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Können Psychotherapeuten einen Beitrag zur Politik leisten?

Als Psychologe und Psychotherapeut „renommiert“ zu sein, reicht der Presse zumeist, um eine Aussage dieser Person für wissenschaftlich zu halten. Da wird nicht gefragt, warum dieser Mensch so denkt oder wie seine Ideologien aussehen. Das Einzige, was zählt: "Ach ja, hier ist der Fachmann für das Menschsein."

Genau auf diesem Irrtum basieren in letzter Zeit Interviews mit Hans-Joachim Maaz. Wäre er eine reine Privatperson mit Weitblick, würde sich für seine Aussagen kein Journalist interessieren. Das Interessante an ihm ist seine Popularität.

Psychotherapeuten beurteilen, werden aber selber nicht beurteilt

Seit einiger Zeit „analysiert“ dieser Mann Frau Merkel, und was er über sie sagt, klingt nicht eben fein – jeder andere würde dafür belächelt. Aber eben kein Psychotherapeut. Und obgleich er eigentlich inzwischen alles gesagt hat und nicht Neues zu sagen weiß, wir der munter weitergereicht – diesmal zu der in Leipzig erscheinen LVZ. Da geht es nun darum, den Ostdeutschen Wähler (besonders den ostdeutschen Mann) zu entlasten, wobei Angriff offenbar der Verteidigung dient (Zitat).

Man könnte jetzt westdeutschen Wählern vorwerfen, dass sie das (1) Verleugnen und feige sind. Macht aber keiner.


Alles nur Ideologie?

Doch das ist nicht alles – es wäre ja „nur“ eine Ideologie, die der Psychologe vertritt – und „Merkel muss weg“ ist ja keine wohlüberlegte wissenschaftliche Aussage, sonder entspringt einem persönlichen Impuls.

Der eigentliche Jammer an dem Artikel in der LVZ besteht darin, dass Psychologen offensichtlich alles beurteilen können, sich aber erheblich dagegen wehren, wegen der eigenen Persönlichkeit oder der Ideologie, der sie anhängen, beurteilt zu werden. Das ganze Interview klingt ein bisschen nach Ostalgie, Sozialromantik und Schwarzmalerei, das merkwürdig vermischt ist mit Empathie für die Männer, die in Ostdeutschland aus dumpfen Protestgedanken heraus AfD gewählt haben.

Natürlich könnte sich der Psychologe ausrechnen, dass die Anzahl der Bundesbürger, die AfD gewählt haben, seine wortgewaltigen Aussagen gar nicht stützen.

Psychologen können die Welt nicht eindeutig erklären

Mich erstaunt mehr und mehr, dass Psychotherapeuten überhaupt versuchen, die Welt den Unwissenden zu erläutern. Natürlich ist jeder, Schornsteinfeger oder Psychotherapeut, berechtigt, sein Weltbild zu vertreten. Die Frage ist allerdings, ob dies ausreicht, um damit die Welt zu erklären. Dazu müsste man den Bogen ein wenig weiter spannen.

Das unselige Gerede vom "Wandel", der bald stattfindet

Wissen Sie, jeder kann sagen „wir stehen vor einem Wandel“ oder „wir stehen vor großen Veränderungen“ . Ich misstraue jedem, der dies sagt. Sollen diese Leute, wenn sie etwas wissen, doch bitte sagen, welche Zahlen und Fakten dahinter stehen, und welche Veränderungen sie wann, wie und wo konkret auslösen.

Und dem Psychologen mal in seine Kladde geschrieben: Der Mensch an sich ist so geschaffen, dass er ständig vor Veränderungen steht, und jede Veränderung in Frieden und Freiheit kann Chance oder Risiko sein.

Um alle anderen, Kaminkehrer wie Psychotherapeuten, einmal anzusprechen: Jeder kann einen Beitrag zum Wandel leisten, aber nur die Bündelung positiver Kräfte kann uns letztlich nützen. Wenn „wir“ schon das Volk sind, dann müssen wir es auch sein wollen. Und das heißt nun mal, aktiv daran zu arbeiten.

Zitat aus dem bereist verlinkten Artikel mit der LVZ.

(1) Gemeint ist, dass Merkel nach Ansicht des Mannes nicht hätte wiedergewählt werden dürfen.

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