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Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 4. Teil (und Ende)

Mächtige Thesen - nichts dahinter. Wissenschaftler, die kein Wissen schaffen, verdummen das Volk mit unhaltbaren Thesen über die Partnerwahl. Langsam näheren wir uns der Wahrheit, und die heißt: Wenn wenig vorhanden ist, stört der Mangel, und wenn viel vorhanden ist, stört der Überfluss. Eigentlich sollte dies jedes Kind wissen. Man nennt es "Marktgeschehen". Das Problem dabei: der moderne Partnermarkt ist schwer zu überblicken.

Das haben Wissenschaftler vergessen: Der Markt hat Priorität

Was nicht am Markt ist, kann nicht erwoben werden. Das gilt auch für den Heiratsmarkt. Diese einfache These wird nirgendwo in der sogenannten „Wissenschaft“ (1) berücksichtigt, aber sie ist die plausibelste These überhaupt, zumal sie logisch nicht zu widerlegen ist. Dennoch ergeben sich auch aus dieser Theorie Fragen, die allerdings erst in jüngster Zeit relevant wurden.

1. Der regionale Markt – klein und überschaubar, aber wenn er erschöpft ist, gibt es niemanden mehr.
2. Der Restemarkt (bis ins 20. Jahrhundert hinein): Die „Übrig gebliebenen“ oder Verwitweten mussten sich einen neuen Markt suchen und dabei Vermittler einschalten oder annoncieren. Der Markt war zwar vorhanden, aber sehr begrenzt.
3. Der globale Markt (ab 21. Jahrhundert). Der globale (oder wenigstens überregionale) Markt steht jedem offen. Er ist überreich bestückt.

Das Problem dabei: Jedes Bauermädchen und jede Bürgertochter kannte sich mit dem regionalen Markt aus, während der Restemarkt Gesetzen folgte, die von den meisten nicht beherrscht wurden. Das hat sich inzwischen verschärft: Der globale Markt erfordert Kenntnisse – sowohl im Käuferverhalten wie auch im Verkäuferverhalten. Es zeigt sich immer mehr, das mindestens die Hälfte der Partnersuchenden davon überfordert ist.

Fazit: Die Marktthese trifft zwar vollständig zu, aber der Markt wird umso unübersichtlicher, je größer und unspezifischer er ist. Heute sind bereits erhebliche Verwerfungen erkennbar. Und dennoch: Am Markt wird genommen, was unter ökonomischen Bedingungen (pekuniäre, soziale und emotionale Einkommen) vertretbar ist.

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.

Sapiosexuell

Nanu, was ist den das? Sapiosexuell? Da muss ich doch einmal nachsehen und finde (Urban Dicitionary)


Sapiosexuell ist jemand, den den Inhalt des Geistes eines anderen als seine attraktivste Eigenschaft ansieht, weit mehr als seine körperlichen Eigenschaften.


Oh, Sapiosexualität ist also „Geistesgeilheit?“

Ist also eine Studentin „sapiosexuell“, die sich in ihren Professor verliebt?

Oder ist es, wie die TAZ jüngst formulierte, einfach „Schlau fickt besser“?

Nein, nein – es ist einfach der Wunsch, mit einem lächerlichen Begriff Furore zu machen – und das tun vor allem diejenigen, die es besser wissen sollten. Denn im Grunde ist „Geistesgeilheit“ nichts, um das wir uns kümmern müssten.

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 3. Teil

So viel ist sicher: Die Nachbarschaft spielt eine größere Rolle als jede hochgestochene Theorie in der Partnersuche. Und die "Gleichheit"? Sie war sozusagen ein Abfallprodukt der Nachbarschaft. Insofern ist etwas "dran" an der sozialen These - doch stimmt sie auch heute noch?

Soziale Thesen: Bedingt glaubwürdig

Die Thesen, die auf dem sozialen Miteinander fußen, sind wenigstens logisch stimmig: Über viele Jahrmillionen über die letzten Jahrtausende bis ins 20. Jahrhundert hinein lernten Menschen einander überwiegend in einem „Nachbarschaftsmilieu“ kennen. Das heißt also „unter Gleichen“, ohne dass man einen „Gleichheitsanspruch“ durchsetzen musste. Insofern ist die These nicht falsch, dass sich stabile Ehen so gut wie immer unter „Gleichen“ entwickelt haben. Doch schon zur Steinzeit trafen „Reisende“ aufeinander, und es gab Vermischungen. Überhaupt ist das „Reisen“ zwischen den Orten und den sozialen, religiösen und sicher auch ethnischen Schichtungen einer der Garanten für den schnellen intellektuellen Fortschritt im 20. Jahrhundert gewesen. Dabei strebt offenbar jeder Mensch danach, in ein bekanntes soziales Milieu zu gelangen – und gerne auch in ein Besseres, wenn er sich anpassen kann. Gerade die „mittleren“ sozialen Milieus trugen ja immer wieder zur sozialen Angleichung bei – und sie tun es noch heute. Die Frage, inwieweit eine globale Wirtschaft, die „Verwerfungen“ in der Gesellschaft, das Internet und die „Akademisierung“ dies verändern wird, muss ohnehin ständig neu gestellt werden, denn die Soziologie kann nicht viel mehr, als den Tendenzen des Marktgeschehens am Partnermarkt zu folgen.

