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Korrektes Deutsch mit Ketchup

Ganz korrektes Deutsch wird selten geschrieben. Warum auch, denn „ganz und gar“ korrektes Deutsch wir nur in der Schule gelehrt. Dichter sollte es gar nicht, Schriftsteller nur mäßig kümmern, denn „ganz korrektes Deutsch“ ist oft auch langweiliges Deutsch.

Das große SZ und das kleine SZ
Nun gibt es Neuigkeiten: Zum Beispiel ein Eszett, auch "scharfes S" genannt, als Großbuchstaben.Die ZEIT meinte, es sähe aus wie "ein Hybrid aus kleingeschriebenem ß und einem großgeschrieben B."

Also höret, Mitmenschen: Ihr könnt euch zwei lange und überwiegend langweilige Dokumente aus dem Internet herunterladen, wenn ihr Lehrer oder Schüler seid. Zum Beispiel die Regeln oder das Wörterverzeichnis.

Ja, und eines freut mich: Es gibt kein Ketschup mehr. Nur noch Ketchup. Preisfrage: Heißt es das Ketchup oder der Ketchup? Der Duden will wissen: Ketchup existiert männlich und sächlich. Also hat DIE ZEIT wahrlich recht, wenn Sie schreibt „es gibt keinen Ketschup mehr.“ Und ich, wenn ich schreibe: Es gibt kein Ketschup mehr."

Hyping und andere – wurden die Begriffe erfunden?

Ich hype, ich werde gehypt - wann hört der Unfug solcher Wortschöpfungen auf?
Wissen Sie noch, was ein Metrosexueller war? Nun, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Das sind schicke junge Männer, die ebenso modebewusst wie körperbewusst sind, aber dennoch heterosexuell. Früher nannte man solche Männer auch mal „Dandys“. Heute ist der Begriff schon wieder aus der Mode gekommen - wenn er überhaupt jemals in Mode war.

Nun hat, wie mir scheint, eine Bloggerin den Trend auf die Schippe genommen, im Bereich des „Datings“ ständig neue Begriffe zu erfinden. Diesmal war es „hyping“. Ausgebrütet hat diesen Begriff wahrscheinlich die Bloggerin Vix Meldrewe, auf deren Artikel vom 4. Mai 2017 sich dann (merkwürdigerweise noch am selben Tag) die britische Presse stürzte. Da auch die Journalisten einschlägiger deutscher Presseerzeugnisse die britische Boulevardpresse lesen, dauerte es nicht lange, bis man hierzulande davon lesen konnte.

Dümmliche Worte werden als "Fiese Trends" vermarktet

Für Leute, die’s nicht wissen: Es „ingt“ nur so in den Boulevard- und Frauenzeitschriften, die jedes Fitzelchen im sogenannten „Dating“ aufgreifen, um ein angeblich neues Wort zu verbreiten. Das wäre nicht so schlimm, wenn so etwas nicht gleich als „fieser Trend“ vermarktet würde. Man erinnert sich noch an „Benching“, „Ghosting“ und „Breadcrumbing“, die ebenfalls als „fiese Datingmaschen“ vermarktet wurden. Zielgruppe sind meist junge, einfach gestrickte Frauen, für die daraus „Warnmärchen“ gezimmert wurden, zum Beispiel, wie man diese „fiesen Typen“, die so etwas machen, erkennt und vermeidet.

Der Wolf oder der Mann ist böse oder krank - was sonst?

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf? Kaum eine junge Frau, den sie weiß ja (noch) nicht, was für ein böses Tier der Wolf (Pardon, der Mann) ist. Und deshalb gibt es die Beratungstanten und Beratungsonkels, die bei jedem neuen Begriff genau wissen, wer „so etwas“ tut und wie man den Kontakt zu diesen Männern vermeidet. Mal sind sie Schufte, am Scheißkerle, mal haben sie nicht alle Drähte richtig verlötet – für die letztere Gruppe gibt’s dann die Interpretationen aus der Küchenpsychologie.

Fake News aus Expertenmund?

Die ganze Chose hat etwas von Fake News. Erfinde ein Wort, schreibe über die schrecklichen Dinge, die Menschen (meist Männer) damit anrichten – insbesondere die psychischen Qualen, die Frauen dadurch erleiden. Sie werden sich ausmalen können, wie enttäuschte Frauen ihre Kopfkissen nass weinen, nicht wahr?

Und alles, alles, ist erfunden. Zwar gibt es ein paar Männer, die wirkliche Schufte sind. Und es gibt einige unschöne Verhaltensweisen. Aber es gibt diese Wörter nicht wirklich, und dahinter stehen keine tatsächlich existierenden Phänomene.

Warum Sie an sich selbst arbeiten sollten, wenn Sie "betroffen" sind

Und diejenigen, die betroffen sind? Wohlwollen kann ich ihnen sagen: Die Menschen sind nicht so, wie sie oder ich sie gerne hätten. Sie leben so, wie sie selbst möchten, auch dann, wenn es uns missfällt. Und mit etwas weniger wohlwollen: Arbeiten Sie bitte an sich, wenn Ihnen so etwas häufiger passiert. Die Welt zu ändern, ist verdammt schwer. Aber Sie selbst können sich verändern – und das ist nicht so schwer.

Die Wäsche …

Nicht sehr fein: jemanden an die Wäsche gehen
Und dann ist er mir an die Wäsche gegangen …

Warum sagt man wohl, ein Herr sei einer Dame „an die Wäsche gegangen“? Kaum jemand weiß noch, dass die Wäsche jener Teil der (Unter-)Kleidung war, die gewaschen wurde. Deshalb heißt sie ja auch Unterwäsche, in manchen Gegenden auch Leibwäsche, gelegentlich auch Körperwäsche genannt.

