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The Loo in Leipzig

Ich weiß nicht, ob Sie gelegentlich auswärts pinkeln müssen. Falls ja, dann suchen sie ein Klo, einen Abort, eine Toilette. Im Leipziger Hauptbahnhof versteckte man die Toilettenanlagen sehr geschickt in einer der äußerten Ecken – sie sollen ja nicht auffallen, nicht wahr?

Nun weiß ich ungefähr, in welche Ecke man sie versteckt hält, die Aborte. Wenn Sie's nicht wissen, kann ich Ihnen versprechen, dass sie Geduld brauchen. Und also schlage ich die bekannte Richtung ein, und da grinst mich ein Waschbär an. Mensch, denke ich, ist da jetzt das Büro vom Zoo hingekommen? Dann muss das Pinkulatorium ja wohl woanders sein.

The Loo

Doch nein – das Klo war da, wo das Klo ist. Nur heißt es jetzt anders, nämlich „Loo&Me“. Nun weiß ich als auslandserfahrener Mensch natürlich, was ein „Loo“ ist. Es ist britisches Englisch und lässt sich relativ einfach mit „Klo“ übersetzen. Die Wortherkunft ist fragwürdig – manche meinen, es sei eine Verballhornung von „Waterloo“- hoffen wir, dass wir dort nicht mal unser Waterloo erleben, was ja bei der Deutschen Bahn gelegentlich vorkommen soll. Eine andere Ansicht sagt aus, dass es vom französischen „Eau“ kommt – vom Wasser. Spricht sich übriges wie "Luh" oder "Lou".

Das Loo in Leipzig

Mit so viel Wissen ausgestattet sind nun leider nicht alle Besucher des Leipzigers Hauptbahnhofs, und deshalb gab es eine Einführung in die Loologie. Und siehe – es heißt ja auch nicht einfach nur irgendwie „Loo“ – sondern eben „Loo&Me“ – das Klo und ich.

Ich war ja schon froh, nicht irgendwo Mitglied werden zu müssen, damit ich bei Loo pinkeln durfte. Rufen Sie gerne die Seite im Internet auf – aber schalten Sie bitte vorher den Lautsprecher ab, sonst bekommen Sie einen Riesenschreck.

Falls Sie das Klo jemals suchen sollten: Es befindet sich im ziemlich abgelegenen hinteren Teil des Bahnhofs, auf der Ebene des Fernverkehrs, gegenüber Bahnsteig 24.

Was Facebook, andere Internet-Unternehmen und die Politik gemeinsam haben

WIRED brachte es auf den Punkt: Das Statement, das FACEBOOK nach dem Datenleck abgab, ist nichts wert. Sozusagen das „übliche Blabla.“

Wörtlich:

«(Sie reagieren) … so, wie man es als modernes Unternehmen eben gelernt hat: Entschuldigungen und Ansätze von Schuldeingeständnissen, eine Prise Demut und die eine oder andere leichte Änderung im System als Beweis der Lernfähigkeit. Am Ende noch ein bisschen „unsere Mission“ und „unsere Nutzerinnen und Nutzer sind das wertvollste Bla Bla“ … Dann läuft alles weiter bis zum nächsten Skandal, und der Spaß geht von vorne los.»


Nun wissen wir mindestens dies: Die modernen Daten-Kraken , die unser Verhalten ausforschen wollen, heißen ja nicht nur „Facebook“. Sie tragen auch andere klangvolle Namen, von Apps über Suchmaschinen bis hin zu angeblich seriösen und unverdächtigen Online-Medien. Dagegen müsste eigentlich etwas getan werden, aber Politiker schleichen der Zeit hinterher wie Schnecken, und kaum jemand beklagt noch die Unverschämtheit, mit der unsere Privatsphäre von den saugenden Online-Insekten ausgelaugt wird.

Doch mich erinnert der Satz aus WIRED noch an andere: an die Deutsche Bahn, an manche Hotline, die den Namen nicht verdient, weil sie eine „Coldline“ ist, an Online-Dating-Unternehmen, die Geld ohne Ende einsammeln, ohne nennenswerte Leistungen zu erbringen … Und ich denke an sich selbst verlängernde Abonnements und andere Ärgernisse, die von der Politik noch nicht einmal beäugt werden. Von zweifelhaften und kundenfeindlichen AGB mal ganz abgesehen.

Blabla und aufgemalte Schamröte - aber es ändert sich nichts

Und werden sie erwischt, dann machen Sie genau das: Blabla und ein bisschen aufgemalte Schamröte, die schnell wieder abgeschminkt wird.

