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Gutmenschen

Gutmenschen verherrlichen - Gutmenschen diffamieren - was ist fair?

Das Wort „Gutmensch“ ist für die einen ein Heiligtum, für die anderen Teufelswerk, und die Dritten beschreiben damit exakt das, was gemeint ist. Nämlich einen Menschen, der sein wirkliches oder vermeintliches „Gutsein“ als Etikett benutzt, um sich aus der Masse der „gewöhnlichen“ Menschen herauszuheben. Jedenfalls ist das so aus meiner Sicht.

Akademiker sind bisweilen spitzfindig, wenn es um Ausdrücke geht, die ihnen schlichtweg nicht „passen“. Möglicherweise, weil sie sich selber von der Masse abheben wollen.

Der „Gutmensch“ wurde 2015 zum Unwort erhoben, weil mit ihm angeblich ein Mensch bezeichnet wird, der tolerant und hilfsbereit ist, der aber von anderen als naiv, dumm und weltfremd angesehen wird. Die Sprachhüter aus Darmstadt dichteten der Aussage darüber hinaus an, solche Menschen würden diffamiert, weil sie angeblich ein Helfersyndrom hätten oder „moralischen Imperialismus“ verbreiteten.

Diese Aussage ist im Grunde ein völlig unerträgliches Meinungsgemenge.

Denn die Sprachhüter verwechseln einen „guten Menschen“, also einen, der selbstlos Gutes tut und fest daran glaubt, dass dies nützlich ist, mit einer Figur, die das Schild des Guten vor sich herträgt, um sich von „all den schlechten Menschen“ abzuheben.

In den Menschen wohnt das Gute wie das Schlechte, gleich, wie man beides definiert. Einstmals lasen wir von Dr. Jekyll, der versuchte, das Gute und das Böse zu separieren - es war ein grandios geschilderter Fehlschlag. In uns wohnen viele Eigenschaften, die wir nahezu alle zum Guten wie zum Bösen einsetzen können. Wir teilen uns nicht in „Gut“ und „Böse“, und es wäre fatal, beide Teile zu separieren.

Oh ja, „edel sie der Mensch, hilfreich und gut“ - ich höre es wohl. Aber es heißt „sei“ - und damit meinen wir: Es wäre wünschenswert. Wir wissen also sehr wohl, dass wir nicht immer „edel, hilfreich und gut“ sein können - auch ethische Werte müssen abgewogen werden. Und diejenigen, die wirklich tolerant sind, wissen darum.

Nikolaus und Erkenntnis

Wer die Geschichten von der Entstehung des Nikolausfestes für wahr hält, muss erstens Katholik und zweitens wundergläubig sein. Kurz: Es ist eine tränenrührige Legende, die uns erzählt wird, um zu glauben, dass die Gabe von Geld etwas Gutes bewirkt, wenn es nur in die richtigen Hände kommt.

Gutmenschen können Manipulatoren sein - wie alle anderen auch

Wie viele Legenden glauben wir eigentlich? Von was sprechen wir? Alle, blauäugige Gutmenschen wie bösartige Manipulatoren, arbeiten mit Legenden. Man ist dort bereit, alles abzunicken, was zur eigenen Ideologie passt – meist kenntnislos. Sachverstand haben wenige, die meisten labern nach, was ihnen in der Familie oder am Arbeitsplatz eingeflüstert wird. Dabei habe ich einschlägige Rechts- und Linksblätter sowie Boulevardzeitungen noch gar nicht erwähnt.

Rechthaberei und Neidhammelei - zwei gesamtdeutsche Unsitten

Was wollen die Leute eigentlich? Recht haben? Das Geld haben, das andere angeblich verdienen, obwohl sie gar nicht wissen, wie viel sie verdienen und was sie dafür leisten müssen? Rechthaberei und Neidhammelei gibt es im Westen wie im Osten – es muss irgendwie eine gesamtdeutsche Unsitte sein. Und überall hört man Legenden: von unbezahlbare Wohnraum in Deutschland, von entsetzlicher Armut, von fehlenden Zukunftsperspektive. Man ist auch gewohnt, etwas „über“ Menschen zu hören: über Umweltaktivisten, Migranten und Prostituierte … in jedem Kopf scheint eine eigene Welt zu existieren, die nicht durch Tatsachen abgedeckt werden kann – und auch nicht abgedeckt werden soll.

Eine Bloggerkollegin schrieb neulich (1):

Das Problem ist, dass wir von unterschiedlichen Dingen sprechen.
Das Problem ist, dass über gesprochen wird, statt mit.
Das Problem ist, dass wir teilweise in unterschiedlichen Sprachen sprechen.


Und falls du, liebe Leser, mit „verschiedenen Sprachen“ „Ausländer-Sprachen“ meinst: In Deutschland gib es eine erheblich Anzahl von Menschen, die kein Deutsch beherrschen und sich mit Begriffen verständigen, die gar kein differenziertes Denken ermöglichen.

Zu dumm, um in der Grundschule differenziertes Deutsch zu lernen? Oder nur zu faul? Damit kommt man als sogenannter „Bio-Deutscher“ offenbar gut durch. Und auch die angeblich so Klugen sprechen über „Dinge“ so, als wären sie eben auch „Dinge“ – so wie sie in ihren Köpfen existieren, aber nicht in der Realität.

Die Realität ist kompliziert – egal, was sie für dich oder mich ist, sie existiert „wirklich“ nur, indem wir darüber reden und uns über sie einigen. Und auf Legenden könnt ihr wirklich sch… dankend verzichten.

(1) Gemeint ist jemand, der auch bloggt. Ich verlinke in diesem Fall nicht.