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Eine Nacht auf dem kahlen Berge – und der Kulturbetrieb

Beinahe hätte ich, da ich stets mit gesunder Naivität ins Konzert gehe, etwas nicht erkannt. Denn möglicherweise habe ich ein ein Musikstück gehört, das in dieser Form noch nie aufgeführt wurde.

Wenn ich jetzt sage, es war „Die Nacht auf dem kahlen Berge“, dann wird mancher sagen „ach so, dass haben wir doch auf CD …“ und ich kann mich sogar dunkel erinnern, dass es mein Vater auf Vinyl hatte. