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Erleichterung in Gera – kein AfD-OB

Nein, es hätte nicht „nur“ symbolische Bedeutung gehabt, wenn in Gera ein AfD-Mann Oberbürgermeister geworden wäre. Denn dies hätte vermutlich zugleich einen großen Teil der Region gelähmt. Das kulturell eher schwach beleuchtete Land zwischen Gera und Altenburg lebt von dem verbliebenen Teil kultureller Auseinandersetzung, die das Theater bietet.

Gewählt wurde der parteilose Kandidat Julian Vonarb. Gera gehört zu den Regionen, in denen die AfD bei der Bundestagswahl 2017 die meisten Stimmen holte. Seit 1994 schwankten die Bürger Geras bei Bundestagswahlen zwischen CDU, SPD und Linkspartei, was darauf hindeutet, dass die Wähler in Gera wankelmütig und unzufrieden sind.

Dies gilt allerdings für viele Regionen im Osten, die sich teils abgehängt fühlen, denen aber auch immer wieder durch die Medien vermittelt wird, dass sie „abgehängt sind“.

Kruso als Theaterstück

Ich war im Theater, und man gab „Kruso“ nach dem gleichnamigen Buch von Lutz Seiler. Die Sache hatte drei Aspekte:

1. Ich kenne das Buch nicht.
2. Ich sehe also das Theaterstück.
3. Ich orientiere mich an der Aufführung.

Es sollte, so las ich zuvor, um Hiddensee gehen, einen eigentümlichen Ort an der Ostseeküste der damaligen DDR, zeitlich kurz vor dem Verfall des "Arbeiter- und Bauernstaates". Um die Menschen, die auf die Freiheit im offenen Meer hofften und dabei zu Hunderten ertranken. Und um eine Männerfreundschaft.

Bis zur Pause begriff ich gar nichts. Alles war hübsch gespielt, manchmal gar ideenreich. Aber die Grundlage war eben ein Buch, zumal eines, das aufgrund seiner literarischen Qualität hochgelobt wurde. Und so etwas soll auf die Bühne passen? Immerhin sah ich in der Pause Betroffenheit, mehr als sonst üblich.

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Manchmal bekamen wir Menschen nackt zu sehen. Auch so etwas, das sich dem EX-DDR-Bürger eher erschließt als mir. Die Freiheit der Freikörperkultur, aha. Die Freiheit des Meeres, leider fast unüberwindlich. Auch klar. Nach der Pause: Auf der Bühne ist fast nichts mehr los. Ausklang. Am Ende dürfen noch einmal alle Schauspieler an den Bühnenrand, dürfen über das Ertrinken sprechen. Ertrinken als Preis für die Freiheit. Das geht an die Nieren, verstanden. Aber es ist zu wenig, viel zu wenig für eine große Bühne.

Was ich mitnehme? Die Realität der Ex-DDR. Die Arroganz der Macht. Und ich könnte abkotzen, dass es hier in Thüringen Menschen gibt, die immer noch dem Unrechtsstaat DDR nachtrauern und sich nach wie vor innerlich mit ihm identifizieren.

Aber vom Wert der Buchvorlage habe ich nicht einen Hauch gespürt.