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Erfurter Posse - Berliner Posse

Die CDU weigert sich, für die Politik in Thüringen in irgendeiner Weise Verantwortung zu übernehmen. Das ist der eigentliche Skandal von Erfurt, der seinesgleichen sucht.

Zitat (T-online):

Unsere Demokratie und die Menschen in Thüringen verlangen zu Recht, dass die politischen Mandatsträger verantwortungsvoll mit ihrem Mandat umgehen. Genug ist genug. Seit zwei Wochen weicht die CDU nur aus. Das ist zu viel.
Wer nach Berlin schaut, erlebt gegenwärtig ein Chaos anderer Art: Viel zu viele wollen mitreden, wenn es um den „neuen“ Kanzlerkandidaten geht. Und jeder glaubt, etwas enorm Wichtiges dazu beitragen zu können. Doch in Wahrheit ist es, wie CICERO richtig schreibt, die Geschichte eines Totalversagens der CDU und ihrer Führung.

Keine Schadenfreude angebracht

Das ist wirklich nicht lustig, sondern zeigt, dass man in der Union nicht mehr staatsmännisch denken kann, sondern glaubt, sich auch noch in der Krise der Partei Kapriolen aller Art leisten zu können.

Sollte dieser Unfug noch ein paar Wochen anhalten, so wäre die CDU weg vom Fenster. Und es ist keinesfalls so, dass sie niemand vermissen würde.

Die DNA der CDU

Dieser Tage können wir bei der CDU aus angeglichen berufenden Mündern sprachliche Dummheiten hören: Die DNA der CDU sei ... und dann kann vieles folgen - nur handelt es sich nicht um eine DNA.

Wenn wir annehmen, dass eine DNA einzigartig und unveränderlich bei einem Menschen ist, dann müsste das Wort bei einer Partei bedeuten, dass ihre Grundüberzeugungen auf gar keinen Fall verändert werden dürfen.

Nun ist es aber so, dass „Leben“ grundsätzliche Veränderungen bedeutet. Eine Partei, die das nicht einsehen will, ist nicht (über-)lebensfähig.

Was die eitlen Schwätzer von der CDU meinen, sind Grundlagen oder Grundwerte. Aber auch sie ändern sich - und das weiß kaum jemand besser als die CDU - vorausgesetzt, sie versteckt sich nicht hinter Sprechblasen.
Die zweifellos CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung schrieb noch vor Kurzem:

Der Wertewandel jedenfalls ist kein geeigneter „Grabredner“ für die Volksparteien, vielleicht ist er – klug genutzt – ihre große Chance.
Der Artikel ist lesenswert - doch zurück zur DNA: Bei einer politischen Partei von DNA zu reden, ist eine bildungssprachliche Verballhornung, oder auf neudenglisch: Bullshit.

Intelligenz

Kürzlich wurde ich gefragt, was „Intelligenz“ wirklich bedeutet. Nein, nicht künstliche Intelligenz, sondern natürliche.

Nun, wenn wir ohne jegliche Vorurteile an das Wort herangehen, stellen wir zunächst fest, dass es ein Fremdwort ist, das für viele geistige Prozesse benutzt wird, die auch anders bezeichnet werden könnten. Wenn ein Fremdwort benutzt wird, glauben bestimmte Wissenschaftler sofort, die Deutungshoheit darüber zu besitzen, und bei der Intelligenz ist es die Psychologie. Sie behauptet auch, mithilfe eines Tests den „Intelligenzquotienten“ feststellen zu können, der innerhalb der Psychologie fast ebenso selbstverständlich als Gradmesser der Intelligenz verstanden wird wie außerhalb der Psychologie.

Doch halt - sprach man nicht zuvor von „Klugheit“ und „Weisheit“? Eventuell auch „Scharfsinn“ oder „Einsicht“?

Oh ja - und jedes Wort hat ohne Zweifel eine Bedeutung, die mit dem Intelligenzbegriff der Psychologie nicht völlig übereinstimmt.

Hier muss ich mich selbst zitieren (nach einem Vorbild, wie ich zugeben muss):

Intelligenz war ursprünglich die Fähigkeit, Unterschiede feststellen zu können. In diesem Sinne behaupten Spötter, ein Teesieb sei intelligent, weil es die Teeblätter auffängt, das Getränk aber durchlässt. Später wurde als Intelligenz scheiden zu können - heute wird als „Intelligenz“ unter anderem bezeichnet, etwas logisch einzuordnen, etwas zu verstehen, selbstbewusst durch Wissen zu handeln, stets lernfähig zu sein, sich und andere emotional zu verstehen, nachdenken, zu planen, kreativ zu sein, kritisch zu denken und Probleme lösen zu können.
Diese Formulierung mag noch keine Klugheit oder gar Weisheit beinhalten, deckt aber einen deutlich breiteren Bereich ab als die „Bestimmung des IQ“.