Das Wort „Wäsche“ ist seit dem Mittelhochdeutschen in Gebrauch, und es war bis in die 1950er Jahre durchaus gebräuchlich. Der Brockhaus wusste gegen 1900:

(Zur Wäsche gehören) zur Kleidung und zur Haushaltung notwendigen, meist leinenen oder baumwollenen Gebrauchsartikel, die nach erfolgter Benutzung durch Reinigung mit Wasser (Waschen) wiederholt von Neuem gebrauchsfähig gemacht werden können.


Reizwäsche

War die Wäsche von besonderem Reiz, hob sie den Körper reizvoll hervor oder konnte man damit Männer reizen, so heiß sie auch „Reizwäsche“, ein Wort, das kaum noch gebräuchlich ist.

Man sagte gelegentlich auch „Maschenmode“, obgleich dieser Begriff aus der Modebrache ebenfalls nicht mehr sehr bekannt ist. Bekannter für die Unterwäsche der Damen sind die Begriffe „Miederwaren“ oder nach dem Französischen „Dessous“ oder „Lingerie“. Woher die „Masche“ in der „Maschenmode“ kommt, ist nicht ganz sicher. Offenbar handelt es sich um einen österreichischen Ausdruck für eine geschickt an den Dessous drapierte Schleife, möglicherweise als Strumpfband. Es könnte aber auch eine andere Bezeichnung für „Strapse“ oder „Spitze“ sein.

Lernen Deutsch zuerst?

Ja, da habe ich verstanden:

Wenn du mit uns zusammenarbeiten möchtest, muss dir bewusst sein, dass du einige Lehrvideos von uns erhalten wirst, ich welchen wir dir genauestens erkläre, was für Texte du schreiben sollst und wir dich auf unser „System“ einlernen.


Ist ja gut. Texter sind zu doof, um zu begreifen, was und wie sie schreiben sollen, und brauchen daher „Lehrvideos“. Lehrvideos? Wieso Videos? Ich dachte immer, Beispieltexte?

Oh, ich hätte eine Idee: Deutschlehrgänge. Die könnte der Inserent dringend brauchen. Denn geboten werden „5000 Worten pro Woche bis 5000 Wort pro Monat“. Gemeint sind Wörter. 5.000 Wörter pro Monat würde übrigens einen Gesamtumsatz von 20.000 bis 30.000 Euro-Cent bedeuten – 200 bis 300 Euro.

Und die Bezahlung? Ei, ei. Da wird ein an sich ganz passabler Betrag angeboten (vier bis sechs Cent pro Wort), aber dann schränkt der Anbieter ein, dass der Autor zu Anfang nur einen „kleineren Anteil“ davon bekommen wird. Ach, und den Rest?

„Den Rest wirst du im Nachhinein, in Form von Beteiligung, was dein Text an Umsatz generiert, verdienen!“

Daran, was ein Text an Umsatz generiert? Das mag viellicht auch am Texter liegen – vor allem aber am Medium.

Zitate: Aus Bloggerjobs

Ähnliche Interessen – Ausdruck von Dummheit oder kluge Entscheidung?

„Interessen“ ist an sich schon ein recht eigenartiges Wort. Wenn etwas mein Interesse weckt, dann liege ich (auch sprachlich) richtig. Interessen zu haben ist schon etwas fragwürdiger. Schließlich hat man sie nicht einfach, so wie Bücher oder Kloschüsseln. Aber weil es offenbar der „kleinste gemeinsame Nenner“ in der Partnersuche ist, behauptet fast die Hälfte der Befragten zum „Online-Dating“, dass sie nach Personen mit ähnlichen Interessen suchen.

Zunächst: ähnliche Interessen zu pflegen, kann Sinn haben, weil „gemeinsame Interessen“ dafür sorgen, gemeinsam zu handeln. Zudem kann man dabei recht viel Zeit miteinander verbringen – und auch dies stärkt die aufkeimende Beziehung.

Dagegen spricht zweierlei: Oberflächliche Interessen führen schnell zu Pseudo-Gemeinsamkeiten. Und insbesondere bei jungen Menschen ändern sich die Interessen mit den Jahren. Typisch dafür sind Fragen nach dem „Geschmack“, sei es nun in der Raumausstattung, in der Malerei oder in der Musik. Aber auch spezifische Interessen, die manche auch als „Liebhabereien“ oder „Hobbys“ bezeichnen, können sich ändern.

Wichtiger als die "Interessen als solche" ist die Frage, wie intensiv jemand seine besonderen Interessen verfolgt. Mal an irgendetwas zu „naschen“ oder einem Trend zu verfolgen, ist kein wirkliches Interesse. Wer wirklich interessiert an etwas ist, kann dieses Interesse spielerisch oder verbissen ausüben – und bei „Verbissenheit“ ist der Fanatismus oft nicht weit.

Und so bemerken wir denn – hoppla, es sind gar nicht die „Interessen“ als solche, sondern die Art, in der wir sie verfolgen und wie wir unser Interesse mit anderen teilen können.

Und nur mal ganz höflich nebenbei bemerkt – das Hauptinteresse des Menschen sollte eigentlich nicht darin liegen, irgendwelche Interessen zu verfolgen, sondern sich im Beruf und seiner sozialen Umgebung wohlzufühlen. Alle anderen Interessen sind manchmal wichtig und notwendig, oftmals aber auch nichts als „Zeitvertreib“ – falls man denn Zeit hat, die es zu vertreiben gilt.