Fazit: Die soziale These, egal, von wem sie vertreten wird, ist bedingt glaubwürdig. Sie fußt zu einem großen Teil auf Fakten (kleiner Radius = ähnliches Milieu), lässt aber auch Ausnahmen zu (Wunsch, „hinaufzuheiraten“ oder in die Fremde zu ziehen). Meist wird jedoch auch heute noch „der Mensch in der Nähe“ gesucht, der sich im eigenen Milieu gut auskennt.

Lesen Sie morgen: Wissenschaftlich vergessen - der Markt hat Priorität

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 2. Teil

Die Psychologie maßt sich allenthalben an, etwas über die Partnersuche und die Partnerwahl aussagen zu können, ja, sie glaubt, sie sei die „kompetente“ Wissenschaft dafür. Dabei ist ihr ganzes Gebäude auf Sand gebaut – und der Sand heißt: unbeweisbare Annahmen.

Allgemeine Psychologie: Mehr als heiße Luft?

Die Psychologie geht dort, wo sie Partnersuche zu erklären versucht, auf Eigenschaften der Persönlichkeit ein. Sie katalogisiert diese Eigenschaften in vier oder mehr Kategorien (Big Four und andere) und behauptet dann überwiegend, dass „gleiche“ oder eben „ähnliche“ Eigenschaften zum Erfolg führen würden. Eine Minderheit, die allerdings über gute Argumente verfügt, sagt, dass gerade diese Gleichheit in den Persönlichkeitseigenschaften nicht zu erfolgreichen Beziehungen führen wird. Fragte man nach, so hört man, dass es nicht auf die Gleichheit als solche, sondern auf die Gleichheit und Verschiedenheit in bestimmten Segmenten ankäme. Eine dritte Gruppe bezeichnet sogenannte „innerpsychische“ Faktoren als weitgehend irrelevant.

Genau Aussagen sind von der Psychologie nicht zu erwarten – dazu sind ihre Begrifflichkeiten viel zu schwammig. Man kann bestenfalls sagen, dass sich gewisse Gleichheiten positiv, andere aber wieder negativ auswirken könnten – und das Gleiche ließe sich für Unterschiede sagen.

Fazit: Die Psychologie verfügt so gut wie nur über schwammige Begriffe, die sie als Fakten zu verteidigen versucht. Gewissen Thesen kann man aufgrund der Lebenserfahrung zustimmen, anderen wieder nicht. Auch die Psychologie blendet einen großen Teil der Entwicklungsgeschichte moderner Menschen aus, ganz ähnlich wie zuvor die Evolutionstheoretiker.

Lesen Sie morgen: "Soziale Thesen: Bedingt glaubwürdig".

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 1. Teil

Wir hätten uns auch so entwickeln können ...
Sogenannte "Wissenschaftler" versuchen sich seit Jahren an den Themen "Partnersuche" und "Partnerwahl" - weil sie damit Punkte sammeln können, denn die Partnerwahl des Menschen interessiert viele - sogar Politiker. Doch Wissenschaftler haben zum Teil völlig absurde Ansätze, die zudem unglaublich kompliziert sind. Denn in Wahrheit ist die erste Frage nie: "Wer passt zu mir?", sondern "wer ist tatsächlich verfügbar?" Also: Wie funktioniert die Partnersuche eigentlich? Und wie kommt es dann zur Partnerwahl?

Die „Wissenschaft“ (1) kennt verschieden Theorien, die allesamt sowohl wahr wir auch unwahr sein können, weil sich keine beweisen lässt. Im Grunde handelt es sich um drei Gruppen von Theorien, die sich so einordnen lassen:

- Evolutionsbedingte Theorien.
- Psychisch begründete Theorien.
- Sozial begründete Theorien.

Welche Vor- und Nachteile haben die Theorien?

Evolutionspsychologie: logisch fehlerhaft

Die Theorien, die aus der Evolution abgeleitet werden, gehen davon aus, dass wir Menschen uns entwickelten wie die gewöhnlichen Säugetiere – und dies im übertragenen Sinne bis heute tun. Das heißt: Die stärksten und körperlich attraktivsten Exemplare setzen sich durch.

Das kling plausibel – ist es aber nicht. Wäre es so, hätten wir uns, wie die meisten Säugetiere auch, nach einer gewissen Zeit einseitig entwickelt. Das heißt, die Überlebensfähigkeiten, die wir bis dahin gewonnen hatten, hätten sich im Lauf der Jahrmillionen verstärkt, aber wir hätten kaum neue Eigenschaften entwickelt.

Wäre es so, dass allein der beste, stärkste und mutigste Steinzeit-Jäger sich durchgesetzt hätte, dann hätte er keinen Handwerker gehabt, der besonders effektive Pfeilspitzen herstellen konnte.

Zudem berücksichtigt die Theorie nicht, dass es über viele Jahrhunderte gar keine „freie Partnerwahl“ gab. Ob man nun in das „Alte Testament“ oder in die Verhältnisse im 19. Jahrhundert schaut: Es gab keine „freie“ Partnerwahl.

Fazit: Man spricht von Evolution und ignoriert die Kultur. Ein bedeutender Teil der menschlichen Entwicklung wird einfach „ausgeblendet“.

Morgen: Ist die Psychologie der Partnerwahl mehr als "heiße Luft"?

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.
Bild: Striktes ©2017 by Gebhard Roese