 bis zwölf Stunden schreiben. Und übrigens: Dann haben sie noch nichts zurückgelegt, und ihre Renten- und Krankenversicherung wäre auch noch nicht bezahlt. Und die Realität? Ach, wen interessiert denn die Realität? Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt bei brutto 1.132,00 Euro und dafür müssen Sie sich dann noch allerlei von ihren Auftraggebern anhören.

Ganz generell lässt sich sagen, dass sowohl die viel zitierte Krankenschwester also auch der Metzger mehr verdient als der durchschnittliche Autor.

Ich selbst bin nicht betroffen, weil ich nicht von Honoraren leben muss. Aber ich finde, dass deutsche Angestellte und Arbeiter recht anständige Löhne nach Hause bringen, und dass man die „soziale Gerechtigkeit“ mal woanders ansetzen sollte als bei den Beziehern regelmäßiger Einkommen.

Und dem Herrn Schulz empfehle ich, keine neuen Neiddebatten anzuzetteln.

Manager und Machterhalter – Teil zwei

Warum Manager Änderungen als Gefahren ansehen

Alles, was ich von Managern weiß, habe ich von Managern gelernt. Und dies wird sie schockieren: Eine gewisse geistige Beschränktheit ist oftmals nicht unbedingt von Nachteil – das hat mir ein sehr erfolgreicher Unternehmer verraten, der einmal über seien Ausbildung plauderte. Andere, so sagte er, hätten viel mehr Intelligenz besessen und eine große Vielfalt an Entwürfen vorlegen können – während er schon Schwierigkeiten gehabt habe, einen einzigen vorzustellen.
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Das ist nicht „im Prinzip falsch“, sonder im Grunde goldrichtig: Die ursprüngliche Idee muss durchgesetzt werden – und wenn sie richtig war, dann erblüht das Unternehmen. Noch vor Kurzem hat jemand ein Buch darüber geschrieben. Es heißt „The One Thing“ und sagt genau das: konzentriere dich auf ein Ziel, und führe deinen Plan konsequent durch.

Schwachstelle Vertrieb: Auch Luschen reklamieren Erfolge für sich

Schade nur, wenn der Weg in die Irre führt. Der Vertriebsmanager, der so handelt, und der weder Fantasie noch Kreativität sein Eigen nennt, ist nur solange erfolgreich, wie der ursprüngliche Plan standhält. In Krisen treibt er seine Mitarbeiter an, sie müssten „mehr desselben“ tun – und nicht etwa kreativer werden. Er tut dies, weil er selbst nicht imstande ist, kreativ zu denken. Der Unternehmer sollte sich vor allem dies vergegenwärtigen: Der Verkauf kann boomen, weil man einen so guten Verkaufsmanager hat, obwohl man einen so schlechten Verkaufmanager hat und sogar unabhängig davon, ob er gut oder schlecht ist.

Bei dem klugen Paul Watzlawick, der mit der Wirtschaft wenig am Hut hatte, könnten diese Manager etwas lernen: „Mehr desselben“ kann funktionieren, aber sollte es nicht zum Erfolg führen, ist „etwas anderes“ angesagt. Und letztlich gibt es Probleme (auch im Vertrieb), die unlösbar sind.

Änderungen werden meist als Gefahren angesehen

Nun weiß jeder (oder sollte es wissen), dass eine Krise immer dann droht, wenn sich ein Markt verändert – vor allem einer, den man für stabil hielt. So wie der Kameramarkt in den 1960er Jahren: Das Volk kaufte billige, qualitativ oft fragwürdige Kleinbildkameras mit Durchsicht-Sucher – doch wer wirklich fotografieren wollte, war auf der Suche nach einer Spiegelreflexkamera. Die hielt man rar und teuer, weil sie für einen Nischenmarkt gedacht waren, der dem Normalverdiener verschlossen blieb. Es gab weder nennenswerte technische Neuentwicklungen noch Ideen zur Preissenkung, und die Mehrheit der Fotohändler glaubte ohnehin, dass sich mit dem 35mm-Film keine hochwertigen Aufnahmen erzielen ließen. Und Wechselobjektive? Die waren unerschwinglich. Erst nachdem die Japaner den Markt aufmischten, eine Fülle von Patenten anmeldeten und zeigten, was japanische Feinmechanik und Optik zu leisten vermochte, wachte man auf – viel zu spät.

Damals waren es die deutschen Manager, die sich an die bekannte Devise hielten: „Änderungen müssen bekämpft werden“ – Parallelen zur Automobilindustrie der heutigen Zeit sind nicht von der Hand zu weisen. Aber – Änderungen setzten sich früher oder später durch. Man muss kein Ingenieur sein, um festzustellen, dass ein Elektromotor wesentlich einfacher zu entwickeln und zu produzieren ist als ein Dieselmotor mit Getriebe. Diese Fahrzeuge könnten also einmal sensationell billig angeboten werden, wenn sie denn in Massen produziert würden. Und so ein Fahrzeug fährt sich einfach himmlisch – solange man keine Überlandstrecken bewältigen muss.

Solange Manager denken: „Änderungen sind gefährlich für mich und meine Position“ – solange werden sie versuchen, Änderungen zu verhindern. Sie behindern damit nicht nur die Leistungsfähigkeit der Unternehmen, für die sie tätig sind, sondern schaden gegebenenfalls auch der deutschen Wirtschaft. Änderungen sind Chancen – das sollte eigentlich die Devise sein.

Die gefährlichste Änderung für Manager: Organisationsänderungen

Die größte Änderung aber ist nicht die Neuausrichtungen in der Technologie, der Produktion oder im Vertrieb – denn davon sind Manager bestenfalls betroffen, wenn sie zu Fehlentscheidungen neigen. Die für Manager gefährlichste Herausforderung sind Änderungen in der Organisation. Mehr als einmal hörte ich: „Diese Leute von der IT maßen sich an, meine Organisation zu zerstören“. Nein, das taten sie nicht. Sie deckten vielmehr die Schwachstellen auf, die ein effizientes Arbeiten verhinderten – und stellen damit die Manager bloß, die diese Schwachstellen niemals bemerkt hatten. Bottlenecks, mehrfache und ineffiziente Bearbeitung des gleichen Vorgangs, Informationsschwächen, Kompetenzgerangel und Kommunikationsmängel – all das wurde einfach übersehen.

Nun – ich bin längst raus aus diesem Geschäft. Aber ich fürchte, dass sich nicht viel geändert hat, solange unsere Manager Änderungen für Gefahren halten.