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Lehren aus der Brexit-Debatte

Was wir gestern lernen aus der Brexit-Debatte lernen konnten, war dreierlei:

1. Volksabstimmungen über die Grundlagen von Staat und Gesellschaft sind ein Irrsinn. Sie sind Momentaufnahmen, die auf Gefühlen beruhen – völlig sinnlos, aber mit viel Gefahrenpotenzial.
2. Briten nehmen die Demokratie sehr ernst, aber das nützt nichts mehr, wenn man sich auf eine Volksabstimmung stützen muss.
3. Das Vereinigte Königreich wurde durch die Volksabstimmung ins Chaos gestürzt – und über viele Jahre wird den Regierungen nichts anderes übrig bleiben, als das Chaos zu verwalten oder zu mildern.

Theresa May hat damit wenig tun. Sie ist eine überzeugte, konservative Demokratin, die in den Verhandlungen mit der EU gar keine Chance hatte. Das lag nicht an der EU, sondern an dem überzogenen Vorstellungen der britischen Parlamentarier und der EU-Gegner.

Ob ihr Hauptgegner, der Sozialistenführer und Gewerkschaftler Jeremy Corbyn das alles besser kann? Er ist – nicht nur altersmäßig – ein Mann von gestern. Jemand, der weder die Jugend vertritt noch Integrationsqualitäten hat – und zudem so weit links steht, dass die Wirtschaft im UK um ihren Niedergang fürchten muss - falls das nicht schon der Brexit erledigen wird.

Es ist offenkundig (und wurde gestern auch im Parlament mehrfach deutlich) dass die britische Gesellschaft gepalten ist, und zwar mehrfach. In Jung und Alt, EU-Befürworter und EU-Gegner, in Träumer von der „guten alten Zeit“ und Menschen mit Weitblick. Und nicht zuletzt in Nordiren, Waliser, Schotten und Engländer.

Wie wird es weitergehen? Nicht nur die Briten fragen sich dies – und hoffen auf ein Wunder. Wenn dies nicht Eintritt, werden nun die Chaos-Jahre folgen.

Hoffentlich ist das Geschehen im UK wenigstens eine Warnung an die Fanatiker in Deutschland.

Autor, Blogger und Kritiker – die Suche nach der Wahrheit

Autor eines Blogs zu sein, ist wirklich schwer. Wenn wir die Wahrheit sagen, liest uns niemand. Also feilen wir so lange an der Wahrheit herum, bis irgendeine spektakuläre Spitze hervorsticht. Dann haben wir eine Chance, gelesen zu werden. Wir wissen, dass dieser Aspekt im Grunde nicht den Kern der Wahrheit abbildet, aber wir haben wenigstens versucht, ein bisschen Wahrheit unters Volk zu schmuggeln. Das gilt zumindest für viele "klassische" Blogger.

Einfacher ist es, nicht die Wahrheit zu sagen, sondern das, was das Volk gerne für die Wahrheit halten würde. Denn trotz des angeblichen „Bildungsbooms“ sitzt da draußen ein Volk, das auf Illusionen, Falschmeldungen, Sensationsberichte und Nebensächlichkeiten abfährt.

Ich kann dies zum Teil verstehen. Wer eine Grundschulbildung hat und nie etwas dazulernen wollte, nie ernsthaft an einen Berufs-, Orts- oder Arbeitsplatzwechsel gedacht hat und immer im gleichen Milieu gelebt hat, bleibt eben gedanklich stehen. Statt die Dinge selbst beurteilen zu können, lässt er sie sich von Boulevard-Journalisten oder Populisten vorbeten, die sich ein Vergnügen daraus machen, das Volk weiterhin zu verdummen.

