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Eine Welt ohne Small Talk und ohne Emotions-Klischees?

Ich fand diesen Gedanken so bemerkenswert, dass ich ihn – frei übersetzt – ans Licht der Welt bringen möchte:

Es ist einfach so … was die meisten Leute für wichtig halten, empfinde ich als schrecklich abgedroschen und phrasenhaft. Aber die Menschen legen so viel Dramatik, Energie und Gefühle (… in diese Aussagen …) hinein.


Die Autorin empfindet sich selbst als hart und führt es diese Auffassung auf ihre Introvertiertheit zurück. Aber es ist keine Härte – es ist die Auffassung, dass wir wahrhaftig sein sollten.

Aus meiner Sicht will ich es euch so erklären:

Die meisten Menschen fürchten sich davor, ehrlich zu sich selbst zu sein und auf die Sprache ihrer Empfindungen oder Gefühle zu achten. Ja, sie denken nicht einmal selbst, sondern spucken vorgefertigte Sätze und Meinungen heraus. Sie denken wahrhaftig in Phrasen, seinen sie nun von der Zeitung, dem Fernsehen, der „Yellow Press“ oder aus Frauenzeitschriften abgelesen. Sie glauben, über diese Phrasen Übereinstimmung mit Gleichgesinnten herstellen zu können – Kontroversen sind ihnen peinlich. Eigene Gefühle erfordern Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis und Offenheit. – es ist viel bequemer, die Gefühle anderer zu zerreden, auch wenn es dabei gar nicht wirklich um Gefühle geht.

Ja, ich wünsche mir eine Welt ohne Small Talk und ohne die üblichen Emotionsklischees. Eine Welt, in der ich darüber reden kann, was möglich ist und was nicht, was man messen und wägen kann und was wahrscheinlich ist oder auch nicht.

Und wenn – ja wenn Gefühle betroffen sind, dann bitte die eigenen. Sie sind sehr wichtig und wertvoll, und ihr sollte damit umgehen wie mit teurem Schmuck: Zeigt ihn niemandem, der ihn euch neidet – und erfreut euch selbst daran, wann immer ihr könnt.

(Aussage aus dem Blog von P.G. ohne Verlinkung)

Über Romantik

Romantik ist vor allem ein Akt des Erinnerns, der ständig wiederholt wird. Dazu wird eine gemeinsame, aufgeblasene Sprache erfunden, die nur deshalb bedeutsam ist, weil sich jemand anders an die gleichen Situationen erinnert. (1)


Und was ist Romantik noch? Sie ist immer etwas, das im Nachhinein, also in den Gedanken an eine Situation entsteht. Ein bisschen Zuckerwatte,, von der Liebende (und manchmal auch Einzelpersonen) zehren: ohne Sinn, ohne Inhalt, mit künstlicher Farbe, aber zuckersüß.

Klar – Menschen wollen sich in dies Gefühl hineinträumen. Aber es ist eine Rettungsinsel der Sinne, und ich kann nur davor warnen, romantische Gefühle mit Liebe zu verwechseln.


(1) Zitat von Helena Fitzgerald.

Das Gestern

Sinnreiche Zitate sind selten. Und nicht jeder wird den Sinn dieses Zitats erkennen:

Es hat keinen Sinn, aufs Gestern zurückzublicken, denn zu dieser Zeit war ich noch eine andere Person.


Es ist merkwürdig - viele Theorien über den Menschen gehen davon aus, dass wir Tag für Tag die gleiche Person sind, wenn wir erwachsen und voll entwickelt sind. Aber bitte - sind Sie derselbe, wenn Sie Achterbahn fahren, vor Ihrem Bankberater sitzen oder eine Frau verführen wollen?

PS: Wissen Sie, aus welcher Quelle es stammt?

Oper

Ich habe mal wieder den Fehler gemacht, in eine Oper zu gehen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn Soprane laut in Höhenlagen singen, dann durchbrechen sie bei mir eine Grenze, die einen tiefen, spontanen Schmerz auslöst. Früher dachte ich immer, es läge an Vaters Superhet-Empfänger oder dem Plattenhobel, der dir Rillen durchschrammte.

Seit ich viel mehr „richtige“ Musik in Konzerten erlebe, habe ich manches „neu“ gehört. Doch der Schmerz, den mir die Sopranistinnen zufügen, ist mir geblieben. Er vergeht sofort wieder, wenn die Sängerin leiser wird oder in die Mittellagen zurückfällt.

Ach so ja: Ich habe meine Zeit im Theater vollständig abgesessen, trotz der engen Reihen und der unbequemen Sessel. Immerhin war ich neugierig genug, mir das anzutun.