Emotionale Intelligenz ist sie intelligent?

Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts wird auch im wissenschaftlichen Bereich über „soziale Intelligenz“ oder „emotionale Intelligenz“ gesprochen, wobei eigentlich gemeint ist, mithilfe von Intelligenz die Fähigkeit zu entwickeln, die eigenen wie auch die fremden Gefühle objektiver wahrzunehmen und einzuordnen. Ohne „Intelligenz“ ist dies deutlich schwieriger, wenn es überhaupt möglich ist.

Nein, die Psychologie weiß nicht, wie das Denken genau funktioniert

Wie genau Intelligenz funktioniert ist, unabhängig von der Formulierung, übrigens völlig unklar und der Psychologie auch kaum zugänglich. Es sei denn, man beschränkt sich darauf, dass intelligente Menschen offenbar schnellere Verknüpfungen herstellen können als weniger intelligente.

Selbst der Vergleich mit „künstlicher Intelligenz“, deren Innenleben man genau kennt, ist fragwürdig, weil künstliche Intelligenz unendlich viele Vergleiche benötigt, um zu einem Ergebnis zu kommen und dabei (falls Wissen gefragt ist) auf riesige Datenbanken zurückgreifen muss.

Was ist nun das Fazit?

Wir müssen darauf achten, dass unsere Sprache nicht von Psychologen oder Soziologen vereinnahmt wird. Normalerweise geschieht die nur bei Fremdwörtern und Wortneuschöpfungen. Kein Psychologe würde sich an der Bedeutung von Wörtern wie „Weisheit“ oder „Klugheit“ vergreifen - aber bei Intelligenz glaubt die Psycho-Branche plötzlich, zuständig (kompetent) zu sein.

Gender und Geschlecht

Beide Wörter, „Gender“ und „Geschlecht“, haben ähnliche Wurzeln und ähnliche Bedeutung und sie werden in gleichem wie auch in unterschiedlichem Zusammenhängen gebraucht.

Im englischen entspricht „Gender“ (1) einerseits dem Wort „Sex“, das dort für „Geschlecht“ steht, andererseits aber auch dem Begriff „Art, Gattung, Sorte“. Im Deutschen wird „Geschlecht“ auf für „Herkunft“ verwendet. „Gender“ und „Geschlecht“ sind also nahezu bedeutungsgleich. Oder besser: Sie waren es.

Gender, Geschlecht, Sex

Das Wort „Gender“ wurde zunächst vom genaueren englischen Begriff „Sex“ abgespalten, um einen Freiraum für neue Sichtweisen zu schaffen. Das geschah hauptsächlich in den Jahren 1980 - bis heute (2020).

Während der Begriff „Geschlecht“ eher aus den Naturwissenschaften kommt und hauptsächlich zwischen „Frauen“ und „Männern“ unterscheidet, gilt „Gender“ heute eher in den Geisteswissenschaften, um das „soziale Geschlecht“ zu beschreiben. Dabei wird versucht, das biologisch gesicherte Wissen als „bloße Ansicht“ zu beschreiben:

... unsere Auffassung von dem, was biologisch ist, (hängt) ganz erheblich davon ab ..., was wir sozial als solches ansehen.

Spekulationen, Grundlagen und Selbstbestimmung

Unabhängig von dieser Kontroverse zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften ist unbestritten, dass die Eigenschaften eines Menschen nicht ausschließlich durch das Geschlecht gegeben sind, sondern sich im Laufe eines unbewusste und bewussten Lernprozesses entwickeln. So erreichen Frauen Kompetenzen, die einst nur Männern zugeschrieben wurden und Männer solche, die man früher allgemein Frauen zuschrieb. Man spricht in diesem Fall aber allerdings eher von der „Persönlichkeitsentwicklung“.

Gleich, anders oder was denn nun?

