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Kanzlerin im Vorweihnachtsmodus

Nein, dies ist kein Spott. Aber es klingt in meinen Ohren so:

Der Bund will wohl mit drastischen Kontaktbeschränkungen noch vor Weihnachten die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff bekommen.

Heißt im Klartext: „Ihr müsst jetzt schön brav sein, dann dürft ihr vielleicht zu Weihnachten wieder eure Verwandten besuchen.“

Oder auch nicht. Es kommt eben darauf an, ob die Maßnahmen etwas nützen - so ganz selbsterklärend scheinen sie mir nicht zu sein.

Öffnungsdiskussionsorgien und eine zukunftslose Kanzlerin

Vor dem Tadel sollte das Lob kommen, und da muss gesagt werden, dass die eher kühle, distanzierte Art der Kanzlerin ein Segen für dieses Land war - und die, obgleich sich die Boulevardpresse eher einen „emotionalen Kanzler“ gewünscht hätte - wie in Österreich.

Verfestigung der Gegenwart - aber keine erkennbare Zukunftsperspektive

In einer Rede der Bundeskanzlerin zu den wenigen Erleichterungen wurde bereits deutlich, dass die Kanzlerin an der Verfestigung der Gegenwart stärker interessiert ist als an der Zukunft: Erst mal alles loben, was zum Kreis der „Systemrelevanten“ gehört, dann die Bürger loben, die unter den Einschränkungen leiden und was sonst so üblich ist, wenn man nicht viel zu berichten weiß. Dann ein paar „Öffnungen“. Wenig Öffnungen und nach wie vor viele Einschränkungen - aber immerhin betont die Kanzlerin stets, dass es mehr Freiheiten gäbe als anderwärts: Die Parks seien noch nicht geschlossen. Mon Dieu, was für eine Erleichterung, vor allem, wenn man das Wort „noch“ beachtet.

Die Zukunft? Die Kanzlerin hat (soweit ich mich erinnere) kein einziges Mal auch nur einen Ansatz einer Idee verkündet, wie denn die Zukunft - unsere Zukunft - aussehen könnte. Was zu der Annahme führen muss, dass die Regierung überhaupt keine Pläne hat, sondern auf das Virus starrt wie das Kaninchen auf die Schlange: in untätiger Erstarrung.

Heraus mit den Plänen - und zwar zügig

Was ist mit dem Volk, was mit der Wirtschaft? Solle oder dürfen wie nicht erfahren, wie die Zukunft unserer Länder, Städte und Gemeinden, aussehen könnte? Wenn man keine Pläne hat, soll man bitteschön den eigenen politischen Bankrott erklären - wenn man aber welche hat, dann gehören sie an die Öffentlichkeit.

Öffnungsdiskussionsorgien und freie Meinungsäußerung

Nein, Frau Merkel, das sind keine „Öffnungsdiskussionsorgien“ - das ist das gute Recht freier Menschen, über ihre Zukunft zu diskutieren. Und sie dürfen dabei mit ihren Ansichten durchaus über das hinausgehen, was der Regierung Merkel gerade in den Kram passt. Man nennt das Demokratie.

Corona-Politik: Versuch und Irrtum vor Publikum

Das Gute zuerst: Die letzten Tage beweisen, dass sich die Politik nicht vermittels der Virologen „herausreden“ kann. Die hatten nämlich eindeutig an die Politik verwiesen.

Jene gebärdete sich vorsichtig - und jeder eiert ein bisschen herum: Hier die Massengesundheit, die man wohl im Mund führen muss, wenn man die Freiheiten so massiv einschränkt, dort die Gewissheit, dass die Wirtschaft an der Krise eher nachhaltig geschädigt würde als das Gesundheitssystem. Man will nicht daran „Schuld“ sein, wenn das Virus sich erneut Bahn bricht - sei es durch den Übermut der Bürger oder durch die Öffnung der Ladengeschäfte.

Was bislang so schrecklich daran gewesen wäre, Läden zu öffnen, die deutlich weniger frequentiert werden als die Bäcker und Supermärkte, kann abermals niemand beantworten. Man schielt auf die Quadratmeter. Möglichst wenig Kunden sollen sich auf sehr viel Raum verteilen - na schön. Die Haare schneiden lassen können wir uns erst (vielleicht) in absehbarer Zeit. Und ob jemand die Füße pflegen oder die Fingernägel nachfeilen darf?

Am schlimmsten trifft es zweifellos alle, die mit Gastronomie, Hotellerie oder Tourismus zu tun haben. Ein großer Teil dieser Unternehmen wird wirtschaftlich nicht überleben, zumal man diesen Branchen seitens der Regierenden nicht einmal eine Perspektive gab.

