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Du machst mich ganz kirre

Wenn eine Dame einen Herrn kirre macht, dann ist er des Wahnsinns verliebt in die Dame, die sich andererseits nur zähmen lassen wird, wenn er sie dafür entlohnt. Es sei denn, sie wäre selbst schon ganz kirre. Man sieht: dieses Wort hatte es einmal in sich, weil es viele verschleiernde Bedeutungen hatte.

„Kirre machen“ bedeutet, jemanden „ganz verrückt zu machen“, sowohl im eigentlichen Sinne, also der Verwirrung durch das Verhalten wie auch im erotischen Sinne. Benutzt wird das Wort aber fast gar nicht mehr, und auch die Nebenbedeutung, die Zähmung, ist kaum noch in Gebrauch.

Und so werden wir wohl darauf verzichten müssen, dass uns eine Dame mit holdem Augenaufschlag sagt: „Du machst mich ganz kirre.“ Auf den Augenaufschlag verzichten wir schon lange, und er wird auch kaum noch einstudiert. Und „kirre machen“? Es kann heißen: „Nun zähm mich doch endlich“ oder „worauf wartest du noch?“ Aber das zu sagen, wäre natürlich deplaciert.

Ich wäre so gerne ein Hold – oder besser doch nicht?

Ach, die Unholde sind unter uns, die bösen, bösen Menschen, die alles anderes hold sind. Hold sind ihnen eben nur ihre verbohrten Ideologien. Ich verzichte gerne darauf, Namen zu nennen.

Nun, gelegentlich war (udn ist) mir jemand hold. Eine Dame, ein Gönner, ein Kunde. Wäre sie oder er mir unhold, so besäße ich nicht ihre oder seine Gunst. Und sehen Sie – selbst ich kann nicht auf die Gunst einzelner verzichten, wenngleich ich nicht um die Gunst zu buhlen bereit bin.

Und doch wäre ich gerne ein Hold, und eigentlich bin ich es längst, weil ich kein Unhold bin. Doch was wäre ein Hold?

Holdinnen, so weiß es der Dichter, haben ein weiches Herz, doch wäre anzumerken, dass sie möglicherweise nur dem hold sind, der seine Geldbörse für sie öffnet. Wäre ich also ein Hold – oh nein, dann bitte doch nicht. Obgleich Schriftsteller meiner Art ja stetig jemanden benötigen, der ihnen hold ist.

Katholiken wettern gegen neue Sexualerziehung

Obgleich die Kirche eigentlich keinen Einfluss auf die Sexualkunde nehmen sollte, geschieht dies immer wieder - mal offiziös und mal hinter einer Maske. Und sie wendet sich gegen eine zeitgemäße, menschengerechte, liberale, vollständige und wahrheitsgemäße Sexualkunde.

Diesmal mischt sich die Publikation „Katholisches-Info“ ein. Neben dem allgemein bekannten, etwas lächerlichen Argument der „Indoktrination“ passt dem katholischen Journal allerdings die ganze Linie der Sexualaufklärung nicht, und sie wettert:

Dem hessischen Sexualerziehungskonzept liegt anscheinend ein reduktionistisches Menschenbild zugrunde. „Die Lehrplanvorgaben verführen dazu“, so die Autoren, „menschliche Sexualität auf die Frage nach der sexuellen Orientierung, der sexuellen Selbstbestimmung und der sexuellen Befriedigung als dem wichtigsten Maßstab für gelingende Sexualität zu reduzieren.


Welches Menschenbild?

Die Frage wäre natürlich, auf welches Menschenbild hin dabei erzogen werden soll. Zwar glaubt das katholische Magazin, dafür den Stein der Wiesen gefundene zu haben, in dem sich hinter einer wissenschaftlichen Stellungnahme versteckt. Doch was bedeutet die Stellungnahme? Die Wissenschaftler gehen vorsichtig-kritisch mit den neuen hessischen Reichlinien um, sagen aber lediglich:

(Der Lehrplan müsse )… perspektivenreicher, thematisch ausgewogener, sachlogisch strukturiert sowie fachlich und sprachlich korrekt den aktuellen und absehbaren Bedarf an Information und Erziehung bei heranwachsenden Kindern und Jugendlichen aufgreifen und abdecken.


