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Bayrischer Größenwahn

Der LVZ-Kommentator bringt die „Causa CSU“ auf den Punkt:

Im München formiert sich jetzt, so ungeheuerlich das klingt, eine generelle populistische Attacke auf die Europäische Union“


Bayrischer Größenwahn, wie gehabt? Nein, schon eher „Bayern First“ als populistische Tröte – da hat man sehr genau auf Herrn Orban gehört – oder vielleicht vergleichen sich die bayrischen Landesfürsten bereits mit Donald Trump?

Der Herr Seehofer meinte gerade:

Frau Kramp-Karrenbauer stellt uns als Provinzfürsten aus Bayern hin, die die europäische Idee nicht verstanden haben.


Nein, das tut sie nicht. Denn gegenwärtig tun einige Männer aus dem Lande Bayern gerade alles, um Deutschland nachhaltig in Richtung „Heimattümelei“ zu verändern. Und sie versuchen, ihre vermeintliche Macht und Herrlichkeit auf ganz Deutschland auszuweiten. Nein, neu ist das nicht – alles schon Mal da gewesen. Ein gewisser Strauß, Franz Joseph, hatte es auch schon versucht.

Deutschland ist aber nicht Bayern. Deutschland ist Deutschland und Bayern ist nur ein kleiner Teil davon, der glaubt, eine Riesenbedeutung zu haben.

Man nennt das auch Größenwahn.

Zitat (oben) aus der LVZ (Printausgabe) vom 16. Juni 2018.
Zitat (unten) In nahezu allen deutschen Medien.

Merkel, die Bajuwaren und die Flüchtlinge

Es gibt drei Dinge, die wir in Deutschland klären müssen.

Wir brauchen eine starke Regierung, keine Bayern-Querschläger

Das Ernste ist, dass wir eine stabile, verlässliche Regierung benötigen. Wie bekannt, sind derzeit verbale Heckenschützen aus Bayern unterwegs, die das zu torpedieren versuchen. Deutschland ist aber nicht Bayern, und die CSU ist nicht deutsch, sondern bayrisch.

Auf Kernthemen konzentrieren - nicht auf Klimbim

Das Zweite ist, dass wir uns um die Kernthemen bemühen müssen – Bildung, Digitalisierung, stabile Wirtschaft, Fachkräftemangel sowie eine handlungsfähige und wehrhafte EU. Stattdessen werden „Randthemen“ hochgespielt.

Flüchtlingspolitik lenken, nicht dabei zugucken

Und das Dritte ist zweifellos, dass in „der“ Flüchtlingsfrage gehandelt werden muss. Zu viele Menschen sind mit der „Flüchtlingspolitik“ der Kanzlerin nicht einverstanden. Und selbst, wenn dies Blödsinn ist, kann die Kanzlerin bei diesem Thema nicht einfach weitermauscheln und zugucken.

Und nochmal die Bajuwaren:

Frau Kramp-Karrenbauer stellt uns als Provinzfürsten aus Bayern hin Wieso eigentlich "stellt euch so hin"? ihr spielt euch doch ständig so auf .. oder irre mich da, Bayernfürsten?

Frau Wagenknecht und der „Kontrollverlust“

„Kontrollverlust“ ist ein düsterer Buchtitel des Autors Thorsten Schulte. Der ist ein rechtspopulistischer Erfolgsautor – woran man sehen kann, dass Rechtspopulismus außerordentliche einträglich sein kann, wenn man zur rechten Zeit auf den fahrenden Zug aufspringt.

Eigentlich bezeichnet Kontrollverlust allerdings den Verlust der bewussten Steuerung des der Emotionen, des Denkens und des Handelns.

Und nun fragt sich, was Frau Wagenknecht wohl gemeint hat, als sie der „Passauer neuen Presse“ sagte:

Der "Kontrollverlust", den es im Herbst 2015 gegeben habe, "hat dieses Land verändert, und zwar nicht zum Besseren.


Nun hat es erstens „im Herbst 2015“ keinen Kontrollverlust gegeben, sondern eine Entscheidung. Zweitens hat dies vor allem die Rechte Szene ausgenutzt, während sich für die meisten Bürger fast gar nichts verändert hat. Und drittens kann ein tatsächlicher Kontrollverlust niemals „zum Besseren“ führen, sondern immer nur zu Verschlechterungen.

Es wäre wirklich gut, sich zu überlegen, was man sagt, wenn man der Partei „Die Linke“ angehört. Denn ob die damalige Entscheidung klug oder unklug war – das Wort „Kontrollverlust“ ist in dem genannten Zusammenhang eine üble Beschimpfung.

Warum Verteidiger nichts bewirken

Warum Verteidiger kulturell nichts bewirken - Sie sehen schon, ich meine nicht den Fußball.

