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Scheinanglizismus oder gar kein Englisch?

In mehreren deutschen Tageszeitungen erschien heute ein Artikel über „Anglizismen“, der deutschen Sprache.

Ich darf mal zitieren:

Parshippen“ ist der Inbegriff der modernen Form der Partnersuche geworden. Nicht nur in der Werbung für die Dating-App Parship, sondern auch in ganz normalen Texten tritt das Verb jetzt in Erscheinung. Die vom englischen Nomen „parship“ (Partnerschaft) abgeleitete Kreation …


Ach ja?

Nur, dass es im Englischen gar nicht „parship“ heißt, sondern „Partnership“. Das Wort „Parship“ existiert im Englischen nicht – auf "Parse" folgt hier Parsee (Parsi), darauf Parsimonious, Parsley, „Parsnip“ und „Parson“. (1)

Nein, das „Nomen“ (Substantiv) existiert nicht. Das hätte man wissen können, denn zuvor hieß es

Im Englischen selbst existiert die Verbform - also „to parship“ - nicht.


Wer den Unsinn mit dem Nomen verzapft hat? Vermutlich die dpa.

(1) Logmans Dictionary of Contemporary Englisch

CDU-Politiker mokiert sich über englischsprachige Kellner

Das Sommerloch macht’s möglich: Ein gewisser Jens Spahn , seines Zeichens Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und CDU-Politiker, mokiert sich über „englischsprachige Kellner“.

Da hätte ich drei Tipps:

1. In Lokale gehen, in denen die Kellner deutsch sprechen.
2. Selber englisch lernen.
3. Die Ursachen feststellen.

Und vor allem: Mal wieder abregen. Jemand, der in Deutschland einen guten Job tut, tut auch dann einen guten Job, wenn er (noch nicht) so gut deutsch spricht.

Kleine Englischlektion für Wissenschaftler

Kleine Englischlektion für Wissenschaftler - oder: wie man schlechte Übersetzungen abschreibt und es trotzdem auffällt.

„Less likely“ heißt sinngemäß „weniger wahrscheinlich“ oder eben auch „unwahrscheinlicher“. Und wenn wir nun diesen Satz lesen, dann könnten wir ihn eigentlich ganz gut so übersetzen:

“Couples who meet online and get married are slightly less likely to divorce …”

„Für Paare, die einander online begegnen und später heiraten, ist das Risiko der Scheidung ein wenig geringer …“


Wollen wir „Risiko“ meiden, dann können wir schreiben:

„Paare, die einander online begegnen und später heiraten, werden seltener geschieden als …“


Das mit dem „etwas geringer“ oder „ein wenig geringer“ käme man ja gut hin, doch irgendjemand hat dies einmal so übersetzt: „Weniger frühe Scheidungen“, und das klingt dann so:

Interessant ist die Erkenntnis, dass Paare, die sich online kennengelernt hatten und später heirateten … weniger.
frühe Scheidungen aufwiesen.


Ach, so ist das also? Nun, der Fehler „wenig frühe Scheidungen“ zieht sich seit Jahren durchs Internet, und er wurde später größtenteils korrigiert. Die Forschungen als solche sind ein wenig umstritten – aber das interessiert zumeist niemanden in Deutschland.

Englisches Original aus Live Science von 2013.