Das lässt sich aus der Sicht eines Instituts leicht in die Welt hineinblasen, doch ist der Lehrplan nicht bereits ebenso perspektivenreich, wie er (aus kultureller Sicht) einseitig ist? Und was ist bitte „fachlich korrekt“? Ist es etwa „fachlich inkorrekt“, die Wahrheit zu sagen und Wunschvorstellungen über Sexualität zu verbreiten? Und reich es überhaupt, „fachlich korrekt“ zu sein? Muss nicht übergreifend unterrichtet werden? Würde ein Blick auf Kunst und Kultur nicht ein ganz anderes Menschenbild, zeigen als das, was ein Sexualwissenschaftler im Kopf hat? Nun ja, und sprachliche Korrektheit kann man zwar fordern, sie wird aber unter Jugendlichen nicht praktiziert – für sie ist „homosexuell“ männlich und lesbisch weiblich, und beide Worte werden eher als Schimpfworte verwendet: Das ist die Realität.

Gut, gut, die Redakteure sind eben rückwärtsgewandt, und selbst gewachsene Realitäten überzeugen sie nicht:

Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen sind … unveränderlich und insofern gerade nicht dem gesellschaftlichen, kulturelle oder religiösen Wandel unterworfen, wie das Lehrplanthema es suggerieren will.


Ach ja, unveränderlich? Wer so etwas schreibt, lebt nicht in der Jetztzeit, und sein Geschichtsbewusstsein ist – milde ausgedrückt –leicht getrübt. Denn nicht der Lehrplan suggeriert den Wandel, die Geschichte schreibt ihn fort.

Und nicht zuletzt: Wie kann es nur sein, das ausrechnet den katholischen Autoren die Säugetier-Verwandschaft des Menschen immer dann einfällt, wenn es ihnen in den Kram passt? Dazu zitiere ich:

Mit dem für ein Geschlecht spezifischem Verhalten sind Fähigkeiten gemeint wie das männliche Zeugen oder das weibliche Empfangen sowie Schwangerschaft, Gebären und Stillen.


Richtig, wie bei den Ratten, Katzen, Hunden und Affen. Unveränderlich. Oder wie war das mit dem "reduktionistischen" Menschenbild?

(1) Die Zitate stammen aus der oben verlinkten Quelle.

Elektro-Mobilität und andere vorschnelle Urteile

Als einst Gottlieb Daimler das Benzin in der Apotheke kaufte, hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass es einstmals ein unglaublich großes Netz von Tankstellen weltweit geben würde. Ja, niemand hätte für möglich gehalten, dass jemals so viel Mineralöl gefördert werden könnte, wie Kraftfahrzeugen verbrauchen, wenn sie in Massen produziert werden.

Nun glauben ein CICERO-Kolumnist, dass Elektromobilität keine Zukunft hätte. Das wird zunächst einmal überpointiert dargebracht:

Elektroautos sollen Mobilität und Umwelt elegant versöhnen. Dazu werden sie idealisiert, der Diesel dagegen verdammt und deutsche Hersteller bestraft.


Das ist an sich schon Unsinn. Der Diesel wird nicht verdammt, sondern die Hersteller von Diesel-PKWS. Und das hat ganz andere Gründe als die, die im Kraftstoff liegen – und da Herr Bok, der’s schreibt, einmal in Stuttgart Redakteur war, dürfte er wissen, dass man sich dort an gewissen Tagen nicht auf die Straße trauen darf. Wegen der Luftverschmutzung, die auf viele Faktoren zurückzuführen ist, aber eben auch auf Diesel-Automobile.

Argumente sind billig. Eines, oft als Totschlagargument benutzt, heißt: „Aber die Batterien …“ und dann lesen wir, dass selbst ein renommiertes Institut davon ausginge, dass dafür

383 Prozent des weltweit gewonnenen Lithiums und 43 Prozent allen Nickels benötigt (würde).


Da fehlt: auf der Basis der heutigen Technologie und der heutigen Möglichkeiten.

Beispiel einer Fehlprognose

Lassen Sie mich es mal so sagen: Gegen 1970 wurde einmal behauptet, dass die gesamte überhaupt verfügbare Menge ans Silber ganz sinnlos in der Fotografie verpulvert würde. Und dass Filme deswegen schon gegen 1990 (vor allem aber gewisse Schwarz-Weiß-Filme, die einen höheren Silberanteil haben) dann nicht mehr herstellbar wären.

