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CDU-Politiker mokiert sich über englischsprachige Kellner

Das Sommerloch macht’s möglich: Ein gewisser Jens Spahn , seines Zeichens Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und CDU-Politiker, mokiert sich über „englischsprachige Kellner“.

Da hätte ich drei Tipps:

1. In Lokale gehen, in denen die Kellner deutsch sprechen.
2. Selber englisch lernen.
3. Die Ursachen feststellen.

Und vor allem: Mal wieder abregen. Jemand, der in Deutschland einen guten Job tut, tut auch dann einen guten Job, wenn er (noch nicht) so gut deutsch spricht.

Hier und Jetzt – bedeutend und gleichwohl abgedroschen

Hier und Jetzt – bedeutend und gleichwohl abgedroschen

Manche Ausdrücke sind so schön griffig, dass sie nach und nach in aller Munde sind. Wenn sie sich dann auch noch nach Geistesbildung anhören und dem Sprecher etwas intellektuelle Tünche geben – umso besser.

Einer dieser Begriffe ist „das Hier und Jetzt“ es ist griffig, und es klingt intellektuell. Jedenfalls klingt wesentlich eleganter, zu sagen „ich lebe im Hier und Jetzt“ als zu sagen „Ich lebe in der Gegenwart“ oder „mich interessiert am meisten, was in diesem Moment um mich herum geschieht.“

Das "Hier udn Jetzt" und die Zukunft

Der Begriff kommt aus der Gestalttherapie und hat dort einen tieferen Sinn: Wer im Hier und Jetzt lebt, empfindet die Gegenwart als einen erstrebenswerten Zustand, in dem es sich zu leben lohnt. Probleme aller Art werden nicht in der Vergangenheit gesucht, weil sie bis in die Gegenwart existieren und dort wirksam werden. Für den Mutigen ist die Zukunft nichts weiter als eine verlängerte Gegenwart – deswegen sorgt er sich nicht, sondern tut heute das, von dem er glaubt, dass es auch gut für morgen ist.

Hadern mit der Suche nach den Ursachen

Der Philosoph wie auch der klassische Psychotherapeut will sich damit allerdings nicht befreunden. Beide stellen sich nicht die Frage: „Wie ist das Leben für mich jetzt?“ Sondern „warum ist das Leben für mich jetzt so?“ Bis zu einem gewissen Grad ahnen, wissen und beweisen wir, dass wir lernen und verlernen können, und dass wir durch unsere Lebenserfahrung mal zögerlicher, dann aber auch mutiger wurden. Es ist ein schönes Thema für Gespräche bei einem Glas Rotwein am Kamin – aber es ist müßig, dieses Thema zu strapazieren. Am Ende steht immer, dass es irgendwann und irgendwie einmal Gabelungen auf dem Lebensweg gab, und da wir nur einen Weg von beiden wählen konnten, sind wir eben hierher und nicht dorthin gekommen.

Das "Hier und Jetzt" den Therapeuten überlassen

Überlassen wir das „Hier und Jetzt“ bitte mal den Therapeuten. Es handelt sich ja um nichts als eine Methode der Wahrnehmung, die der gesunde Mensch wählen oder abwählen kann. Wenn Sie ein Haus bauen, eine Hypothek aufnehmen, ein Schiff kalkulieren oder eine Ehe planen, können Sie nicht einfach „im Hier und Jetzt“ leben.

Diesel – kein gutes Beispiel für glaubwürdige Politik

Die Wirtschaftspresse wird – ebenso wie die CDU-nahen Medien, heute bejubeln, was da gestern auf dem Diesel-Gipfelchen beschlossen wurde.

Die Automobilindustrie hat gesiegt, und mit ihr die Konservativen, die Opportunisten und nicht zuletzt die Gewerkschaftler, deren Anteil an der Autolobby immer wieder heruntergespielt wird.

Klar gibt man sich seitens der Automobilindustrie geknickt – das macht sich gut. Man hat ja auch wenig verloren, und was man meint, das sagt man auch gleich deutlich (Zitat PM):

Die Automobilindustrie ist sich mit der Politik einig in dem Ziel, die Luftqualität weiter zu verbessern. Fahrverbote können und müssen in Deutschland vermieden werden.


Bringen soll das Wunder ein „Softwareupdate“, und nach wie vor wird ausgeschlossen, auch die Hardware (also den Motor selbst) zu verändern. Schon merkwürdig, wie CDU, CSU, SPD und sogar ein grüner Ministerpräsident dabei dem Volk Sand in die Augen streuten: Was da beschlossen wurde, ist ein bisschen Vergangenheitsbewältigung, aber keine Zukunftsplanung. Die Politik hat die Chance nicht genutzt, härtere und sinnvollere Forderungen durchzusetzen, sondern hat vor der Automobilindustrie kapituliert.

