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Erziehung

Ich höre immer wieder Sätze wie „ich habe meine Kinder so erzogen, dass …“ oder „Bei uns gab es solche Eskapaden der Kinder nicht, es herrschten klare Verhältnisse“.

Die meisten, die so reden, sind „stolze Eltern“ – und sie überschätzen sich in ihren Aussagen bei Weitem. Ich höre selten „ich habe meine Kinder vor allem geliebt“ oder „ich habe ihnen vorgelebt, was Freiheit und Demokratie bedeutet.“

Menschen entwickeln sich wegen der Erziehung, trotz der Erziehung und ohne dass die Erziehung sie stark einseitig beeinflusst. Doch jedes Kind nimmt die Atmosphäre auf, in der etwas gesagt wird - und wie in unterschiedlichen Situationen gehandelt wird.

Und um es ganz unprätentiös zu sagen: Ich verachte die Menschen, die damit prahlen, wie streng und strikt sie ihre Kinder „erzogen“ haben.

DDR-Identität

Ich schaue verblüfft in die Runde: Ich habe keine DDR-Identität, und genau das befremdet die Menschen in den neuen Bundesländern noch immer. Dass ich von Jugend an Demokratie erlernt habe und zusätzlich liberales Denken, gilt hier nichts.

Nein, ich habe keine DDR-Identität. Ich könnte drauf hinweisen, dass meine Familie wahrscheinlich länger in Thüringen gelebt hat als meine Gesprächspartner - nämlich seit dem 17. Jahrhundert. Ich könnte sagen, dass ich dem Adenauer-Staat kritisch gegenüberstand und deshalb die 1968er Revolution befürwortete. Und natürlich könnte ich auf die Probleme hinweisen, die ich als Liberaler überall dort habe, wo ich auf verkrustete Denkweisen stoße - in Bayern wie in Thüringen.

Doch all das wäre aussichtslos. Denn ich habe eben keine DDR-Identität. Mir fehlt das „Gütesiegel Ost“.

Gut und Böse in der Erziehung

In diesem Artikel soll davon die Rede sein, wie aus Kindern Erwachsene werden. Und um diesen weiten Bereich einzugrenzen, habe ich „Gut und Böse“ gewählt.

Dabei liegt das Problem in der angeblich „abendländisch“ geprägten Gesellschaft nicht allein in oft zitierten biblischen Auffassungen, wie etwa bei Jesaja:

Wehe denen, die Böses gut nennen und Gutes böse, die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis, die bitter zu süß machen und süß zu bitter.


Es liegt vielmehr an den Begriffen selbst: Die bigotten Unwissenden, die solche Bibelstellen lesen, glauben, dass der Prophet Gottes die gleiche Auffassung von „gut“ und „böse“ hätten wie sie selbst. Und Jesaja unterstützt solche Meinungen natürlich auch, indem er Pseudo-Fakten schafft: Böse und Gut sind gleiche Gegensätze wie Sauer und Süß – das verhindert die Differenzierung von vornherein.

Ich schreibe euch dies, weil viele naive und ideologisch angehauchte Erzieher und Umerzieher wirklich glauben, sie hätten eine universelle Eingebung dessen, was „gut“ und was „böse“ ist.

Sehen wir uns einen sehr jungen Menschen an. Er wird mit Geboten und Verboten erzogen, und für sein Verhalten wird er gelobt oder gerügt werden. Ihn wird vermittelt, dass all dies zu seinem Besten ist. Dabei ist die Frage, ob die Gebote ihm schaden, nützen, oder gar nichts bewirken. Und erstaunlicherweise ist es mit den Verboten ähnlich. Sie können ihn vor tatsächlichem Schaden bewahren, aber auch positive Neigungen und Emotionen unterdrücken – und sie können letztendlich eben auch gar nichts bewirken.