Bedauerlicherweise trifft dies aber ist es nicht nur der Grundschüler aus einfachen sozialen Verhältnissen zu, der nichts dazu gelernt hat. Auch Intellektuelle, Adlige und gestandene Professoren können oder wollen weder „nachlernen“, noch sind sie flexibel genug, ihr Denken und Wissen aufzufrischen oder ihren Geist ab und an in die Mauser zu schicken. Wir sollten sie beobachten. Sie sind zumeist rechtskonservativ, oft aber auch linkskonservativ ausgerichtet, Sie bezeichnen das, was sie sagen und denken (können) als ihre Überzeugung, während sie in Wahrheit nur einseitig und verkrustet sind.

Wisst ihr, ich, mag „echte“ konservative Grundhaltungen – aber die kann man nur haben, wenn man sie jeden Tag mit der Realität abgleicht. Und genau das können die meisten Rechtskonservativen und Linksextremisten nicht. Und je „intellektueller“ sie zu sein glauben, umso mehr schweben sie über den Dingen.

Wollen wir das? Ich will es nicht. Und deswegen bleibe ich dabei, zeitnah Veränderungen aufzuspüren und die Wahrheit freizulegen.

Unwort auf den Kopf getroffen: Anti-Abschiebe-Industrie

Mit dem Begriff „Anti-Abschiebe-Industrie“ hat die Jury diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen: Das ist ein unflätiger, populistischer und menschenverachtender Begriff, den jede Art von Tadel verdient.

Schöpfer des Unwortes ist der CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt .

Jener hat sich zunächst an der Sprache versündigt, indem er das englische Wort „Industry“ in der heutigen, falschen Bedeutung mit gleichem Wortklang verwendete. Was da als „Industry“ bezeichnet wird, ist auf Deutsch auch heute noch ein Geschäftszweig, richtig mit einem Fremdwort aus dem Französischen auch als „Branche“ bekannt und im Englischen eigentlich ein „Business“. Richtig wäre zum Beispiel: die Automobilindustrie – bei ihr handelt es sich tatsächlich um eine Industrie.

Zunächst wurde die Wortfälschung allerdings bereits von Journalisten benutzt, um zu suggerieren, dass hinter gewissen Branchen ganze Imperien stehen, „Industrien“ eben. Besonders für missliebige Branchen wurde das Wort missbraucht, etwa für die „Erotikindustrie“, „Finanzindustrie“ oder „Tourismusindustrie“, die alle keine „Industrien“ sind.

Natürlich kann man im privaten Kreis auch mal ein unflätiges Wort verwenden – zumeist ist dies ja etwas humoristisch gemeint. Aber dieses Wort kam von einem Spitzenpolitiker, der gut daran getan hätte, nachzudenken, bevor er das Wort in den Mund nahm. Denn draußen im Volk (nicht nur im Bayrischen) glauben die Menschen ziemlich viel Unsinn. Und vielleicht glauben sie auch, dass es eine „Anti-Abschiebe-Industrie“ gibt.

Gedanken ordnen zum neuen Jahr

Routinen sind nicht alles, aber sinnvoll: Mit dem Hund durch die Gegend spazieren (die Menschen kennen meist den Hund, aber nicht mich). Datenbanken aufräumen, Störungen beseitigen, recherchieren, einordnen, schreiben, beschreiben.

Dann und wann gibt es ein wenig Nähe zur Kultur – oft mehr als „dann und wann“, denn einer der drei Jazzsender läuft sozusagen jeden Tag „so mit“. Die Sommerblumen über den Winter bringen. Die Passiflora machen mir schon die Freude, wieder Knospen anzusetzen – nicht alle, nur diejenigen, denen ich schon im Januar einen Fensterplatz gönne. Sie trocken und dunkel zu halten, ist auch keine Lösung: Sobald die Tage länger werden, treiben sie aus, es sei denn, du lässt sie vertrocknen.