Versuch und Irrtum als Politik?

Das Motto der Kanzler und der Ministerpräsidenten scheint auf „Versuch und Irrtum“ zu basieren. Die bescheidenen Versuche in Ehren - doch was passiert eigentlich, wenn sie sich irren sollten?

Die Kanzlerin jedenfalls, so geschickt sie auch argumentierte, hinterließ bei der Pressekonferenz einen etwas gequält-positiven Eindruck. Etwas Optimismus hätte ihr (und uns) wirklich nicht geschadet.

Die Krise - Vernunft, Spekulationen und Presse

Sinnreiche Rede: die deutsche Bundskanzlerin
Die deutsche Bundeskanzlerin verdient viel Lob. Sie sagte in ihrer Rede, was Sache ist, ein bisschen rhetorisch, aber durchaus kompetent und verständlich.

Klar - so ganz lässt sich die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mit der Corona-Krise vergleichen, doch dies ist mit Sicherheit zutreffend (Kanzlerin):

Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.

Denn genau darauf kommt es an, und nicht auf das, was Die Sensationspresse uns täglich „andreht“. Auch darauf wies die Kanzlerin indirekt hin. Wer wissen will, was „Sache ist“, findet beim RKI die Informationen, die er braucht - und keine Horrormeldungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg - fotografieren war verboten ...
Voraussagen sind Spekulationen

Die Krise zeigt uns die Grenzen der Voraussagen: Alles, was Zeitungen über die Dauer der Krise und die zukünftige Entwicklung schreiben, beruht auf vagen Annahmen oder gar kühnen Spekulationen. So spekuliert der österreichische Bundeskanzler öffentlich über die Dauer der Krise, was nicht hilfreich ist. Und er kritisiert weiterhin die EU und meint die Bundesrepublik Deutschland. Ach, Herr Kurz - Sie haben genau die gleichen Zahlen wie wir alle und verbreiten Spekulationen, die keinem Menschen auf dieser Erde helfen.

Zahlen allein sagen gar nichts aus

Apropos Zahlen und Experten - die täglichen „Fallzahlen“ sind eine Sache, und wir sollten sie nicht bezweifeln: Ihre Hochrechnung und Interpretation ist allerdings weitgehend spekulativ, und wir sollten überaus kritisch sein, sie zu verbreiten. Wo über „exponentielles Wachstum“ schwadroniert wird, sollte man besser einmal lesen, was der Mathematiker Stefan Flasche dazu der Deutschen Welle sagte.

Expertokratie als Alternative?

Inzwischen darf auch gefragt werden: Wer hat eigentlich die Bewertungshoheit für eine „Krise“? Die Boulevardpresse, die Politik oder die diversen „Experten“, vom Virologen über den Psychologen bis zum Mathematiker? Vorerst ist dies nur eine Frage - aber sie wird immer brisanter, je mehr Krisen von „Fachleuten“ beeinflusst werden.

Ob ich euch nicht etwas Netteres schreiben könnte? Fragt mich doch einfach - vielleicht mach ich es wirklich.

Nuhr, die Kanzlerin und die Jugend

Der Mann ist Satiriker, und erfreulicherweise kein Sozi-Unterstützer und wohlhabender Kapitalismuskritiker, wie so viele andere. Und er darf auf der Bühne sagen, was er denkt.

Was Nuhr nicht begreift, ist: Es muss eine neue, Erfolg versprechende Bewegung geben, die weder „rechts“ noch „links“ ist. Die Umwelt mag nur ein Vehikel sein, um die Massen der Jugend zu begeistern. Wer sie jedoch ignoriert, der verkennt, dass Veränderungen nicht „von selbst kommen“. Es sind Menschen, die sie schaffen.

In diesem Zusammenhang fällt mir auch die überhebliche Bemerkung der Kanzlerin ein, die ich hier mal zitieren darf:

(in Thunbergs Rede) … in der aus meiner Sicht nicht ausreichend zum Ausdruck kam, in welcher Weise Technologie, Innovation gerade im Energiebereich, aber auch im Energieeinsparbereich uns Möglichkeiten eröffnet, die Ziele zu erreichen.


Mit solchen Totschlagargumenten haben schon unsere Gymnasiallehrer gearbeitet: Man macht die Jugend mundtot, indem man sie auffordert, Alternativen zu nennen - das nannte man damals „konstruktive Kritik“. Aber das konnte die Jugend gar nicht leisten, und das wussten diese verdammten Schulmeister damals natürlich recht gut.

Also Vorsicht: Bitte die Jugend nicht unterschätzen, das kann zu fatalen Entwicklungen führen.