Diese Meinung ergab sich aus einer Horchrechnung, die berücksichtigte, wie weit die Fotografie zunehmen würde und wann das Silber dieser Erde restlos abgebaut worden wäre. Wir wissen inzwischen, was für ein Blödsinn diese Prognose war. Und wir werden in Zukunft feststellen, dass ähnliche Prognosen ebenfalls Blödsinn waren.

Sinnvoller Einsatz vorausgesetzt, punktet das Elektro-Automobil

Dabei ist gar nicht die Frage, ob E-Automobile alle anderen Automobile ersetzen werden, sondern welche Automobile sinnvoll mit Strom betrieben werden könnten. Zum Beispiel solche, die ohnehin nur für Einkaufs- oder Botenfahrten benutz werden. Selbst die Deutsch Post – an glaubt es kaum – baut eigene Automobile über die Tochtergesellschaft „Streetscooter“.

Ein Argument, das immer wieder gehört wird: E-Autos folgen einer wesentlich einfacheren, unkomplizierteren Technologie. Und sie könnten, in Massen produziert, absolute Preisknüller werden. Das ist doch gut? Nein, ganz schlecht, fürchten manche Wirtschaftsredakteure, Lokalpolitiker und Gewerkschaftler.

Die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen dominiert

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf? Alle, die das Wort „Arbeitsplätze“ in den Mund nehmen – davon würden nämlich etliche wegfallen, wenn sich die Technologie durchsetzen würde. Und das weißt natürlich auch der Wirtschaftsredakteur und schreibt:

Vor allem die finanziellen Kraftzentren Bayern und Baden-Württemberg werden leiden und damit weniger Geld in andere Bundesländer überweisen können. Das hat Folgen nicht nur für die Autos produzierenden Bundesländer, sondern für die gesamte Bundesrepublik.


Das Geschwätz über "Kraftzentren" stimmt so nicht

Ja, ja, die „Kraftzentren“. Darf ich daran erinnern, dass Bayern nicht immer ein „Kraftzentrum“, sondern eher ein ziemlich unterentwickeltes Agrarland war, dem andere unter den Arm greifen mussten? Und sollte man nicht darauf hinweisen, dass „Baden-Württemberg“ aus dem reichen und manchmal arroganten Württemberg und dem eher armen Baden besteht, das aber deutlich mehr Charme hat?

Die Chance liegt im Wandel, nicht im Bestand

Und zuletzt: Wenn sich etwas wandelt, sind die Gewinner immer die, die frühzeitig die Chancen erkennen, was sich wandeln wird. Es gab in Deutschland einmal sehr erfolgreiche Marken im Elektronik- und Fotobereich, die an ihrer Arroganz erstickt sind. Ich habe es noch erlebt, mit welchen Argumenten man damals um sich warf – bis zum bitteren Ende. Und ich erkenne absolut die Ähnlichkeiten mit der heutigen Diskussion.

Zitate aus CICERO.

Demo für alle ist eine Demo gegen alle

Es gibt Sexualität als Mittel der Fortpflanzung und Sexualität außerhalb der Fortpflanzung. Sexualität als Mittel der Fortpflanzung wird gelehrt, um ungewollte Schwangerschaften zu verhüten und gewollte zu ermöglichen. Und Sexualität außerhalb der Fortpflanzung ist ein Mittel, um Lust zu gewinnen.

So einfach ist das. Und so schwer machen es sich die Leute, die sich da als „Besorgte Bürger“, Besserwisser , Gutmenschen oder sonst wie hervortun wollen.

Es geht nicht um XYZ-Sexualität oder Gender-Ideologen. Nicht darum, ob jemand hetero- bi- oder homosexuell wird. Es geht darum, sein Leben selber einzurichten, so, wie man es leben möchte. Kein Elternpaar wird verhindern können, dass sich ihr Kind als Jugendlicher oder Erwachsener anders orientiert, als es ihnen lieb ist. Und es ist so absolut lächerlich, den Lehrplänen (wie auch immer sie sein mögen) dafür die Verantwortung zuzuschieben. Es zeugt einfach von unendlicher Einfältigkeit.