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Intelligenz

Kürzlich wurde ich gefragt, was „Intelligenz“ wirklich bedeutet. Nein, nicht künstliche Intelligenz, sondern natürliche.

Nun, wenn wir ohne jegliche Vorurteile an das Wort herangehen, stellen wir zunächst fest, dass es ein Fremdwort ist, das für viele geistige Prozesse benutzt wird, die auch anders bezeichnet werden könnten. Wenn ein Fremdwort benutzt wird, glauben bestimmte Wissenschaftler sofort, die Deutungshoheit darüber zu besitzen, und bei der Intelligenz ist es die Psychologie. Sie behauptet auch, mithilfe eines Tests den „Intelligenzquotienten“ feststellen zu können, der innerhalb der Psychologie fast ebenso selbstverständlich als Gradmesser der Intelligenz verstanden wird wie außerhalb der Psychologie.

Doch halt - sprach man nicht zuvor von „Klugheit“ und „Weisheit“? Eventuell auch „Scharfsinn“ oder „Einsicht“?

Oh ja - und jedes Wort hat ohne Zweifel eine Bedeutung, die mit dem Intelligenzbegriff der Psychologie nicht völlig übereinstimmt.

Hier muss ich mich selbst zitieren (nach einem Vorbild, wie ich zugeben muss):

Intelligenz war ursprünglich die Fähigkeit, Unterschiede feststellen zu können. In diesem Sinne behaupten Spötter, ein Teesieb sei intelligent, weil es die Teeblätter auffängt, das Getränk aber durchlässt. Später wurde als Intelligenz scheiden zu können - heute wird als „Intelligenz“ unter anderem bezeichnet, etwas logisch einzuordnen, etwas zu verstehen, selbstbewusst durch Wissen zu handeln, stets lernfähig zu sein, sich und andere emotional zu verstehen, nachdenken, zu planen, kreativ zu sein, kritisch zu denken und Probleme lösen zu können.
Diese Formulierung mag noch keine Klugheit oder gar Weisheit beinhalten, deckt aber einen deutlich breiteren Bereich ab als die „Bestimmung des IQ“.

Emotionale Intelligenz ist sie intelligent?

Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts wird auch im wissenschaftlichen Bereich über „soziale Intelligenz“ oder „emotionale Intelligenz“ gesprochen, wobei eigentlich gemeint ist, mithilfe von Intelligenz die Fähigkeit zu entwickeln, die eigenen wie auch die fremden Gefühle objektiver wahrzunehmen und einzuordnen. Ohne „Intelligenz“ ist dies deutlich schwieriger, wenn es überhaupt möglich ist.

Nein, die Psychologie weiß nicht, wie das Denken genau funktioniert

Wie genau Intelligenz funktioniert ist, unabhängig von der Formulierung, übrigens völlig unklar und der Psychologie auch kaum zugänglich. Es sei denn, man beschränkt sich darauf, dass intelligente Menschen offenbar schnellere Verknüpfungen herstellen können als weniger intelligente.

Selbst der Vergleich mit „künstlicher Intelligenz“, deren Innenleben man genau kennt, ist fragwürdig, weil künstliche Intelligenz unendlich viele Vergleiche benötigt, um zu einem Ergebnis zu kommen und dabei (falls Wissen gefragt ist) auf riesige Datenbanken zurückgreifen muss.

Was ist nun das Fazit?

Wir müssen darauf achten, dass unsere Sprache nicht von Psychologen oder Soziologen vereinnahmt wird. Normalerweise geschieht die nur bei Fremdwörtern und Wortneuschöpfungen. Kein Psychologe würde sich an der Bedeutung von Wörtern wie „Weisheit“ oder „Klugheit“ vergreifen - aber bei Intelligenz glaubt die Psycho-Branche plötzlich, zuständig (kompetent) zu sein.