Und die Politiker? Machen sie es nicht genauso? Wer ist denn schuld daran, dass der Verbraucherschutz durch einen simplen Eintrag in die selten gelesenen AGB ausgehebelt werden kann? Wer hat die Digitalisierung verschlafen? Wer ist dafür verantwortlich, dass große Teile Ostdeutschlands Wüsten ohne Internet, teils gar ohne Mobiltelefonie-Empfang ist? Nicht einmal das Digital-Terrestrische Fernsehen, für das wir ja schließlich die Gebühren löhnen, ist überall empfangbar. Ja, da arbeitet man noch dran … viel zu lange und mit Unternehmen, die auch (oder in erster Linie?) ihre eigenen Interessen im Kopf haben.

Ja, ja ..und am Ende …? Blabla. Ein bisschen Entschuldigung. Nicht ernst gemeint versteht sich. Nein, darüber gibt es keine Skandale, nicht wahr? Das ist deutscher Alltag.

Ach nee, Herr Pofalla – die Weichenheizungen haben funktioniert?

Wie schön, dass Herr Pofalla meint, die in Leipzig während der Buchmesse ausgefallenen Weichen seinen NICHT wegen „ausgefallener Weichenheizungen“ eingefroren gewesen. Sondern wegen Eisregen (aha, Eisregen?) und Schneeverwehungen.

Zitat:

Die Weichenheizungen hätten zwar grundsätzlich funktioniert, so Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Eisregen und Schneeverwehungen seien aber zu massiv gewesen.


Da können wir ja beruhigt sein. Oder?

Keiner dieser Züge fuhr, der Bahnsteig war spiegelglatt - gestrandet in Halle Hauptbahnhof
Lieber Herr Pofalla, ich weiß ja nicht, wo SIE waren, als in Leipzig ein paar Schneeflocken zu viel vom Himmel fielen. Aber das war weder ein Unwetter noch ein naturbedingtes Chaos. Es war eine ungewöhnliche Situation, die ein funktionierendes Krisenmanagement ohne Weiteres in den Griff gekriegt hätte – nur gab es so etwas nicht. Und deshalb gab es dann ein hausgemachtes Chaos, das meiner bescheidenen Meinung von unzureichender Technik, überfordertem Bahnpersonal und einer absolut beschissenen (lässt sich nicht anders ausdrücken) Informationspolitik herrührte. Man kann auch sagen: von einem Totalversagen des Managements in Krisensituationen.

Ach so – ich war jedenfalls an diesem Tag in Halle Hauptbahnhof gestrandet. Weil unter anderem ein Teil der Infrastruktur, die nach meiner Kenntnis SIE verantworten, in einem erbärmlichen Zustand war. Und zwar „massiv“.

Das Bahn-Chaos – wie es der Reisende erlebt

Das Wetter war lange angekündigt – und sowohl die Deutsche Bahn wie auch die Stadt Leipzig erwies sich als unvorbereitet auf eine ganz normale Wintersituation. Es schneite, es war ziemlich, aber nicht extrem kalt und der Wind blies ein bisschen mehr als sonst. Nein, es war kein naturbedingtes Chaos. Das Chaos war von Menschen gemacht. Menschen, die sich offenbar nicht viel dachten. Hauptsächlich waren es wohl die Chefetagen, also die gut bezahlten Manager der Transportbetriebe, die als Mitverursacher dessen infrage kamen, was dann als „Chaos“ bezeichnet wurde. Ach ja, die Natur ... die Natur, ja natürlich.

Was immer die Leipziger Straßenbahn tat – ich weiß es nicht. Sicher sind es nicht die Fahrer und Helfer, die für das Chaos verantwortlich waren. Und ob ein Krisenplan geholfen hätte, kann ich auch nicht beurteilen.

Die Deutsche Bahn - offenbar planlos ins Chaos

Kommen wir also zur Deutschen Bahn, und insbesondere zur „Mitteldeutschen“ Sektion, und hier insbesondere zu den Verhältnissen in Leipzig. Dort hakten die Weichen wegen Vereisung, und angeblich war die (vorhandene) Beheizung nicht in der Lage, diese aufzutauen, weil „alles sofort wieder anfror“. Ja Leute, was denn? Nicht winterfest? Kein Krisenplan? Keine Leute, die sofort handeln? Hat man bei der Bahn in Leipzig überhaupt noch Konzepte für irgendetwas? Was war denn geschehen? Keine ungewöhnliche Kälte, ein bisschen mehr Schneefall als sonst, aber keinesfalls Schneeberge – und die Weichen frieren ein? Und wenn sie abgetaut sind, frieren sie wieder ein? Da können die Pressesprecher der Bahn viel über „eingefrorene Weichen“ erzählen – das Beispiel zeigt doch nur, dass die Deutsche Bahn in Leipzig unfähig ist, solche Situationen zu meistern.

