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Sehpferd und Jazz

Nicht nur eine ernste Sache ist eine wahres Freude
Damit Sie halbwegs wissen, woher ich meine Inspiration beziehe, schreibe ich Ihnen hier etwas über - Musik.

Ich höre gerne Musik. Ich höre gerne Musik, die mich belebt. Und ich höre gerne sinnliche Musik. Deswegen höre ich oft Jazz.

Weil ich nicht nur fühlen, sondern auch denken kann, hadere ich mit den Menschen, die über die Geschichte des Jazz schreiben. Insbesondere solche, die über die Anfänge fabulieren: alles New Orleans, alles Amateurmusik, alles Südstaatenklischees? Das ist unredlich. In den letzten Jahren wurden viele dieser Klischees aufgeweicht, und im Grunde müsste die Jazzgeschichte neu geschrieben werden; weniger Romantik, mehr Fakten, weniger Mythen, mehr Nachprüfbares. Der Jazz ist nicht irgendwie von New Orleans nach Chicago geschippert. Er wurde vielmehr über Medien verbreitet- erst dadurch bekam er die Bedeutung, die er im 20. Jahrhundert hatte – und heute noch hat.

Gleich hinter dem Jazz stehen „Stimmen“ – ich weiß, das ist keine Musikrichtung. Aber ich liebe schöne Stimmen, vor allem eindringliche, jazzige, aber auch sinnliche weibliche Stimmen. Die Stimmen müssen für mich den Anklang des Menschseins haben. Deswegen sagt mir der Belcanto gar nichts. Opern amüsieren mich, aber ich fange mit den gekünstelten Stimmen nichts an. Manchmal lächele ich: wenn über die „Zauberflöte“ gesprochen wird – als „Oper von Mozart“. Und dann wird über die Bedeutung von Mozart salbadert, gerade so, als hätte er die Idee zu diesem Singspiel fürs Volk gehabt. In Wahrheit war es der Schauspieler und Theaterbesitzer Schikaneder, der auch auf Plakaten als Autor angekündigt wurde, „mit der Musik von Mozart“. Und der Ort, an dem sie aufgeführt wurde, war ein keinesfalls ein Ort, an dem sich Menschen mit vergreisten Gesichtern versammelten.


Konzerte? Oh ja. Ich vermeide das Wort „klassische“, weil die Musik, die im Konzertsaal gespielt wird, nur selten „klassisch“ ist. Mich amüsieren die hoheitlichen Gesichtsausdrücke, die das Publikum an den Tag legt. Diese Musik erzeugt Stimmungen, von sinnlich bis mitreißend. Das ist eigentlich kein Platz für das Oberlehrergesicht, sondern für ein Antlitz der Lust an Klang und Form.

Ich mag Tschaikowsky, Rimski-Korsakow und Gershwin. Und dazu so gut wie alle alle mit Vehemenz gespielten Klavier- und Violinkonzerte – vor allem, wenn ich im Konzertsaal sitze. Musik aus Lautsprechern ist ganz nett und hat den Vorteil, dass ich auch mal nur einen einzigen Satz hören kann. Aber sie ersetzt nicht den Besuch eines Konzerts. Ich will wahrhaftig sehen, dass ein Musiker mit Herzblut spielt, und nicht nur die Noten von Blatt pflückt.

Rockmusik? Sie ist mir überwiegend zu laut und zu künstlich. Ich weiß, dass dies so sein soll und vielleicht so sein muss. Aber ganz generell mag ich keine lauten Klangteppiche, schon gar nicht, wenn sie von Gitarren erzeugt werden.

Zurück zum Jazz und zurück zum Heute: Es gibt im Internet mehrere Sender, die ausschließlich Jazz senden. Eine ist „Jazz24“, ein anderer „KCSM“. Etwas gemächlicher geht es bei „Radio Swiss Jazz“ zu – aber es gibt noch viel mehr Sender. Besonders lehrreich ist stets, den Moderatoren von KCSM zuzuhören, die zum großen Teil ausgewiesene Experten für Jazz sind.

Foto: © 2016 by Gebhard Roese, Altenburg, Germany

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