Verbraucherschützer einerseits und Umweltschützer andererseits ziehen betreten den Kopf ein: die Umweltschützer, weil ganz und gar nichts an Zukunftsplanung beim Gipfel herauskam, und die Verbraucherschützer, weil die Unternehmen fein raus sind: Entschädigungen für Diesel-Kunden sind nicht vorgesehen.

Und der Bürger? Ihm wurde erneuet ein Musterbeispiel dafür gegeben, dass seine Interessen kaum noch eine Rolle spielen – ober er nun „Diesel“, „Otto“ oder Fahrrad fährt.

Hinweis: Eine betont scharfe Kritik kam von der "Deutschen Welle".

Gestern im ZDF: Der Traum bewirkt … na ja, etwas …

Die „Heute“-Redaktion vom ZDF weiß im Sommer auch nicht mehr, was sie bringen soll. Und so zeigte der Sender gestern dem verblüfften Publikum etwas „Neues“ aus der Hirnforschung: Früher nahm man über Träume etwas an, heute aber ist man dank moderner Forschung zu dem Schluss gekommen, dass … etwas anderes zutrifft.

Träumen kann schlau machen - aber das ist längst bekannt

Kurzgefasst: Träumen kann schlaumachen, indem etwas vom Tagesgeschehen und seinen Zusammenhängen verinnerlicht wird. Nicht ganz neu, wie gebildete Menschen wissen. Allerdings wird dergleichen schon lange beforscht, und bereits 2010 erschien ein einschlägiger Artikel.

Bilder machen sich ganz hübsch, doch die Details sind unbekannt

Fragt sich, was wir davon halten sollen, zumal die Hirnforschung uns nur sagen kann, dass gewisse Informationen, die wir am Tag sammeln, nachts in irgendeiner Form im Gedächtnis landen. Es ist gut, dass die beforscht wird, aber wir wissen nicht, wie das geschieht, weil kein Hirnforscher auch nur eine vage Idee hat, wie unser Gehirn nachts Informationen auswählt.

Da nützt es kaum etwas, wenn die Moderatorin uns anpreist: „Während wir schlafen, spielt sich dort (im Gehirn) ein regelrechtes Feuerwerk ab.“ Mag ja sein, dass die Bilder, die „Tübinger Neurowissenschaftler“, da via ZDF auf den Bildschirm brachten, für einen Hirnforscher äußert interessant waren – aber leider war es nur eine Anwendung besonderer bildgebender Verfahren. Die Lernprozesse selbst sind und bleiben dabei allerdings unbekannt. Denn auch Hirnforscher können uns nicht genau sagen, worauf das Lernen „im Schlaf“ beruht, und welche Informationen unter welchen Bedingungen tatsächlich abgespeichert werden.

Diesel

Es liegt nicht an der Technologie des Dieselmotors und nicht an deutschem Know-how, das verloren geht, wenn der „Diesel“ in Städten vielleicht nicht mehr benutzt werden darf. Es liegt an der Allianz zwischen Automobilbauern, Gewerkschaften und Politikern, die unter dem Schlüsselwort „Arbeitsplätze“ alles taten, um zu verschleiern, dass die Schadstoffe im Dieselmotor nicht so weit reduziert wurden, wie es technisch möglich wäre.

Natürlich könnte man … ja man könnte den Diesel noch schadstoffärmer bauen, als es die neue Euro-6-Diesel-Norm vorschreibt – die Technologie ist vorhanden. Und man könnte Diesel-PKW höher besteuern – dann würde sich das Problem vermutlich sehr schnell von selber lösen.

Ich prognostiziere mal: Nichts dergleichen wird geschehen. Schon taucht ein Herr Seehofer auf, der „Diesel-PKW mit Steuervergünstigungen“ stützen will. Und andere werden mit ähnlichen Vorschlägen folgen. Und – was beinahe noch empörender ist – schon melden sich die Gewerkschaftler, die ins gleiche Horn blasen wie die Automobilindustrie..

Es mag ja sein, dass sich einzelne Diesel ein wenig „nachstellen“ lassen und man damit die Emission reduziert. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Sinnvoller wäre in jedem Fall, private Diesel-Fahrzeuge ganz aus den Großstätten zu verbannen – auch wenn es einige Bürger hart treffen mag. Die meisten aber würden aufatmen.

Und gerade um jene geht es – Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten und täglich unter der schlechten Luft leiden. Das Argument der „Arbeitsplätze“ zieht nicht mehr – denn die Arbeitsplätze fallen langfristig nicht weg, weil der „Diesel diffamiert“ wird, sondern weil die Automobilbranche nicht aus sich heraus innovativ wird und alle technischen Möglichkeiten nutzt, schadstoffarme Motoren zu produzieren.

Und - ja, ja, die Hälfte der deutschen Werkzeugmaschinenbranche mag ja derzeit am „Verbrennungsantrieb“ hängen – aber das bleibt nicht so, denn Innovationen machen vor niemandem halt. Und vermutlich werden in zehn Jahren die Betriebe die Nase vorn haben, die rechtzeitig auf neue Technologien und Verfahren umgestellt haben.