Die Fortschrittsfeinde – eine Gefahr für alle

Vor allem aber verlangen die Gedanken nach Ordnung. Ich kann nicht jeden Tage schöne Worte unters Volk streuen. Wobei ich mir über „das Volk“ ohnehin jeden Tag die Augen reibe. Ich sehe viel zu viel Menschen, in Frankreich wie im Vereinigten Königreich, und leider auch in Deutschland, die ihre gesamten Energien darauf verwenden, Sand ins Getriebe zu streuen, damit es ihnen „besser geht“. Sie begreifen nicht einmal, dass es ihnen dadurch langfristig „richtig schlecht“ gehen wird. Und Deutschland? Wir müssen über Bildung sprechen, über sinnvolle Wissenschaft und technischen Fortschritt.

Ich denke immer: Hätte es diese Dummbacken, Verhinderer und Gestrigen schon gegeben, als die ersten Eisenbahnen gebaut wurden – wir hätten bis heute keine. Heute verhindern sie Stromtrassen. Wie dumm kann man eigentlich sein?

Nicht alle Mahner sind ehrlich

Ich akzeptiere Mahner. Aber sie sollten aufhören, dummes Zeug über die Welt zu labern und dabei die Schuld für alle Schlechte „beim Anderen“ zu suchen. Gerade, als ich bei den Extremkatholiken, „der von der Natur emanzipierte, kulturell entwurzelte und auf Konsum fixierte Zeitgenosse“ würde sich keine Gedanken über die Nachkommenschaft machen. Das ist Propaganda billigster Art – die reine, aggressive Polemik gegenüber Menschen, die einfach anders leben wollen als die Masse – was übrigens ihr Menschenrecht ist. Und auch dies: Es wird keinen zusätzlichen Handwerker in Deutschland geben, weil es ein deutsches Kind mehr gibt. Oder planen Sie für Sohn oder Tochter eine Karriere als Maurer?

Gegen die EU sein heißt Deutschland zu ruinieren

Und ich denke, ich muss darauf hinweisen, dass alle, die gegen die EU sind, ob offenkundig oder latent, auch Deutschlands Wirtschaft schaden. Deutschland Wirtschaft (nein, nicht nur der Industrie, sondern allen an der Wirtschaft beteiligten) zu schaden und sich als „Alternative für Deutschland“ zu bezeichnen? Das ist ein Treppenwitz. Mittlerweile dämmert dies sogar AfD-Funktionären.

Das eigene Erleben

„Ach, Sie schreiben über etwas? Dann können wir Sie nicht gebrauchen …“

Nun ja, ich dachte, ich wäre smart genug und journalistisch so weit gebildet, dass ich eines weiß: Ich selber halte mich heraus. Und doch versuchen diese „neuen Magazine“ ständig, Autoren zu finden, die eigene Erlebnisse veröffentlichen, und zwar nicht aus der Sicht des Journalisten, also im Rahmen von Recherchen, sondern aus dem „prallen Leben“, das man so führt. Peinlichkeiten und Anzüglichkeiten sind dabei – je nach Medium – durchaus erwünscht.

Ei der Daus.

Allerdings, und nun spitzt mal die Ohren, führt dies zu dreierlei:

1. Die Ereignisse werden inszeniert, nur dass man sich dabei nicht als Journalist (Autor, Blogger) ausgibt.
2. Tatsächlich hat irgendwann einmal ein ähnliches Ereignis stattgefunden, aber es war nicht so spektakulär.
3. Das Ereignis wurde frei erfunden odre irgendwo abgeschrieben oder umgeschrieben.

All dies gab es schon immer, und so etwas wird es immer wieder geben: bei Journalisten weniger, bei Autoren mehr. Es macht ja auch nichts, wenn man sinnliche oder schreckliche Geschichten erfindet, die wahr sein könnten. Nur dann – bitte schön – auch als solche veröffentlichen.

Und, ihr süßen, erfolgsgeilen Traum-Verleger(innen), Blogger(innen) oder wie ihr euch auch nennen mögt: Veranlasst die Menschen bitte nicht dazu, sich Lügengeschichten aus dem eigenen Leben auszudenken.

Vielen Dank.