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Hold – von der Schwierigkeit, ein neues Wort zu finden

Das Thema „hold“ habe ich schon einmal behandelt, und Leser, die mir hold sind, werden sich möglicherweise daran erinnern.

Dieser Tage habe ich im Rahmen von Recherchen darüber nachgedacht, wie ich jemandem das Wort erklären kann, der diesen Satz liest:

Die Dame war ihm hold und schenkte ihm schließlich ihre Gunst.


Na schön. Bestenfalls verwenden wir das Wort „hold“ noch in Verbindung mit dem Glück, das uns hold ist, während der Unhold uns garantiert nicht hold ist. Aber, was zum Teufel, ist eigentlich hold?

Alle Synonyme, die wir für das Wort finden, sagen entweder nicht das Gleiche aus oder sie klingen reichlich muffig. Die Dame im Beispiel könnte ihrem Galan „zugetan“ oder ihm „gewogen“ sein. Sie kann ihm auch zugeneigt sein, eine Neigung für ihn entwickeln, ihn liebevoll begünstigen, sich seiner annehmen oder ihm Wohlwollen entgegen bringen.

So richtig zeitgemäß klingt das nicht, oder?

Wir könnten natürlich schreiben:

Die Frau mochte ihn gerne und schlief schließlich mit ihm.


Am scheußlichsten wäre sicherlich:

Aus Nettigkeit vögelte sie ihn schließlich.


Ich sehe schon - die Musen sind uns nicht mehr hold, falls wir uns „modern“ ausdrücken wollen.

Ich wäre so gerne ein Hold – oder besser doch nicht?

Ach, die Unholde sind unter uns, die bösen, bösen Menschen, die alles anderes hold sind. Hold sind ihnen eben nur ihre verbohrten Ideologien. Ich verzichte gerne darauf, Namen zu nennen.

Nun, gelegentlich war (udn ist) mir jemand hold. Eine Dame, ein Gönner, ein Kunde. Wäre sie oder er mir unhold, so besäße ich nicht ihre oder seine Gunst. Und sehen Sie – selbst ich kann nicht auf die Gunst einzelner verzichten, wenngleich ich nicht um die Gunst zu buhlen bereit bin.

Und doch wäre ich gerne ein Hold, und eigentlich bin ich es längst, weil ich kein Unhold bin. Doch was wäre ein Hold?

Holdinnen, so weiß es der Dichter, haben ein weiches Herz, doch wäre anzumerken, dass sie möglicherweise nur dem hold sind, der seine Geldbörse für sie öffnet. Wäre ich also ein Hold – oh nein, dann bitte doch nicht. Obgleich Schriftsteller meiner Art ja stetig jemanden benötigen, der ihnen hold ist.