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Autor, Blogger und Kritiker – die Suche nach der Wahrheit

Autor eines Blogs zu sein, ist wirklich schwer. Wenn wir die Wahrheit sagen, liest uns niemand. Also feilen wir so lange an der Wahrheit herum, bis irgendeine spektakuläre Spitze hervorsticht. Dann haben wir eine Chance, gelesen zu werden. Wir wissen, dass dieser Aspekt im Grunde nicht den Kern der Wahrheit abbildet, aber wir haben wenigstens versucht, ein bisschen Wahrheit unters Volk zu schmuggeln. Das gilt zumindest für viele "klassische" Blogger.

Einfacher ist es, nicht die Wahrheit zu sagen, sondern das, was das Volk gerne für die Wahrheit halten würde. Denn trotz des angeblichen „Bildungsbooms“ sitzt da draußen ein Volk, das auf Illusionen, Falschmeldungen, Sensationsberichte und Nebensächlichkeiten abfährt.

Ich kann dies zum Teil verstehen. Wer eine Grundschulbildung hat und nie etwas dazulernen wollte, nie ernsthaft an einen Berufs-, Orts- oder Arbeitsplatzwechsel gedacht hat und immer im gleichen Milieu gelebt hat, bleibt eben gedanklich stehen. Statt die Dinge selbst beurteilen zu können, lässt er sie sich von Boulevard-Journalisten oder Populisten vorbeten, die sich ein Vergnügen daraus machen, das Volk weiterhin zu verdummen.

Bedauerlicherweise trifft dies aber ist es nicht nur der Grundschüler aus einfachen sozialen Verhältnissen zu, der nichts dazu gelernt hat. Auch Intellektuelle, Adlige und gestandene Professoren können oder wollen weder „nachlernen“, noch sind sie flexibel genug, ihr Denken und Wissen aufzufrischen oder ihren Geist ab und an in die Mauser zu schicken. Wir sollten sie beobachten. Sie sind zumeist rechtskonservativ, oft aber auch linkskonservativ ausgerichtet, Sie bezeichnen das, was sie sagen und denken (können) als ihre Überzeugung, während sie in Wahrheit nur einseitig und verkrustet sind.

Wisst ihr, ich, mag „echte“ konservative Grundhaltungen – aber die kann man nur haben, wenn man sie jeden Tag mit der Realität abgleicht. Und genau das können die meisten Rechtskonservativen und Linksextremisten nicht. Und je „intellektueller“ sie zu sein glauben, umso mehr schweben sie über den Dingen.

Wollen wir das? Ich will es nicht. Und deswegen bleibe ich dabei, zeitnah Veränderungen aufzuspüren und die Wahrheit freizulegen.

Das Weihnachtgeschäft

Es läuft wie am Schnürchen – jedenfalls hier in Freiburg im Breisgau. Man hört kaum ein Wort „authentisches“ Deutsch, eher schon Schwyzerdütsch, Französisch, sogar Englisch, und dazu ein wenig Alemanisch und ein bisschen Schwäbisch. Der Freiburger selber spricht ja Hochdeutsch mit leicht singendem Unterton, aber man versteht ihn, nur die Menschen vom Lande sind oft schwer zu verstehen.

Zudem fallen an diesem Wochenende noch viele Schwaben ein, denen Freiburg oft näher ist als Stuttgart. Es könnte natürlich auch daran liegen, dass Badener deutlich zugänglicher und freundlicher sind als Schwaben. Jedenfalls ist die Stadt proppenvoll. Die Gänge in den Warenhäusern sind kaum begehbar, an den Kassen drängen sich Menschen. Ob ich nun ein typischer Hundeseher bin? Jedenfalls bot der Tag alles auf: von liebevoll getragenen Schoßhündchen bis zum Berner Sennehund. Cafés und Bistros sind bis auf den letzten Platz gefüllt, meist mit Menschen.

Sonderangebote locken allenthalben. Halb Weihnachtsgeschäft, halb WSV. Winterjacken 30 Prozent, Hosen 20 Prozent. Vorsichtige Nachfrage:“ Gilt das wirklich auf alles, so wie es angekündigt wurde?“ Ja, aus alles.

Ich bewundere die Verkäuferinnen und Kassiererinnen, die heute sicher todmüde ins Bett fallen werden. Die Gastronomie ist offenkundig nicht so gut vorbereitet: Allenthalben fehlen Serviererinnen – oder man seitens der Betreiber nicht daran gedacht, wie heiß dieses Wochenende werden würde – bei Außentemperaturen von gegen null Grad.

