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Das große SZ existiert tasächlich ...

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Wer diesen Affengriff ausführt, bekommt genau dies: .

Nachtrag zur „Ehe für Alle“

Wie will man sie sehen, die Ehe?

Rein Formal? Steht heute im BGB

Rein Formal ist sie ein Vertrag, der auf eine ganz bestimmet Weise eingegangen wird und der weitreichende Konsequenzen hat. Seine Bedeutung kann im Bürgerlichen Gesetzbuch nachgelesen werden.

Historisch – Kirche und freie Vertragsgestaltung

Die Bedingungen, zu denen die Ehe geschlossen werden konnte, wurden vor Einführung des BGB meist vom Brautvater und dem Bräutigam ausgehandelt. In der Kirche gab sich das Paar dann das berühmte „Ja-Wort“, um den Vertrag zu bestätigen und damit das bestehende Verlöbnis in eine Ehe zu wandeln. Das änderte sich erst 1847 in Deutschland.

Kulturell und literarisch

Als Ehe gilt – kulturell wie auch literarisch – nur das rechtlich wirksame Bündnis zwischen Frau und Mann. Es ist aber kaum zu erwarten, dass durch die „Ehe für Alle“ bei zukünftigen Generationen Missverständnisse entstehen.

Kirchlich – katholisch ist es am kompliziertesten

Kirchlich spricht man eher von einer „Trauung“ als von einer „Eheschließung“. Das Ritual ist heute wie gestern das Gleiche: Durch das „Ja-Wort“ wird der Vertrag auch vor der Gemeinde geschlossen. Für die katholische Kirche ist die Ehe ein Sakrament. Die römisch-katholische Kirche beharrt darauf, dass die Ehe ein „Sakrament“ sei, das von den Eheleuten gegenseitig gestiftet wird.

Und nun?

Nun änderte sich für ganz wenige ganz viel und für den Rest der Bürger, die heiraten wollen, gar nichts. Fragt sich, warum SPD, Grüne und Linkspartei dieses Riesenbrimborium dafür veranstaltet haben. Und warum manche rechtskonservative und katholisch orientierte Abgeordnete der CDU/CSU so vehement dagegen wettern. Und viel Licht fällt dabei auch auf die katholische Kirche, die zwar intern Sakramente zu verteidigen hat, sich aber nicht als Hüter der deutschen Kultur aufspielen sollte – denn genau das steht ihr nicht zu.

Korrektes Deutsch mit Ketchup

Ganz korrektes Deutsch wird selten geschrieben. Warum auch, denn „ganz und gar“ korrektes Deutsch wir nur in der Schule gelehrt. Dichter sollte es gar nicht, Schriftsteller nur mäßig kümmern, denn „ganz korrektes Deutsch“ ist oft auch langweiliges Deutsch.

Das große SZ und das kleine SZ
Nun gibt es Neuigkeiten: Zum Beispiel ein Eszett, auch "scharfes S" genannt, als Großbuchstaben.Die ZEIT meinte, es sähe aus wie "ein Hybrid aus kleingeschriebenem ß und einem großgeschrieben B."

Also höret, Mitmenschen: Ihr könnt euch zwei lange und überwiegend langweilige Dokumente aus dem Internet herunterladen, wenn ihr Lehrer oder Schüler seid. Zum Beispiel die Regeln oder das Wörterverzeichnis.

Ja, und eines freut mich: Es gibt kein Ketschup mehr. Nur noch Ketchup. Preisfrage: Heißt es das Ketchup oder der Ketchup? Der Duden will wissen: Ketchup existiert männlich und sächlich. Also hat DIE ZEIT wahrlich recht, wenn Sie schreibt „es gibt keinen Ketschup mehr.“ Und ich, wenn ich schreibe: Es gibt kein Ketschup mehr."

Hyping und andere – wurden die Begriffe erfunden?

Ich hype, ich werde gehypt - wann hört der Unfug solcher Wortschöpfungen auf?
Wissen Sie noch, was ein Metrosexueller war? Nun, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Das sind schicke junge Männer, die ebenso modebewusst wie körperbewusst sind, aber dennoch heterosexuell. Früher nannte man solche Männer auch mal „Dandys“. Heute ist der Begriff schon wieder aus der Mode gekommen - wenn er überhaupt jemals in Mode war.

Nun hat, wie mir scheint, eine Bloggerin den Trend auf die Schippe genommen, im Bereich des „Datings“ ständig neue Begriffe zu erfinden. Diesmal war es „hyping“. Ausgebrütet hat diesen Begriff wahrscheinlich die Bloggerin Vix Meldrewe, auf deren Artikel vom 4. Mai 2017 sich dann (merkwürdigerweise noch am selben Tag) die britische Presse stürzte. Da auch die Journalisten einschlägiger deutscher Presseerzeugnisse die britische Boulevardpresse lesen, dauerte es nicht lange, bis man hierzulande davon lesen konnte.

Dümmliche Worte werden als "Fiese Trends" vermarktet

Für Leute, die’s nicht wissen: Es „ingt“ nur so in den Boulevard- und Frauenzeitschriften, die jedes Fitzelchen im sogenannten „Dating“ aufgreifen, um ein angeblich neues Wort zu verbreiten. Das wäre nicht so schlimm, wenn so etwas nicht gleich als „fieser Trend“ vermarktet würde. Man erinnert sich noch an „Benching“, „Ghosting“ und „Breadcrumbing“, die ebenfalls als „fiese Datingmaschen“ vermarktet wurden. Zielgruppe sind meist junge, einfach gestrickte Frauen, für die daraus „Warnmärchen“ gezimmert wurden, zum Beispiel, wie man diese „fiesen Typen“, die so etwas machen, erkennt und vermeidet.

Der Wolf oder der Mann ist böse oder krank - was sonst?

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf? Kaum eine junge Frau, den sie weiß ja (noch) nicht, was für ein böses Tier der Wolf (Pardon, der Mann) ist. Und deshalb gibt es die Beratungstanten und Beratungsonkels, die bei jedem neuen Begriff genau wissen, wer „so etwas“ tut und wie man den Kontakt zu diesen Männern vermeidet. Mal sind sie Schufte, am Scheißkerle, mal haben sie nicht alle Drähte richtig verlötet – für die letztere Gruppe gibt’s dann die Interpretationen aus der Küchenpsychologie.

Fake News aus Expertenmund?

Die ganze Chose hat etwas von Fake News. Erfinde ein Wort, schreibe über die schrecklichen Dinge, die Menschen (meist Männer) damit anrichten – insbesondere die psychischen Qualen, die Frauen dadurch erleiden. Sie werden sich ausmalen können, wie enttäuschte Frauen ihre Kopfkissen nass weinen, nicht wahr?

Und alles, alles, ist erfunden. Zwar gibt es ein paar Männer, die wirkliche Schufte sind. Und es gibt einige unschöne Verhaltensweisen. Aber es gibt diese Wörter nicht wirklich, und dahinter stehen keine tatsächlich existierenden Phänomene.

Warum Sie an sich selbst arbeiten sollten, wenn Sie "betroffen" sind

Und diejenigen, die betroffen sind? Wohlwollen kann ich ihnen sagen: Die Menschen sind nicht so, wie sie oder ich sie gerne hätten. Sie leben so, wie sie selbst möchten, auch dann, wenn es uns missfällt. Und mit etwas weniger wohlwollen: Arbeiten Sie bitte an sich, wenn Ihnen so etwas häufiger passiert. Die Welt zu ändern, ist verdammt schwer. Aber Sie selbst können sich verändern – und das ist nicht so schwer.