Die Frage, inwieweit Frauen und Männer „gleich“ oder „unterschiedlich“ sind, kann außer der Medizin (Gehirnforschung, Biochemie) heute niemand schlüssig beantworten. Alle anderen Auffassungen aus der Psychologie, Soziologie oder auch aus der Ökonomie spiegeln lediglich Auffassungen wider, die sich schnell ändern können. Mit anderen Worten: Die Entwicklung geht eigene Wege, und jede einzelne Person empfindet sich als mächtig genug, selbst zu wissen, was sie denken oder fühlen soll. Das heißt aber auch: die Wissenschaftler, die ständig neue Begriffe schaffen und dann selbst ihre Bedeutung definieren, erreichen kaum noch jemanden.

Warum sich das Wort "Gender" nicht durchsetzt

Außerhalb des akademischen Bereichs, der LGBT-Gruppen und anderen „Queeren“ Gruppierungen konnte sich das Wort „Gender“ nicht durchsetzen. Das liegt einerseits daran, dass es bildungssprachlich geprägt ist, andererseits aber auch daran, dass kaum jemand dem Sprachgebrauch der Soziologen folgen kann und will. Letztlich mag es auch daran liegen, dass gebildete Menschen sich nicht mehr „fremddefinieren“ lassen wollen, weil sie längst für sich selbst entschieden haben, wie sie sich definieren.

(1) Seit 1828 praktisch unverändert: Webster,
(2) Zitat und weitere Ausführungen zur abweichenden Auffassung; Genderkompetenz (PDF).

CDU Thüringen - nicht mehr lernfähig?

Die CDU Thüringen ist offensichtlich in keiner Weise lernfähig. Jedenfalls muss man auf diese Idee kommen, wenn man Michael Heym zuhört, dem Vize-CDU-Chef in Thüringen. Er ist der festen Überzeugung, dass er und die übrigen CDU-Abgeordneten richtig gehandelt hätten - und verbat sich eine Einmischung der Bundeskanzlerin.

CDU - der Gewinner, der in Wahrheit verliert

Das alles mag man tun, wenn man als Gewinner sowieso alles behaupten kann. Aber die CDU in Thüringen ist kein Gewinner, sondern zumindest ein Prognosen-Verlierer - und wenn man in die Vergangenheit guckt, sogar ein Dauer-Verlierer. Da ist etwas lächerlich, wenn man sagt:

«Aus meinem Wahlkreis habe ich Bestätigung erfahren: „Richtig so! Standhaft bleiben“»
Wenn das wirklich jemand gesagt haben sollte, denn zweifele ich daran, dass er überzeugter Stammwähler der CDU war.

Wenn die CDU der CDU schadet

Generell ist es falsch, von Thüringen aus die CDU als Bundespartei zu verunglimpfen - das sollte Herr Heym eigentlich wissen und - vielleicht auch befürchten. Denn egal, wie man zur CDU steht - sie ist heute eine Partei, auf die man schwerlich verzichten kann.

Was mich besonders befremdet, ist dieser Satz von Herrn Heym:

«Man müsse sich nicht wundern, "wenn sich Leute, die vor 30 Jahren auf die Straße gegangen sind, angewidert von den etablierten Parteien abwenden."»
„Etablierte Parteien?„Angewidert?“ Fehlt nur noch „Sie hatten 30 Jahre Zeit“.

Und vielleicht sollte doch noch mal jemand den Herrn Heym erinnern, dass er selbst immerhin seit 1999 Mitglied des Landtags für die CDU ist - er hatte als „etablierter Abgeordneter“ nahezu 20 Jahre Zeit, um seine Ideen zu verwirklichen. Und das mit dem „angewidert“ sein fällt dann auch etwas anders aus.

Thüringen liegt nicht auf einem anderen Planeten

Vielleicht sagt mal jemand der Thüringer CDU (und nicht nur ihr), dass Thüringen nicht auf einem fremden Planeten liegt, auf dem andere Bedingungen herrschen als im übrigen Deutschland. Das heißt, konkret: Thüringen muss sich an Deutschland orientieren, nicht Deutschland an Thüringen.

Und falls jemandem diese Aussage nicht gefällt: Ich habe thüringische Wurzeln, die Jahrhunderte zurückreichen und lebe heute in Thüringen.

Und noch dazu: Heute geht es nicht mehr um Ost oder West, Thüringen oder Niedersachsen, sondern darum, mit Deutschen und Europäischen Werten im Einklang zu sein. Und dazu passt keine Abspaltung, auch nicht verbal.

Das Zitat sah ich via SPIEGEL in einem Beitrag der ZEIT.