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Schützt die deutschen Rotkäppchen – weg mit dem Wolf!

Das Mädchen ist nicht deutsch - das Märchen ist auch nicht deutsch. Und der Wolf?
Kaum etwas ist so deutsch wie der Wolf. Hat nicht der böse Wolf sowohl das Rotkäppchen (1) wie auch die Geißen gefressen? Und weil er’s tat, ist der Wolf inzwischen, obgleich verbürgt deutsch, der „böse Wolf“.

Und wie die „Obergrenze für Flüchtlinge“, so kommt nun auch die „Obergrenze für Wölfe“ ins Gespräch. „Wölfe endlich bejagen! Trau dich Deutschland!

Da wird doch der Wolf in der Pfanne verrückt. Ja, wenn man die Wölfe nicht bejagen würde, dann würden sie doch weiterhin Mädchen, Großmütter und Geißenkinder fressen, nicht wahr?

Den Grünen ist der Wolf als einzige Partei grün, die Sozialdemokraten denken moderat über den Isegrim und wollen sozial gerecht eher das Schaf schützen. Die Linken wollen die Außenseiter unter den Wölfen töten, gute sozial lebende Wölfe sollen hingegen geschützt werden. Die CSU erkennt in bayrischem Liberalismus ausnahmsweise das Lebensrecht des Wolfes an und mahnt daher „regulierenden“ für den Abschuss an. Nun ja, und die AfD hatten wir ja schon.

Blöd für den Wolf: Politiker von CDU und FDP lesen offenbar zu viel Grimms Märchen, was mich bei der CDU nicht wundert, bei der FDP hingegen schon. Oder sie sagen sich: Ach, der Wolf nützt ja nix in der Wirtschaft, den muss weg – was ebenfalls für andere Ansichten der FDP gelten mag – schlechte Karten, Jungs.

Fehlt nur noch: Schützt die Rotkäppchen! Schluss mit dem Morden durch Wölfe!

Und den Parteien empfehle ich, zu manchen Themen ihre entsetzlichen großen Mäuler zu halten und sich mit Themen zu beschäftigen, die sich wirklich lohnen.

(1) das Rotkäppchen ist zwar leider ein Import aus Frankreich, doch wer will das schon wissen?

Rundfunkgebühren und wundersame Ansichten

Die Presse und das öffentlich-rechtliche System von Rundfunk und Fernsehen sind einander nicht grün. Und dies, obgleich man auf vielen Gebieten zusammenarbeitet.

Die Online-Frauenzeitschrift „Wunderweib“ zieht die Feministinnenkarte und schreibt etwas umständlich (Zitat):

Auch findet sich die Frage, ob die Rundfunkgebühr die etwa 1,5 Millionen Alleinerziehende - also zu rund 90 Prozent Frauen! - diskriminiere.


Begründet wird dies damit, dass diese „mit nur einem Einkommen mehr bezahlen als Menschen, die … mehrere Gehälter beziehen.“

Nun ist es so: Der Rundfunkbeitrag wird vernünftigerweise pro Wohnung bezahlt. Die Formel eine Wohnung = ein Beitrag ist dabei absolut sozialverträglich, denn Singles (mehr als 1,5 Millionen) zahlen den gleichen Beitrag, obgleich sie „Alleinhörer“ sind. Und auch die Menschen, die dauernd beruflich auf Reisen sind und daheim kaum Fernsehen, zahlen exakt denselben Beitrag. Und natürlich gilt er auch für Paare, bei denen ein Teil nicht arbeitet und beliebig viele Kinder. Das Gute: es kommt nicht mehr darauf an, wie viele PCs, Smartphones, Fernsehgeräte oder Runfunkgeräte in der Wohnung benutzt werden. Originaltext:

(Es ist) …Egal wie viele Personen in einer Wohnung leben oder wie viele Rundfunkgeräte jemand besitzt.


Und wie soll’s bezahlt werden? Aus Steuermitteln, meinen einige Juristen und viele, die einfach keine Lust haben, zu bezahlen. Es ist ja so bequem, zu verlangen, dass alles „aus Steuermitteln“ bezahlt wird, nicht wahr? Vielleicht später auch noch der Internetanschluss oder der Handytarif?

Sicher – man kann über alles anderer Meinung sein. Aber gerade der gesellschaftliche (und nicht etwa staatliche) finanzierte und geführte Rundfunk garantiert ein Höchstmaß an objektiver Berichterstattung.

Gerechtigkeit anhand von Krankenschwestern?

Wie kann man eine Krankenschwester mit einem Top-Manager vergleichen? Gar nicht. Eine Krankenschwester bekommt (hoffentlich) ein Tarifgehalt, während ein Top-Manager (leider) viel zu viel Geld einsackt. Das allerdings lässt sich leider kaum verhindern, wenn man einen Profi sucht.

Nun erzählt uns der Herr Kanzlerkandidat, jene Krankenschwester würde „weniger als 40 Cents pro Minute“ verdienen. Das stimmt, wenn sie nach Tarif bezahlt wird und ihren Bruttolohn zugrunde legt.