Die meisten Menschen versuchen im Erwachsenenalter zunächst das, was sie als „gut“ erlernt haben. Erst, wenn sie nur mäßigen oder gar keinen Erfolg damit haben, erinnern sie sich an das, was ihnen als „böse“ vermittelt wurde.

Um konkreter zu werden: Wer gelernt hat, brav, höflich und nachgiebig zu sein, wird bald erkennen, dass er damit „nicht weit kommt“. Er kann aber auch nicht einfach auf das vermeintlich „Böse“ umschwenken, weil er damit ja keine Erfahrungen machen durfte. Das verwirrt seine Emotionen, und vielleicht landet er eines Tages bei einem Psychotherapeuten.

Was wir sofort erkennen: Es gibt keine universelle Definition davon, was „für uns gut“ oder „für uns schlecht“ ist. Du kannst bestenfalls wissen, was für dich gut ist oder was du als schlecht für dich ansiehst.

Deine Verhaltensweisen im sozialen oder partnerschaftlichen Bereich müssen für dich selbst erträglich sein. Deine Berufstätigkeit und die damit verbundenen Freuden und Entbehrungen musst du aushalten können. Du musst ertragen können, Härte auszuüben und Güte zu schenken. Und du musst bereits sein, sowohl die Erfolge wie auch das Scheitern deiner Bemühungen zu ertragen.

Es spielt wirklich keine Rolle, was deine Eltern, deine Lehrer, dein Lehrherr oder dein Professor dazu meinte. Sie alle tragen dein Leben nicht dauerhaft.

Nur du kannst es.

Die SPD outet sich als Verhinderungspartei

Die Gründe für die Nominierung von Ursula von der Leyen mögen in kompromissbehafteten Grauzonen liegen, und meinetwegen kann die Mehrheit der Deutschen sagen: Nö, die wollen wir dort nicht. Das sind Aversionen, die nichts mit der Qualifikation zu tun haben. Eine erfahrene Politikerin, die neben richtigem Deutsch auch noch Englisch und Französisch spricht, ist für Europa geeignet, ob es dem einen oder anderen deutschen Michel nun passt oder nicht.

Doch nun kommt die SPD und schießt aus allen Rohren – oder besser, sie initiiert ein aufgeregtes Tschilpen im Spatzenbaum.

Natürlich hat sie mit dem einen oder anderen Argument recht – und diese Argumente teile ich auch. Aber schon Gemeinderatsmitglieder lernen, dass Politik auf Kompromissen beruht – und wenn professionelle Berufspolitiker darüber öffentlich lautstark lamentieren, zeigt dies nur, dass sie dem Volk Sand in die Augen streuen wollen.

Die SPD hat sich nun geoutet: Man wolle alles daran setzen, dass Frau von der Leyen nicht Chefin der EU-Kommision wird.

Glaubt die Sozialdemokratie wirklich, sie können mit „verhindern“ punkten? Nach der letzten Wahl versuchte sich die SPD bekanntlich zunächst, sie sich vor der Verantwortung zu drücken. Nun versucht sie, irgendwie aus der Regierung herauszukommen – und macht sich an einer Personalie fest. Die SPD als Verhinderungspartei? Ob der Herr Gabriel und all seine ähnlich denkenden Genossen da aufs richtige Pferd gewettet haben?

Ursula von der Leyen

Das Böse liegt oft im Guten, das Gute oft im im Bösen: Die Demokratie hat abermals Schaden genommen, weil die EU eine Kandidatin aus dem Hut zieht, die gar nicht zur Wahl stand: Ursula von der Leyen. Andererseits kennt sie sich besser in der Welt aus als dieser … na wie hieß er noch gleich – Kandidat der CSU.

Ganz schlecht dabei ist, dass man dbaei den fragwürdigen Demokraten aus Osteuropa nachgegeben hat. Denn das Schlimmste, was Europa gegenwärtig erlebt, ist der nationalistische Rechtsdruck, der zwar vor Deutschland nicht haltmacht, dessen antidemokratische Kräfte aber im Moment eher in Osteuropa beheimatet sind.