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„Gefährlich und alarmierend“ – Panikmache durch die Presse

Die Presse ist unkritisch und populistisch geworden – und es handelt sich bei Weitem nicht nur um die „üblichen Kandidaten“. Ich verfolgte eine Meldung, deren Grundlagen wachsweich sind.

Wir wissen, dass bestimmte Frauen alle Männer für Verbrecher halten – und wir wissen auch, dass sie dabei extrem sexistisch vorgehen, obgleich sie das Gegenteil behaupten. Denn Männer sind für viele Frauen eben „Feinde“, weil das zum „guten Ton“ gehört.

Einige Männergruppen im Netz sind unerträglich

Nun gibt es „online“ allerlei absonderliche und absurde „communities“ – solche, die bewusst Unwahrheiten verbreiten, solche, die es schick finden, an Unwahrheiten beteiligt zu sein, und solche, die einfach aus miesen und feigen Kreaturen bestehen, die tatsächlich meinen, was sie sagen. Oder jedenfalls dort mitkacken wollen, wo auch die großen Machos scheißen. Und tatsächlich – es verwundert nicht – gibt es dort ein paar Gruppen, die Frauen für absolut wertlose Objekte halten, denen man es „mal ordentlich besorgen“ muss. Das ist bedauerlich und befremdlich, und falls diese Jungs meinen, was sie sagen, muss ihnen mall jemand die Ohren lang ziehen.

Ein paar miese Typen finden es schick, noch mieser zu sein als andere

Unter diesen miesen Typen gibt es offenbar neuerdings ein paar Figuren, die es offenbar schick finden, das Tragen eines Kondoms vorzutäuschen, aber es dann vor dem Geschlechtsakt zu entfernen. Da ist nicht nur unfein, sondern in der Tat mies. Und es schadet nicht nur der Frau, sondern es kann selbstverständlich auch dem Mann schaden. STDs sind ja nicht einseitig übertragbar, sondern beidseitig. Klartext: Diese miesen Männer verspritzen ihr Sperma wahllos und mit hohem Risiko in Frauenkörper und sind noch stolz darauf.

Fakten? Ach, wer braucht denn schon Fakten?

Wobei einiges verwundert. Erstens, dass wir von einer Gruppe von Dösköppen reden, die nicht wissen, was sie tun (auch nicht, was sie sich selbst antun). Zweitens, dass diese Gruppe via Forschung und Medien in jede Ecke der Boulevard- und Bürgerpresse wandert und drittens, warum die Öffentlichkeit von einer „einseitigen“ Übertragung von STDs ausgeht, also: Frauen haben nie welche, Männer aber ziemlich oft. Viertens fehlen Zahlen, also wie häufig so etwas tatsächlich stattfand (und nicht nur behauptet wurde, Jungs lieben es, im Rudel zu lügen). Und fünftens fehlt jeder Beweis dafür, dass es sich um einen „gefährlichen und alarmierenden Trend“ handelt, wie die meisten Publikationen der auf Sensationen ausgerichteten Bürger- und Boulevardpresse Presse behaupten.

Kritiklose Presse mit dem Trend, Fake News zu verbreiten

Interessant ist, auf welchen Wegen so etwa sin die Presse kommt: Über eine Publikation in der „Huffington Post“, die auf einem etwas dürftigen Forschungsbeitrag beruht. Alle anderen haben entweder das Original oder den Huffington-Artikel nachempfunden – und verbreiten mit „Trend“, „gefährlich“ und „alarmierend“ Panik. Von Fake News ist diese Vorgehensweise nicht weit entfernt.

Endstation Sehnsucht

Ich habe gestern „Endstation Sehnsucht“ gesehen, hier in Altenburg. Das Stück dauerte gut drei Stunden, also lange genug, um ein bisschen nachzudenken.

Das Drama um Blanche DuBois hat viele Seiten, und eine davon ist der Zerfall der Südstaatenaristokratie. Man lebte vornehm, sprach französisch, hielt sich an die Regeln des Anstands der "besseren Kreise". Doch der Zerfall ist unausweichlich, und während Blanche DuBois wenigstens noch lange Jahre wenigstens innerlich versucht, den Anschein des vornehmen Lebens zu wahren, ist Schwester Stella Kowalski in der Realität angekommen. Hauptsache, ein Dach über dem Kopf, ein Mann und eine leidliche Versorgung. Da nimmt sie in Kauf, dass ihr Ehemann Stanley brutal wird, wenn er trinkt. Und getrunken wird im Stück sehr, sehr viel.

Im Stück stellt sich die Frage: „Wer wird überleben“, und in der Tat werden jene emotional überleben, die hart und rücksichtslos sind. Für die Feinsinnigen ist kein Platz – nicht in der Familie der Kowalskis und auch sonst nicht in der harten Realität des Beinahe-Slums, in dem man wohnt. Immerhin macht Harold Mitchell hier eine Ausnahme, der im Grunde der richtige Mann wäre, um ein Leben mit Blanche zu versuchen – wenn Blanche die Person wäre, die sie zu sein vorgibt: sensibel, vornehm und zurückhaltend.

