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Mindestlohn und Presse: Kritik nicht erwünscht

Neben vielen anderen Branchen kam der Mindestlohn auch für Verleger zur Unzeit: Den Druckmedien geht’s schlecht – und die Zusteller, das Rückgrat der Bürgerzeitungen, die auf „die Abonnierte“ setzen, bekommen nun Mindestlohn. Das verursacht seither erhebliche Mehrkosten, die sich kaum auf die Abonnenten abwälzen lassen. Also muss das fehlende Geld woanders eingespart werden.

Darf man darüber reden? Und dürfen Verleger dies anmerken? Oder dürfen nur Redakteure vermutlich höflichere Fragen an den SPD-Kanzlerkandidaten zur großen Politik stellen?

Jedenfalls ist die Presse äußert bemüht, sich über einen Vorfall bei den Lübecker Nachrichten. Dort war Herr Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, zu Besuch. In Meedia können wir dazu über Stefanie Hauer, Geschäftsführerin der Lübecker Nachrichten, lesen:

Im Gespräch mit Martin Schulz winselte sie förmlich um Hilfe – zum Leidwesen anwesender Redakteure, die sich in stiller Fremdscham wanden.


Was lernen wir nun daraus? Erstens, dass Redakteure wichtiger und wertvoller sind als Verleger, weil sie ja den „großen politischen Durchblick“ haben. Zweitens, dass Hilfeersuchen als „winseln“ oder als „Lobbyarbeit“ abqualifiziert werden. Drittens, dass es offenbar unangemessen ist, am an der übereilten Einführung des Mindestlohns Kritik zu üben. Und außerdem, dass Redakteure eine dünne Haut haben, die sich „in stiller Fremdscham winden“ müssen.

Ach, die armen Redakteure. Demnächst habe ich Mitleid mit ihnen.

Zebrasteifen in Altenburg wieder erlaubt

Das Wildpferd mit den Streifen darf die thüringischen Stadt Altenburg nunmehr wieder betreten. Vor etwa einem Jahr hatte der „weise“ Stadtrat auf Antrag der CDU beschlossen, für Zirkusse ein sogenanntes „Wildtierverbot“ durchzusetzen. Das hätte möglicherweise bedeutet, dass Zirkusse in Zukunft ihre Vorstellungen mit Hundedressuren, Augusten und Hupfdohlen bestreiten müssten. Doch ein wackerer Zirkusdirektor widersetzte sich der Obrigkeit trickreich, was das Blut mancher Stadträte in heftige Wallungen brachte.

Die Zebrastreifen in der Stadt waren davon übrigens nicht betroffen: Sie durften bleiben und mussten nicht in Schwarz-Weiß-Streifen umbenannt werden.

Und nun? Nun hat man den Beschluss wieder zurückgenommen, aber zugleich über den Zirkus gewettert, der dem Gebot des Hohen Rats zum Trotze doch zwei Zebras auftreten ließ. Und der Herr Müller, Chef der SPD-Fraktion, meinte gar, die Rücknahme des Beschlusses „Erzeuge bei den Bürgern Verdruss und Unverständnis“, was ich nicht bemerkt habe. Und auch der CDU-Chef fand, dass der Zirkus den Gemeinderat „am Nasenring durch die Manege“ gezogen habe.

Eine Nasenringpflicht für Gemeinderatsmitglieder wurde allerdings, so weit ich hörte, nicht eingeführt, weshalb für sie auch keine Chance besteht, demnächst durch eine Manege geführt zu werden.

Nun, die örtliche Zeitung nahm die Sache ausgesprochen bierernst und wetterte gleich mit: „Man müsse Stadtratsbeschlüsse verteidigen“, meinte jedenfalls Redakteur Jens Rosenkranz.

Wie schön, wenn man erkennt, was wirklich wichtig ist … denn das Zebra lehrt uns ja: es ist teils weiß, teils schwarz – wie der Zeitungsdruck eben auch.