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Gar nichts Tun

Seitenblicke
Ich versuche heute etwas sehr schwieriges: Gar nichts zu tun. Und bevor jemand fragt: Es muss sein. Fünf Tage benötigen die Damen und Herren, die sich um mich bemühen, um etwas an mir zu reparieren und das Ergebnis zu beobachten.

Es ist für mich unglaublich schwierig, gar nichts zu tun. Vor allem, weil ich sonst mindestens sechs bis acht Stunden über etwas nachdenke, sei es, dass ich recherchiere, lese, einordne, nachdenke oder schreibe.

Eben bot man mir Kaffee an – die Kaffeezeit und die anderen Mahlzeiten scheinen die einzigen Abwechslungen zu sein, die man mir gönnt – oder zumutet.

Dann und wann gehe ich ein paar Schritte, und vielleicht werde ich morgen auch mal mit jemandem reden. Richtig reden, meine ich. Es fällt mir schwer, weil ich genau zuhören muss, um den hiesigen Dialekt zu verstehen.

Es mag sein, dass ich mich einige Tage nicht melde, weil es mir gefällt, gar nichts zu tun.

Gedanken

Im Sommer werden die Gedanken leichter, aber auch jetzt fliegen sie schon wie die Vögel hinaus
Wahrscheinlich (na, nicht sehr wahrscheinlich) kennen Sie das Gedicht von Manfred Hausin „Schulfreund“. Es ist kurz, und es hinterlässt nachdenkliche Menschen ebenso wie solche, die widersprechen.

Ich muss es aus der Erinnerung nehmen, weil es im Internet versteckt wurde. Jedenfalls heißt es dort

Er hat Karriere gemacht
Und ich mir Gedanken.


Der Widerspruch kommt von jenen, die Karriere gemacht haben, niemals von jenen, die sich Gedanken machten. Mit Karrieren lässt sich fast immer herumprahlen, und auch die Frauen sind beeindruckt davon. Gedanken hingegen sind höchst verdächtig. Warum soll ein Mensch überhaupt denken? Manche lassen bei der Konservativen denken, andere bei den Sozialisten, und manche gar bei den Rechtsextremisten und Kommunisten. Aber eigene Gedanken? Eigenbrötler? Sonderling? Vielleicht gar Matsch im Hirn?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich jemand Gedanken macht und diese gar noch veröffentlicht, die sich nicht an den „Mainstream“ oder irgendeinen Extremismus anhängt.

Ich hatte das Glück, mir erst Gedanken zu machen, sie dann zu strukturieren, und sie schließlich wirtschaftlich zu verwenden. Und dann gab es noch eine nette kleine Karriere. Nicht der Rede wert, aber ein interessanter Teil des eigenen Lebens.

Und jetzt? Jetzt kann ich denken, was ich will, wann ich will und wo ich will.