Skip to content

Sommerzeit

Sömmertid – da ward allns beter, sage ich mal in Abwandlung von Gershwin. Aber auch: dieser Tage grasen sicherlich wieder Kühe im Wald, liebestolle Schildkröten werden von der Polizei gerettet, Zebras dürfen ausnahmsweise nach Altenburg und Ungeheuer tauchen mit Sicherheit erneut in schottischen Seen auf.

Im Sommer diesmal mit Panamahut
Wissenschaftler werden die Zeit nutzen und und Wunder über die Liebe verkünden, die sie an ungefähr 21 weiblichen Studierenden festgestellt haben. Die Rechten werden weiter verkünden, dass niemand so aufrichtig ist wie sie - außer weißen Kaninchen, und die Linken werden das Gleiche von sich behaupten. Wir werden uns sicherlich weiter mit Binnen-Is aus dem Bereich Gender-affiner Universitäten auseinandersetzen und auch den Falschmünzern unter den Gender-Kritiker, die ihre Kritik als rechtsgerichtete Propaganda verkaufen. Die schwäbischen „Elternrechtler“ werden ebenfalls mal wieder die Gunst des Sommerlochs nutzen, um uns ihre schrägen Theorien um die Ohren zu hauen, zum Beispiel für „Frühsexualisierung“. Und wir werden wieder von der LGBT-Gemeinschaft hören, die noch viel, viel mehr Einfluss will– auf, dass der Streit nie aufhören möge.

Ich las neulich, dass jemand sagte; „Sexualerziehung sei Sache der Eltern, nicht der Schulen.“ Ach ja? Dann bitte, liebe Eltern, fangt doch einfach mal damit an, es kann ja nichts schaden, nicht wahr? Ich fürchte, demnächst werden die Eltern auch Ethik, Deutsch oder Musik als „Elternrecht“ reklamieren – schließlich werden dort neben vielen Homosexuellen auch andere Abweichler von der rechts-konservativen Norm vermutet.

Sömmertid – da ward allns beter? Ja, wenn man sie genießt … dann ja.

Die "Wertebeliebigkeit" - neuer Fake-Begriff

Ei, ei, da hat der Herr Gauland aber ein schönes Wort entdeckt: „Die Wertebeliebigkeit“. Gleich mal substantiviert, damit’s ein bisschen wie Amtsdeutsch klingt.

Die „Wertebeliebigkeit“ reiht sich ein in andere Worte, die rechtskonservative, evangelikale und sonstige ultrakonservative Kreise nutzen, man denke an die „Frühsexualisierung“. Auch damit wurde schon versucht, eine an sich unsinnige Floskel durch die Substantivierung als Tatsache zu verkaufen. Beide Begriffe sind „Fakes“ und gehören zu den Fake-Informationen, die Ultrakonservative gegenwärtig gerne nutzen. Übrigens ist die „christlich-abendländische“ Kultur nicht weit entfernt davon – in einem Land, dessen Mathematik griechisch-arabischen Ursprungs ist, die Künste und Denkweisen weitgehend auch von jüdischen Elementen gespeist wurden und in der das Recht aus Rom kam.

Die Ehe ist gar nichts davon. Nur für die Katholiken ist sie ein Sakrament. Für den Rest ein innerer Vertrag, öffentlich abgesegnet und mit äußerlichen rechtlichen Auswirkungen. Übrigens wird er (historisch gesehen) erst seit relativ kurzer Zeit mit den heftigen Emotionen der „Liebesheirat“ unterlegt. Zuvor war (zumindest im Bürgertum) die „Konvenienzehe“ üblich, also eine Ehe, die „standesgemäß“ geschlossen wurde, wobei die Bedingungen oftmals zwischen Bräutigam und Brautvater ausgehandelt wurden.

Und die Werte? Es gibt keine „Wertebeliebigkeit“. Wer die Ehe eingeht, und zwar gleich wer mit wem, übernimmt damit erhebliche Verpflichtungen und trägt auch die rechtlichen Folgen. Durch Ehen werden also im Grunde ethische und soziale Werte geschaffen und nicht zerstört.