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Kardinalfehler

Die Verhütungsmentalität, so der spanische Kardinal Sarah, habe „eine Trennung zwischen der Frau und ihrem Körper möglich gemacht.“

Dieser Robert Kardinal Sarah, ist Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Und mich würde – wirklich – interessieren, wie das gehen soll: die Frau von ihrem Körper zu trennen.

Ich will die katholische Kirche nicht ständig verhöhnen – aber ein Kardinal ist ein Mann, der seinen Körper nicht restlos kennen darf, wenn er seinem Glauben folgt. Es ist eine Unverschämtheit gegenüber Frauen, wenn er nun auch noch behauptet, er wisse, wie sich „eine Frau von ihrem Körper trennt“.

Lieber Herr Kardinal, könnten Sie nicht besser über etwas reden, wovon Sie etwas verstehen? Das wäre wirklich hilfreich.

Katholiken und Realität

Der Katholizismus enthält ohne jeden Zweifel einen irrationalen Kern, der weder durch die beiden heiligen Bücher (AT, NT) noch durch religiöse Eigenheiten gedeckt ist.

Nun sollen Teile davon diskutiert werden. Vorläufig, so lese ich, gehe es um die innere Organisation, die Homosexualität, den Zölibat und um Frauen in der Kirche.

Interessant ist, was der österreichische katholische Nachrichtendienst darüber veröffentlichte: allerlei Kontroverse Meinungen zum „Gipfeltreffen“.

Am besten werden die Meinungen wohl von Frau Prof. Gunda Werner fokussiert. Sie sagte deutlich, warum die Probleme des Katholizismus so schwer lösbar sind (Zitat):

Als monarchische Heilsanstalt dreht sich die römisch-katholische Kirche in einer ihrer schwersten Krisen um sich selbst und auch noch im Kreis ihrer eigenen Leitung.


Dieses pragmatische Argument wiegt schwerer als jede interne Beteuerung der Kirche, man würde die bestehenden Probleme nun anpacken. Selbst bei ausgesprochen wohlwollender Betrachtung und allem Respekt vor dem Glauben anderer: Die Lösung von festgefahrenen Problemen erfordert eigentlich immer strukturelle Veränderungen und keine „Schönheitsreparaturen.“

Gut – ich kann sagen: Was geht es mich an, ich bin ja kein Katholik. Aber die Themen, die jetzt angesprochen werden, haben Rückwirkungen auf Staat und Gesellschaft. Und deswegen sollten wir scharf beobachten, was die katholische Kirche jetzt plant.

Warum Hexen keine Vorbilder sind

Name für Name ein Beweis für den Irrglauben, den die Kirche verbreitete

Hexen sind keine Vorbilder - sie sind Opfer eines Irrglaubens, der von der katholischen Kirche verbreitet wurde.

Etwas, dass es nie gab, kann kein Vorbild sein. Es gibt keine Hexen und es gab nie welche. Sie sind eine Erfindung der Katholischen Kirche, die aus der Bibel ein paar unsinnige Sätze herauslas und sie dem Volk als bare Münze verkaufte.

Als Vorbild für ein selbstbestimmtes weibliches Leben taugt die historische Hexe kaum. Ihre Betrachtung als „weise Heilerin“, „Ökofrau der Vergangenheit“, „frühe Emanze “entspringt romantischen oder feministischen Wünschen.


Was wir uns immer noch fragen dürfen: Wer, wenn nicht die katholische Kirche, hat diese Frauen, von denen fast 80 Prozent verheiratet waren, überhaupt zu „Hexen“ gemacht?

Randnotiz: Allein in Mecklenburg wurden nahezu 4000 Frauen und Männer der Hexerei bezichtigt. Aus alten Gerichtsakten hat man in Penzlin alle Namen sowie die Urteile aufgelistet.

Zitat: Hexenmuseum Burg Penzlin.

Hinweis: Dem Autor ist klar, dass die Protestanten die Unsitte der Hexenprozesse fortsetzen - aber sie waren nicht die Urheber.