Wenn eine Gefahr droht, ist es sich gut, auf eine Verteidigung vorbereitet zu sein. Zahllose Bewegungen glauben derzeit, dass „uns“ eine Gefahr droht. Die #MeToo-Frauen behaupten, alle Frauen seien im Prinzip in einer Verteidigungssituation gegenüber „den Männern“. Ihre Waffe heißt „Öffentlichmachung“. Sie glauben an den Erfolg ihrer Mission. Sie hoffen drauf, dass „die Männer“ unter dem Druck ihrer Argumente zurückhaltender werden. Und sie vergessen: Jede Aktion war eine Einzelaktion, so bitter dies auch klingen mag. Da war nicht „die Männlichkeit“ tätig oder das, was die Masse der Männer ausmacht. Da war ein Mann, und da war eine Frau.

Rechts und Links wüten die „Verteidiger“

Die Leute von Rechts – egal wie sie heißen mögen und welche Etiketten sie vorne draufkleben, halten derzeit den Islam für die Wurzel allen Übels. Und wenn nicht den Islam, dann zumindest „die Flüchtlinge“. Sie versuchen, all dies öffentlich zu machen und sehen darin eine Mission – wies so viele ander auch, die in Missionen unterwegs sind. Und sie sagen sich: Die „Ausländer“, die „Asylanten“ oder „die Flüchtlinge“ sind schuld, wenn in Deutschland etwas schiefgeht – sei es ein Verbrechen, sei es der Verlust deutscher Kultur oder die Gefährdung der Vollbeschäftigung.

Sagte ich „rechts“? Entsprechende Populisten gibt es in vielen Parteien – die FDP muss da ganz ruhig sein, die CSU ebenfalls, und nun gibt es eben auch Frau Wagenknecht bei der Partei „Die Linke“. Da mag man über die Linke und die Töne, die sie sonst anschlägt, lächeln, doch Frau Wagenknecht versucht, „deutsche Arbeitnehmer“ gegen „mögliche ausländische Arbeitnehmer“ auszuspielen. Indessen gibt es da nichts zu verteidigen. In Deutschland fehlen Arbeitskräfte in namhaften Bereichen, quer durch die Bildungsstufen – vom Spüler in der Kantine bis zum Facharzt in der Kleinstadt.

Was gibt es eigentlich ständig zu verteidigen? Den Bio-Deutschen? Das Christentum? Das „Deutschsein“ als Kulturerbe?

Die Macht des Guten entsteht nicht durch Verteidigung

Die Macht des Guten und ihr Einfluss entstehen nicht durch Verteidigung – das gilt für politische Parteien, weltanschauliche Bündnisse und sogar für #MeToo. Sie entsteht vielmehr dadurch, dass diejenigen, die nach Macht streben und sie ausüben, das Gute in den Vordergrund stellen. Wer echte oder vermeintlich deutsche Tugenden will, soll sie bitte vorleben, nicht verbal verteidigen. Und er sollte nicht irgendwelche schwammigen „Massen“ angreifen, sondern sich selbst klar darüber werden, wer er selbst ist und was er selbst bewirken kann.

Für mich schließt sich der Kreis hier, denn dergleichen gilt auch für #MeToo – denn jede Frau (und ebenso natürlich jeder Mann) muss sich hier fragen: Was kann ich selbst bewirken, um Übergriffe zu verhindern?

Hold – von der Schwierigkeit, ein neues Wort zu finden

Das Thema „hold“ habe ich schon einmal behandelt, und Leser, die mir hold sind, werden sich möglicherweise daran erinnern.

Dieser Tage habe ich im Rahmen von Recherchen darüber nachgedacht, wie ich jemandem das Wort erklären kann, der diesen Satz liest:

Die Dame war ihm hold und schenkte ihm schließlich ihre Gunst.


Na schön. Bestenfalls verwenden wir das Wort „hold“ noch in Verbindung mit dem Glück, das uns hold ist, während der Unhold uns garantiert nicht hold ist. Aber, was zum Teufel, ist eigentlich hold?

Alle Synonyme, die wir für das Wort finden, sagen entweder nicht das Gleiche aus oder sie klingen reichlich muffig. Die Dame im Beispiel könnte ihrem Galan „zugetan“ oder ihm „gewogen“ sein. Sie kann ihm auch zugeneigt sein, eine Neigung für ihn entwickeln, ihn liebevoll begünstigen, sich seiner annehmen oder ihm Wohlwollen entgegen bringen.

So richtig zeitgemäß klingt das nicht, oder?

Wir könnten natürlich schreiben:

Die Frau mochte ihn gerne und schlief schließlich mit ihm.


Am scheußlichsten wäre sicherlich:

Aus Nettigkeit vögelte sie ihn schließlich.


Ich sehe schon - die Musen sind uns nicht mehr hold, falls wir uns „modern“ ausdrücken wollen.