Und nun lassen Sie mich mal nachrechen, was den Beruf des Lohnschreibers betrifft. Die Artikel, von denen ich spreche, werden von den Auftraggebern übrigens später als „hochwertige und professionell geschriebene Texte“ vermarktet. Ich habe da so meine Erfahrungen. Die meisten Autoren, egal für wen und was sie schreiben, schaffen nicht mehr als 2000 Wörter pro Tag. Ein durchschnittlicher Contentschreiber bekommt von seinen Auftraggebern oft nur zwei Cent pro Wort, würde also 4000 Cent verdienen – also 40 Euro am Tag. Selbst wenn er ausgesprochen fleißig wäre, wenig recherchieren müsste und tolerante Auftraggeber hätte, würde er selten mehr als 100 Euro am Tag verdienen – bei Arbeitszeiten von 10 bis zwölf Stunden. Nun können Sie sagen: das wären bei einer 7-Tage-Woche im Monat immerhin 3.000 Euro – dann sind Sie ein Schelm, denn Sie haben nicht jeden Tag bezahlte Aufträge und können nicht täglich 10 bis zwölf Stunden schreiben. Und übrigens: Dann haben sie noch nichts zurückgelegt, und ihre Renten- und Krankenversicherung wäre auch noch nicht bezahlt. Und die Realität? Ach, wen interessiert denn die Realität? Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt bei brutto 1.132,00 Euro und dafür müssen Sie sich dann noch allerlei von ihren Auftraggebern anhören.

Ganz generell lässt sich sagen, dass sowohl die viel zitierte Krankenschwester also auch der Metzger mehr verdient als der durchschnittliche Autor.

Ich selbst bin nicht betroffen, weil ich nicht von Honoraren leben muss. Aber ich finde, dass deutsche Angestellte und Arbeiter recht anständige Löhne nach Hause bringen, und dass man die „soziale Gerechtigkeit“ mal woanders ansetzen sollte als bei den Beziehern regelmäßiger Einkommen.

Und dem Herrn Schulz empfehle ich, keine neuen Neiddebatten anzuzetteln.

Das Darüber-Hinwegkommen – ein Baustein des Seins

Die Welt, in die wir hineingeboren werden, folgt nicht unseren Wünschen, was zum größten Teil daran liegt, dass andere auch Wünsche an die Welt haben, die sich mit unseren Vorstellungen kreuzen. Das heißt: Indem wir unsere Wünsche verwirklichen, nehmen wir anderen möglicherweise einen Teil ihrer Lebensfreude, und sie wehren sich dann dagegen. Selbstverständlich kann es auch sein, dass wir uns mit ihnen zusammentun, sie lieben, an einem Strang ziehen und miteinander erfolgreich sind. Dennoch müssen wir damit rechnen, von anderen eben auch abgewiesen oder abgewehrt zu werden.

Ich las gerade, dass die Aufforderung „Drüber hinweg zu kommen“ eine „Floskel neoliberaler Verwertungslogiken“ ist. Demnach wäre jede Aufforderung, in sich zu gehen, zu sich selbst zurückzukehren oder auch nur, sich selbst zu verändern, aussichtslos.

Wenn es aber aussichtslos wäre, dann könnten diejenigen, die diese Hürden nicht mehr überspringen können oder mögen, auch nicht mehr glücklich werden.

In Wahrheit ist das Drüber-Hinweg-Kommen ein Baustein des Seins, ein Teil der Kybernetik des Lebendigen, also eine Selbstregulierungskraft, die normalerweise vorhanden ist, individuell aber gelegentlich versagt. Fall sie nicht funktioniert, ist die an sich kein Schaden: Uns wird dadurch bewusst, wie es uns gerade ergeht. Unser Gehirn sagt uns: „Pass auf, du musst Maßnahmen ergreifen, sonst geht etwas schief.“ Das ist gut so, denn dann beginnen wir zu begreifen, dass wir etwas ändern müssen. Was es ist? Da sagt uns unser Gehirn nicht. Also fragen wir andere und bitten sie um Hilfe. Das ist ganz normal. Von der Freundin über die Selbsthilfegruppe bis zum Therapeuten gibt es solche Hilfen, und manchmal reicht ein einziges Gespräch, um wieder „zu Sinnen“ zu kommen.

Es ist gut, zu sich selbst zurückzufinden, gleich ob man es aus Selbstliebe oder aus Vernunft versucht.

Mietpreisbremse – sozialer Unsinn?

Selten war man sich so einig wie jetzt, nachdem es Erfahrungen mit der Mietpreisbremse gibt: Sie nützt (fast) niemandem, sie behindert aber auch niemanden. Klartext: Sie ist werde sozial, weil sie überwiegend der Mittelschicht nützt, und sie verhindert kaum Investitionen in den Wohnungsbau, weil sich diese langfristig ohnehin auszahlen.

Und was sagt uns das?

Besser wäre, Probleme zu analysieren, bevor man mal vorschnell Gesetze schafft, um dem Volk Sand in die Augen zu streuen. Mieten müssen erschwinglich sein – aber die Mietpreisbremse erwies sich als Trugschluss.