Für Katholiken ist die Freiheit nach wie vor eine Gefahr

Die Freiheit ist höchst gefährlich – für alle, die damit nicht umgehen können. Da Jugendliche mit der Freiheit nicht umgehen können, muss der Begriff der Freiheit für sie umdefiniert werden. Das jedenfalls meinen ultrakonservative Kreise, und sie bekamen jetzt ihr Buch zum Thema. Die extrem-katholische Presse bejubelte das Buch bereits.

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Wer so etwas wirklich glaubt, will die Freiheit des Seins konditionieren, das heißt, er will der Freiheit neue Fesseln anlegen, die nichts mehr mit liberalem Denken zu tu haben. Mir scheint, ein neues Buch der belgischstämmigen Autorin Therese Hargot verfolgt dieses Ziel. Ich sage: Wehret den Anfängen. Heute wir versucht, den freien Zugang zu sexuellen Informationen beschneiden– und morgen ist es vielleicht die Gedankenfreiheit selbst, die als gefährlich angesehen wird. Die Katholiken und andere Konservative klatschen erst einmal Beifall. Ihnen passt die ganze Chose nicht – und sie wollen tatsächlich den Begriff der Freiheit umdefinieren.

Der Autor dieser Zeilen weiß (wie auch all die anderen, die mit dem Thema umgehen), dass Freiheit erlernt werden muss. Wer Freiheit mit Beliebigkeit verwechselt, ist einfach dumm – das betrifft leider auch manche Akademiker, die’s besser wissen sollten.

Tatsache ist: Wer frei entscheiden will, muss nicht nur (wie Konservative meinen) in der Lage sein, zwischen „ungünstig“ und „günstig“ zu entscheiden. Doch weitaus schwieriger ist die Entscheidung zwischen „günstig“ und „günstig“. Werde ich Buchhalter oder Ingenieur? Fotograf oder freier Schriftsteller? Das sind einige der Entscheidungen, und nicht alles kann man vielfach erproben. Doch die Sexualität kann jede Frau und jeder Mann für sich frei definieren – für einige Zeit oder lebenslang – und es ist nicht falsch, zu erproben, welcher Weg zum Glück führt. Und ebenso frei sind wir all darin, den Stellenwert der Emotionen, die mit der Sexualität einhergehen, hoch oder niedrig anzusetzen. Klar entstehen dabei auch Konflikte – und auch mit denen müssen wir umgehen lernen.

Dies alles bedeutet nichts mehr als „erwachsen zu werden“. Eine neue Definition von Freiheit ist dazu nicht nötig.

Ehe für alle – ja und nein und und was ein Bischof dazu sagt

Unterschiedliche Meinungen zur „Ehe für alle“? Dann genießen Sie meinen vollen Respekt. Das Thema ist kontrovers, und es muss und darf auch heftig diskutiert werden.

Doch schauen wir auf die katholische Kirche, so gibt es einen ganz anderen Zungenschlag, der bedenklich stimmt. Ich zitiere Ulrich Neymeyr. den katholischen Bischof von Erfurt (1):

Ich halte das für einen Fehler. Ich bedauere es, wenn der Staat so grundsätzlich andere Wege geht, als wir in der katholischen Kirche.


Lieber Herr Neymeyer, der Staat (oder sagen wir besser: die Demokratie) hat nicht die geringste Verpflichtung, die gleichen Wege zu gehen wie „Sie in Ihrer katholische Kirche“.

Meine eigene Einstellung hat nichts mit dem Thema zu tun, das mir relativ gleichgültig ist. Aber als Demokrat finde ich eigenartig, wenn die gesellschaftlichen Minderheiten versuchen, die Mehrheiten zu dominieren. Als Liberaler, der ich schließlich auch bin, ist es mir im Grunde völlig gleichgültig. Was, bitte, ändern sich denn intern für ein kinderloses Paar bei der Heirat, sei es homo- oder heterosexuell? Ich rede nicht von rechtlich oder steuerlich. Aber da die Diskussion mit großen Emotionen und sehr vehement geführt wird, darf man doch fragen: Wem nützt sie?

Die Antwort könnte sein: die SPD hofft darauf (2). Sie will noch einmal zeigen, wie großartig sie ist. Ach nee, SPD. Und damit wollt ihr ernsthaft punkten? Da lachen ja die Hühner.

(1) Quelle: MDR
(2) Näheres in der Wochenzeitung "DIE ZEIT".