Dating-Rat? Ich weiß, wer 20 gute Tipps hat

Einige meiner Leser werden wissen, dass ich vor Jahren noch als wegweisender Experte für das Online-Dating galt. Seither habe ich zu vielen Menschen auf den Schlips oder den Rockzipfel getreten, weil ich die Wahrheit gesagt habe. Romantiker(innen) und ander Menschen, die fern der Realität leben, mögen das nicht.

Ich habe nun auf „ze.tt“, einem Partner von „Zeit Online“ einen Text gelesen, der so wahrhaftig und authentisch ist, dass ich ihr erwähnen muss. Mehrere der 20 „Tipps“ würden sich separat zur Veröffentlichung eignen, und einen habe ich hier mal ausgewählt. Er bezieht sich darauf, dass viele Partnersuchende unter biologisch bedingten Gefühlsverwirrungen, aka „Verliebtheit“ leiden. (Zitatenquelle, bitte folgen)

Du bist aufs Heftigste verliebt, denkst an nichts anderes mehr und weißt genau, das und niemand anderes ist der Mensch, mit dem du dein Leben verbringen willst? Sorry, ich muss dich enttäuschen. Deine Gefühle für diese Person sagen einfach gar nichts darüber aus, wie gut ihr tatsächlich zusammenpasst oder wie es mit euch weitergehen wird.


Nun ist es wirklich nicht schlecht, aufs „Heftigste“ verliebt zu sein. Fast jeden trifft es mal, und viele erleben es in Serie. Wer damit leben kann, dass die Drogen, die der Körper dafür produziert, auch irgendwann mal wieder abgebaut werden, der soll es tun. Und nichts spricht dagegen, dass sich Verliebtheit in Liebe wandeln könnte. Ja, es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass der Mensch, in den wie verliebt sind, auch zu uns passt. Aber: Verliebtheit ist kein Grund, dies vorauszusetzen.

Ihr solltet dem Link wirklich folgen, wenn ihr einen Partner sucht. Es lohnt sich. Der Artikel liest sich hübsch, ist dennoch sehr direkt und ist in allen Punkt so wahr, wie das Leben eben ist.

Die Protokollantin – nein, kein zweites Mal

Kriminalfilme mit Düsterereffekten und einem geradezu lüsternen, aber dennoch krampfhaften Gerechtigkeitssinn sind mir ebenso suspekt wie andere Formen des „Absoluten“.

Es mag ja sein, dass die neue Serie „Die Protokollantin“ die Herzen rührt – meines nicht. Und es mag ja auch wirklich sein, dass sich die Autoren bei der Serie „etwas gedacht“ haben. Aber mir sind die Farben zu düster, die Geheimnisse zu abwegig und die „traumatischen Erinnerungen“ zu sehr in den Vordergrund gespielt.

Ich will keinen zweiten Teil sehen. Muss ich ja auch nicht.

Menschen im Hotel – Menschen im Theater

Vicki Baum – da musste ich nachdenken. Ihr Buch „Menschen im Hotel“ stand in Vaters Bibliothek, was hauptsächlich darauf zurückzuführen war, dass er Mitglied im „Bertelsmann Lesering“ war. Ich hörte, dass Frau Baum selbst als Zimmermädchen tätig gewesen war, um sorgfältig zu recherchieren. Nehme ich all dies zusammen, so kann ich nur eines erwarten: ein Zeitzeugnis aus den 1920er Jahren.

Klingt alles ein bisschen dramatisch: Schicksale, Schicksale, Schicksale. Die Faszination einer Drehtür, der Hauch von Luxus. Und als Theaterstück ein bisschen Kasperletheater mit überzeichneten Figuren - sehr hübsch, aber mit merkwürdigen befremdlichen Dialogen, die teils etwas langatmig wirken. Ich bin im Theater - ja, wo sonst?

Was ich mitgenommen habe? Viel weniger, als ich dachte. Ein bisschen Lebensphilosophie, ein wenig Melancholie, hübsche Orchester-, Tanz- und Gesangseinlagen. Es war kein Schaden, das Stück gesehen zu haben, aber auch kaum eine Bereicherung. Menschen im Theater starren auf eine Bühne, auf der Menschen im Hotel vereinsamen. Was wohl sie bewegen mag? Die Aussicht auf die feinen Würstchen und das Glas Sekt in der Pause?

Ich sollte vielleicht nicht darüber nachdenken – schließlich habe ich mich auch ein wenig amüsiert.