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Hi-Fi: Doppelter Preis – doppelte Qualität?

Zu den Märchen der HiFi-Branche gehört, dass nur teure Boxen wirklich „natürlich“ klingen – vor allem für Leute, die nie „naturgetreue“ Musik gehört haben. Unabhängig von allen Technikdiskussionen gibt es allerdings eine zuverlässige Formel, nach der Sie abschätzen können, ob sich „Mehrausgaben“ lohnen, und damit ich nicht gleich die Hi-Fi-Branche mit ihren kleinen Mogeleien beanspruche – reden wir mal von einem Auto.

Wie die Verdopplung des Preises die Qualität des Autos beeinflusst

Ein brauchbares Auto können Sie schon für ca. 10.000 Euro kaufen – dann ist nicht viel dran, aber es fährt. Verdoppeln Sie nun den Preis, dann haben Sie etwas Komfort, und den meisten von Ihnen würde dieses Auto völlig ausreichen. Noch einmal verdopplet, wären wir bei 40.000 Euro – und dann haben Sie schon echten Luxus und ein bisschen was zum Angeben. Die nächste Stufe wäre 80.000 Euro – das ist dann ein Prestige-Kauf, für die meisten von Ihnen wahrscheinlich unsinnig.

Erstaunliche Boxen für unter 200 Euro pro Box - lohnt es sich, doppelt so viel zu zahlen?

Nun nehmen wir mal eine Lautsprecherbox. Sie bekommen eine, die bereits recht große Wohnzimmer in bester Qualität beschallt, für unter 200 Euro (ja, wirklich). Sie können nun bis gegen 400 Euro bezahlen, und bekommen möglicherweise etwas mehr – nicht die doppelte Qualität, aber vielleicht etwas intensivere Bässe. Bei 800 Euro haben Sie bereits ein Möbel, dessen Technik und Ausführung sich kaum von dem Modell unterscheidet, dass die Hälfte kostet. Nun erwägen Sie, etwa 1.600 Euro zu bezahlen – und erkennen plötzlich, dass Sie dafür technisch fast nichts anderes bekommen als das, was Sie auch schon für 800 Euro bekommen hätten. Solche Boxen sind für Enthusiasten mit großen Wohnungen, die einen kleinen Salon oder ein Musikzimmer besitzen und hauptsächliche klassische Musik hören, die von großen Orchestern gespielt wird.

Und: Es gibt Boxen für 3.200 und 6.400 Euro das Stück, und damit sind wir noch nicht einmal an der Spitze der Preispyramide. Manche (längst nicht alle) verwenden innovative Lautsprecher, besitzen interne Verstärker oder haben einen ungewöhnlichen Gehäuseaufbau – alles Faktoren, die höhere Preise eventuell rechtfertigen würden. Vorausgesetzt, dass Sie wissen, wie „natürliche“ Musik klingt.

Die angebliche "Klangneutralität"

Apropos Boxen: Wahrscheinlich kennen Sie die zahllosen Forderungen, eine Box müsse „klangneutral“ sein. Und wenn Sie dann den Test der angeblich „klangneutralen“ Box in den „exklusiven“ Hi-Fi-Zeitschriften lesen, dann gibt es so gut wie immer einen Absatz darüber, „wie sie klingt“. Sie tut also, was sie angeblich gar nicht kann: Irgendwie anders klingen als eine andere Box, die ebenfalls „klangneutral“ sein soll.

Und falls Sie mir noch diesen Satz erlauben: Nur „unplugged“ gespielte Musik, an der wenig manipuliert wurde, kann überhaupt „neutral“ klingen. Und wesentlich natürlicher als jedes Symphonieorchester klingt aus der Box ein Trio, ein Quartett oder ein Quintett, weil man sich mindestens vorstellen kann, dass diese Musiker in einem Salon oder einer kleinen Bühne musizieren würden.

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