Nun, die Dinge gehen schief. So weit, so schlecht. Aber immerhin echt. Blanche DuBois verschwindet in der Klapsmühle – völlig entpersonifiziert, doch weiterhin mit gespieltem tadellosem Benehmen.

Und nun, alles in Ordnung?

Wie soll man ein Südstaatendrama von 1947 einem deutschen, gar noch einem thüringischen Publikum 2017 verständlich machen?

Ich weiß nicht, ob man es kann. Aber es ist nicht gelungen. Blanche Dubois wird auf ihre sexuelle Haltlosigkeit, ihre emotionale Schwäche und ihre Trunksucht reduziert. Eine irre Alkoholikerin, die den anderen etwas vorspielt.

Damit wirkt sie jedoch wie jede andere irre Alkoholikerin, die krampfhaft ihren Status des Anstandes wahren will. Die gibt’s natürlich auch 2017, und vielleicht kennt man ja in der Stadt einige Beispiele – schließlich gehört der Alkohol auch in dieser Stadt zum Leben wie das täglich Brot.

Südstaaten? Oh, welche Südstaaten? New Orleans, Louisiana? Ein rauschendes, berauschtes Leben? Sommertemperaturen, die man kaum aushält? Eine Schwüle, die auf die Seele drückt und zugleich den Leichtsinn fördert?

Ach wo. Man spielt Theater, versucht „das Wesentliche“ herauszuarbeiten. Blanche DuBois ist eigenartig, aber zunächst ist sie eingenartig liebenswert. Ist sie wirklich so irr, wie sie dargestellt wird? Wollte Tennessee Williams das Bild einer Frau zeichnen, die schon psychisch zersetzt war, als sie in New Orleans ankam? War da nicht außer der Selbstzerstörung und dem falschen Schein wirklich von Anfang an der Irrsinn in ihr?

Irgendwie war das der Text von Tennessee Williams, ja. Und doch war die Aufführung irgendwie unglaubwürdig. Ein entsetzliches Kaspertheater, das mit der menschlichen Seele spielt? Vielleicht.

Ich bin kein Theaterkritiker. Doch in meinem Kopf verblieb (ohne den Film) das Bild einer anderen Blanche DuBois. Einer zerbrechlichen Frau, die in New Orleans vollends zerstört wird, weil sie nicht wie die anderen ist und man ihr das bisschen Glück, was ihr verbleibt, nicht gönnt.

Ei, ei – das zweite Weihnachten naht …

… und alle Menschen versuchen, mir etwas zu verkaufen … das Fest soll ja Ostern heißen, was bedeutet: Die Geschäfte schließen Freitag und Montag. Aber es eilt wirklich nicht so mit der neuen Frühlingsmode, denn es wird wieder kalt. Brr ….

Der Sinn des Bloggens

Blogger sind zum Erfolg verurteilt. Und wenn meine publikumsintensivste Publikation im Monat keine 21.000 Besucher (nicht auf diesem Blog, versteht sich) habe, dann versuche ich bereits, an den Schrauben zu drehen. Oder mir Gedanken darüber zu manchen, ob ich mit meinen Autorinnen und Autoren (oder mit den Themen) richtig liege.

Warum überhaupt der Erfolg? Ich nehme keine offenkundige Trickwerbung, die sich mühsam als „Advertorial“ tarnt. Ich bespreche aber Produkt (oder gebe sie jemandem zum Besprechen), wenn sie mir gefallen – unabhängig vom Kommerz. Und ich berichte über Firmen und ihre Aktivitäten, wenn ich denke, dass es von allgemeinem Interesse ist.

Wenn man nicht mehr bloggt, sei es aus persönlicher Sicht oder mit journalistischem Selbstverständnis, dann fehlt eine Stimme im Internet. Und mit jeder unabhängigen Stimme werden die Extremisten einerseits und die Gleichmacher andererseits gestärkt. Und vor allem verschwindet der liberale Gedanke, der ohnehin auf dem Rückzug ist.

Das ist der Sinn des Bloggens - jedenfalls hier.

Die Zahlen beziehen sich auf die Liebeszeitung.

Reden, um einander auszuhalten?

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Sicher, man kann reden, wenn man einander etwas mitzuteilen hat. Man kann auch reden, weil man zu neuen Erkenntnissen gelangen möchte. Heute hörte ich von einer weiteren Möglichkeit:

Es geht in Unterhaltungen nicht unbedingt darum, den anderen zu verstehen, sondern es miteinander auszuhalten.


Und nun denke ich: Aha, so denken die Leute hier. Und ich gestehe:

Ich halte es nicht aus, wenn es nur darum geht, einander auszuhalten.

Dann gehe ich, still, ohne die Tür zuzuschlagen. Sollen die anderen weiterreden, um einander auszuhalten.

Zitat aus dem Roman „Fallensteller“ von Saša Stanišić .