Die Reise - statt ICE erst mal IC, dann RE
Komfortabel war es schon - aber ein RE ist eben kein ICE.
Mein Tag begann mit einem Zugwechsel, weil schon der erste Anschluss nicht geklappt hätte. Die Bahn gab keine Begründung für die Verspätung. Immerhin hätte ich bis Leipzig durchfahren können. Dann die böse Nachricht: Halt in Magdeburg. Umsteigen auf einen Regional-Express, der buchstäblich jedes Dorf in Sachsen-Anhalt bedient. Immerhin reiste ich in einem komfortablen Nahverkehrszug – eine Neuerwerbung der Deutschen Bahn. Dass die Zugangswege zu den Bahnsteigen in Magdeburg total vereist waren – das war an diesem Tag Standard. Immerhin fuhr mein Zug tatsächlich. Fragt sich nur, warum der Regional-Express bis Halle/Saale fahren konnte, der IC aber nicht.

Das Chaos wurde in Halle (Saale) perfekt
Durchgängig Rutschbahnen: ein Wunder, dass neimand ausglitscht
Das Chaos in Halle werde ich nicht wieder vergessen – „verarscht“ ist gar kein Wort für das, was ich dort an „Informationen“ bekam. Und wieder liegt der Verdacht nahe, dass die Bahnmanager und Hauptverantwortlichen sich nichts dabei dachten, dass ständig Fehlinformationen ausgegeben wurden – und zwar eine nach der anderen. Auch hier waren die Zugänge zu den Bahnsteigen nur sehr dürftig geräumt – mit „Normalschuhen“ war man hier verloren.

Bahn ohne Plan

Die Bahn hat gezeigt, wie schlechtes Management, eine katastrophale Informationspolitik und nicht vorhanden Koordination zum Chaos führt. Sie wird wahrscheinlich abermals nichts daran ändern. Denn wieder war es vorgeblich nicht das Eis im Hirn, sondern das Eis auf den Weichen, das zum Bahnchaos führte. Und die Verantwortlichen – ach nee, die Verantwortlichen? Die werden jetzt wahrscheinlich sagen: Was will denn dieser Roese mit seiner Kritik? Die meisten Fahrgäste waren doch ganz verständnisvoll. Ja, das waren sie – weil das vorgeschickte Personal ja nichts daran ändern konnte, dass die „Verantwortlichen“ bei der Bahn im Zweifel niemals zu ihrer Verantwortung stehen.

Zu viel "Verständnis" schadet nur

Möglicherweise ist der Grund für das Wohlverhalten aber auch ein falsch gewichtetes Verständnis für die Pannen-Manager. Und mir schient, wir sind ohnehin alle viel zu verständnisvoll gegenüber dem schlechten Service, dem unerträglichen Krisenmanagement und grundlegenden Fehlern in der Informationspolitik. Und dagegen hilft nur, massiv zu protestieren.

Die Bahn als Geisterbahn ohne Plan

Komplettes Chaos in Halle: Keine der angezeigten Bahnen fuhr fahrplanmäßig - das hätten man in Halle wissen können
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Bahn, heute früh noch von mir mit Lob bedacht, ist in Wahrheit nicht auf besondere Situationen vorbereitet: Vor Ort stehen und sitzen unwissende Menschen, die zwar ihr bestes geben mögen, aber es nicht können, weil ihre eigenen Informationen falsch und unvollständig sind.

Geisterzüge werden angezeigt, verschwinden dann wieder ...


Sie geben deshalb mal diese, mal jene Auskunft und verlassen sich offensichtlich darauf, dass irgendwo und irgendwie schon jemand (eventuell sogar ihr überaus dusseliges Computersystem) etwas weiß.

Ich habe noch nie im Leben innerhalb einer Stunde so viele falsche und irreführende Informationen bekommen wie heute in Halle HBF. Es ist ein Zeugnis des Versagens, wie es schlimmer nicht ausgestellt werden kann.

Die Bahn ist offenbar in einem elenden Zustand – und in diesem Fall deutet alles auf ein durch und durch unfähiges Krisen-Management hin. Und die Verantwortung? Die wird sicher wieder auf Meister Frost geschoben.