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New Orleans Revival

Die Hot and Blue Jazzband spielt auch mal Fats Waller und Jelly Roll Morton - und die gab's nur im Original
Zu Zeiten des „New Orleans Revivals“ spielten alte Männer so, wie sie glaubten, als junge Männer gespielt zu haben.

Dann spielten junge Männer dies nach - und sie spielten wie alte Männer, die das nachahmten, was sie als junge Männer gespielt hatten.

Die jungen Männer sind nun alte Männer, und sie spielen teilweise noch so, wie sie in der Jugend geglaubt haben, dass junge Männer spielen, die in Wirklichkeit alte Männer waren.

Nicht alle, freilich. Die Herren im Bild spielen auch schon mal Fats Waller oder Jelly Roll Morton – und die gab’s nur im Original.

Ach, Freunde – das ganze „New Orleans Revival“ war eine Mischung aus Werbetricks, Geschichtsklitterung und Sozialromantik.

Aber – schön war es doch. Und - schön ist es noch. Nur dass es nicht die Musik „von damals“ war.

Foto: Gebhard Roese. Band-Webseite (schwer zu finden): hot and blue jazz band.

Übrigens gibt es noch eine Aufnahme des Fernsehens der DDR:




Svend Asmussen – mit 100 Jahren gestorben

Ob als Solist auf der Violine oder als humorvoller Sänger innerhalb der Swe-Danes (1), Sven Asmussen war ein wahrer Künstler, der in vielen Sparten zuhause war. Dem Jazz blieb er immer verbunden, und das Youtube-Video zeigt viel von seinem Können. Svend Asmussen starb dieser Tage im Alter von 100 Jahren. Er hat mir und anderen viel Freude mit seiner Musik bereitet.

(1) Die Swe-Danes traten hauptsächlich als Gesangstrio auf und bestanden aus Asmussen, Ulrik Neumann und der legendären Alice Babs.

Was motiviert eigentlich Gebhard Roese?

Manchmal fragen mich Menschen nach meiner Motivation. Ob Sie es glauben oder nicht. Es ist die Suche nach der Wahrheit. Und wer sie sucht, wird bald darauf kommen, dass es oft gefährlicher ist, das Bekannte zu bezweifeln als das Unbekannte zu erforschen. Es sei denn, andere kommen auch noch drauf.

High Fidelity - der Mythos und die harte Realität

Es begann mit High Fidelity. Das ist einerseits die Hoffnung auf eine perfekte Musikwiedergabe und andererseits der Versuch, überteuerte Geräte mit falschen Versprechungen zu verkaufen. Ob Nischenprodukte oder namhafte Fabrikate – da haben alle einst in die Scheiße gehauen, dass es gespritzt hat. Und tatsächlich sind die Mythen heute noch nicht tot: Vinyl ist besser als CD oder Festplatte. Handverlötet und verschraubt ist zuverlässiger als Massenfertigung, Röhren haben einen natürlichen Klang als Transistoren, unter 100 Watt Sinusleistung brauchen Sie gar nicht erst anzufangen, und total überteuerte, riesige Lautsprecherboxen mit fragwürdigem Inhalt geben den Schall besser wieder als geschickt platzierte Regalboxen.

Das alles ist Quatsch mit Soße, wie Ihnen jeder Physiker, Ingenieur, Mathematiker, Ökonom oder sogar der eine oder andere Musikhörer bestätigen wird. Und wenn es dazu eines Beweises bedarf: Sehen Sie doch mal in ein Tonstudio, und lassen Sie sich schildern, wie dort aufgenommen wird. Das wäre immerhin ein Beginn, um sich einmal der Wahrheit zu nähern.

Ich arbeite längst nicht mehr am Thema. Aber ich höre immer noch Jazz. Über Streaming-Dienste, einen Computer, einen TEAC-Minireceiver und zwei uralte ELAC-Bassreflexboxen. (1)

Die frühe Geschichte des Jazz - mehr Mythen als Fakten

Ähnliches gilt für die Geschichte des Jazz. Sie setzt sich Mythen und Ideologien, Behauptungen und Auslassungen zusammen. Würde man die frühe Geschichte des Jazz ernst nehmen, müsste auf Fakten aufbauen: Wer hat wann was von wem kopiert oder erlernt? Welche Kommunikationsmedien und andere Vertriebswege gab es, und wie wurden sie genutzt? Aber diese Frühgeschichte wurde niemals objektiv untersucht. Man schrieb sie geradezu so, als sei Jazz ein Naturereignis gewesen und keine Musikrichtung, die einerseits von den Musikern und anderseits vom Publikumsgeschmack bestimmt und weiterentwickelt wurde.

Später kam ich dann beim Menschenbild an, das in früheren Zeiten von der Religion bestimmt wurde, bevor der „edlere“ Teil von der Geisteswissenschaft und der unedlere von bürgerlichen Mythen diktiert wurde. Jedenfalls solange, bis man eine geheimnisvolle, von Mythen durchzogene Wissenschaft erfand: Psychologie. Sie hat sich die Herrschaft über die Bestimmung des Menschseins angeeignet – und zwar fast ohne Gegenwehr. Weder Logik noch Biologie, weder Kybernetik noch Ökonomie konnten ihr Imperium einschränken – wenn vom Menschsein die Rede ist, ist heute von Psychologie die Rede.

Ich will nicht behaupten, dass die Idee einer Psychologie des Menschseins völlig abwegig ist. Aber sowohl Kybernetik wie Biologie als auch Ökonomie (und viele andere Erkenntnisse) sind in ähnlicher Weise bedeutsam für unser Sein. Sehen Sie: Jeder Biologe kann Ihnen die Selbstregulierungskräfte des Körpers erläutern. Gut? Und nun lassen Sie sich bitte die Selbstregulierungskräfte der Psyche von einem freudschen Psychoanalytiker erläutern. Auch gut? Sehr unwahrscheinlich, dass er sie ihnen erklären konnte. Noch unwahrscheinlicher, dass Sie ein Wort davon verstehen werden.

Sehen Sie, das wäre mal ein Ansatz für Sie, zu verstehen, was mich motiviert. Auch, wenn es manchmal so profane Themen wir die Partnersuche gewesen sein mögen. Jetzt, da ich älter werde, bemühe ich mich um viele Wahrheiten rund um das Menschsein. Interessiert Sie das auch? Dann schreiben Sie mir einfach.

(1) das ist keine Werbung, sondern die Realität. Meine besten Regalboxen waren einmal zwei "Wharfedale Denton". Die haben bei ihrem Debut 1967 fast alles ausgestochen, was es damals gab, egal, in welcher Preislage. I

Man ist nie zu alt, um etwas wirklich gut zu machen

Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass dieser Dirigent 89 Jahre alt ist. Doch Herbert Blomstedt wurde wirklich am 11. Juli 1927 geboren. Auch wenn Leipzig nicht seine Heimat ist, so begeistert er doch stets die Zuhörer im Gewandhaus zu Leipzig.
So wie er es heute tat: Das Gewandhausorchester spielte unter seiner Leitung Beethovens Tripelkonzert mit hervorragenden Solisten – ein wahrere Genuss. Und nach der der Pause Beethovens Fünfte, die als Ohrenschmaus jedem bekannt sein dürfte. Am Schluss gab es „Standing Ovations“ für Blomstedt.

Und am Ende denke ich über mich nach: Wenn Blomstedt mit 89 noch dirigieren kann, dann kann ich mindestens bis 75 noch schreiben.