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Kess

Einst waren die Mädchen kess. Sie wurden zu „kessen Bienen“, wenn sie umtriebig, hübsch und etwas frech waren. Nachdem „Bienen“ und andere Begriffe aus der Zoologie und Zahnheilkunde („steiler Zahn“)“ nicht mehr populär waren, sank der Stern von „Kess“, früher auch „keß“ geschrieben. Als man noch Polka wie Tante Olga tanzte, legte man auch schon mal eine „Kesse Sohle aufs Parkett“. Nun ja – da muss nicht sein. Angeblich war ein „kesser Onkel“ eine Dame, die onkelhaft lesbisch daherkam – das habe ich aber wirklich selten gehört.

Sexy ist da neue kess

„Kess“ wurde, was Frauen betrifft, durch „sexy“ ersetzt. Dies entspricht auch einer viel benutzten Erklärung, „kess“ habe jung, hübsch und etwas unbekümmert bedeutet. Unbekümmert deshalb, weil es nicht dem Jungmädchenbild der damaligen Zeit entsprach, „kess“ im Sinne von herausfordernd zu sein. In der Folge nannten sich zahlreiche junge Frauen – auch nachdem der Begriff längst „out“ war – noch Kessy oder Kessie.

Noch mehr kesse Begriffe

Die „kesse Lippe“ deutet auf eine andere Bedeutung hin: frech, dreist, unbekümmert in der Wortwahl. Und wer sonst „kess“ war, der stand ganz vorne in Mode, Offenheit und nicht selten auch bewusster erotischer Ausstrahlung.

Schade, dass niemand mehr kess sein will. Und die Herkunft? Vornehme Menschen sagen, es sei „Mittelostdeutsch“, doch es kommt aus einer Vermischung des Jiddischen mit der Sprache der Ganoven, die ja ebenfalls eine gewisse Kessheit benötigten, um ihr Tun zu bewerkstelligen.

„Du bis ziemlich kess“, kann übrigens bewundernd oder auch abwertend gemeint sein. Der eine ist ein bisschen frech und wird dafür geliebt, der andere ist zu frech und wird dafür verachtet.