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Reden, um einander auszuhalten?

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Sicher, man kann reden, wenn man einander etwas mitzuteilen hat. Man kann auch reden, weil man zu neuen Erkenntnissen gelangen möchte. Heute hörte ich von einer weiteren Möglichkeit:

Es geht in Unterhaltungen nicht unbedingt darum, den anderen zu verstehen, sondern es miteinander auszuhalten.


Und nun denke ich: Aha, so denken die Leute hier. Und ich gestehe:

Ich halte es nicht aus, wenn es nur darum geht, einander auszuhalten.

Dann gehe ich, still, ohne die Tür zuzuschlagen. Sollen die anderen weiterreden, um einander auszuhalten.

Zitat aus dem Roman „Fallensteller“ von Saša Stanišić .

Zur Ruhe setzten

Ist er im Ruhestand? Nat Adderley sagte einmal, er habe nie von einem Musiker gehört, der sich zur Ruhe setze. Ein Musiker liebe das, was er tut, und was solle er denn eigentlich tun, wenn er sich zur Ruhe setzte? Für die Wände spielen?

Schriftsteller wissen schon, was es heißt, für die Wände zu schreiben oder für die Spatzen. Es ist das dumme Gefühl, nicht gehört, nicht gelesen und nicht gemocht zu werden.

Aber für alle Künstler gilt: Ich bin kreativ, also lebe ich.

Ich schreibe, also lebe ich. Es gibt keinen „Ruhestand“, aber ich bemerke doch, wie oft ich länger nachdenke, bevor ich meinen Namen unter einen Artikel setzte.

Natürlich schreibe ich auch noch Content. Das ist einfacher, weil man dabei kaum nachdenken muss. Und dennoch hasse ich Content-Schreiber, die einen Artikel aus der etwas besseren Bürgerpresse abkupfern und einen dämlichen Satz einfügen, der einen Produktlink enthält. Von mir bekommen sie so etwas nicht.

Ich lasse es bisweilen ruhiger angehen. Aber im Ruhestand bin ich noch lange nicht.

Bonmot

Meine Texte sind der schönste Blödsinn, den das Publikum für Tiefsinn hält.


Monique Serf , besser bekannt als „Barbara“

Valentinstag und ein bisschen Sprachmanipulation

Ob Weihnachten oder bei den Heiligen – der katholische Zungenschlag im deutschen Wikipedia ist zwar minimal, aber deutlich spürbar.

So heißt es im deutschen Wikipedia-Lexikon:

Valentin von Terni ist ein Heiliger und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche. Im 3. Jahrhundert nach Christus war er Bischof von Interamna, dem heutigen Terni. Valentin von Terni wird heutzutage als Patron der Liebenden verehrt, so dass auf ihn das Brauchtum des Valentinstags zurückgeht.“


Das würde bedeuten, dass dieses Brauchtum unmittelbar auf den Heiligen Valentin von Terni zurückgeht, und zwar offenbar erst seit Kurzem, nämlich „heutzutage“. Zudem wird behauptet, er sein ein „Patron“, also ein Schutzheiliger der Leibenden.

Und wie heißt es im englischen Wikipedia-Lexikon?

Sankt Valentin von Terni … ist ein weithin beachteter römischer Heiliger, an den am 14. Februar erinnert wird, und (sein Name ist) seit dem Hochmittelalter mit der Tradition der höfischen Minne verbunden.


Dieser Text ist neutraler – und am Ende der zutreffendere Text. Denn in er Tat ist es der englische Dichter Geoffrey Chaucer, der dem „Heiligen Valentin“ die Funktion eines Liebes- und Frühlingsbringers zuwies. Und er lebte von 1342 – 1400.

Der Text, aus dem dies hervorgeht, heißt sinngemäß so:

Willkommen Sommer, lass dich loben,
Die Winterstürme wirst du wehren,
Die dunklen Nächte bald vertreiben.
St. Valentin, du thronst dort oben,
Die Vögel singen zu deinen Ehren,
Willkommen Sommer, lass dich loben,
Die Winterstürme wirst du bekehren.


Das ganze Gedicht mit den Elementen der höfischen Liebe (Minne) kann man bei Librarius nachlesen.

http://www.librarius.com/parliamentfs.htm

Kofferablage

Nahezu jeder ICE hat eine Kofferablage – gut einsehbar, und vor allem noch gut erreichbar für Senioren, und dabei wesentlich sicherer als die Ablage über den Köpfen der Mitreisenden.

Das ältere Ehepaar (deutlich gegen 75 gehend, wenn nicht gar …) muss den „Überseekoffer“ natürlich auf die obere Gepäckablage wuchten. Das gelingt mithilfe einiger wackerer Japaner auch. Dann noch ein paar Tütchen und Kleidungsstücke, die zum Teil wieder herunterfallen. Am Ende gelang es ihnen, alles in der „Hutablage“ zu verstauen – und es blieb auch alles oben, solange ich im Zug war.

Und das war immerhin tröstlich.

Oh, ich fuhr diesmal zweiter Klasse – mitten im Weihnachtsrummel und auf kurzer Strecke. Mittlerweile hat mich das Büro wieder.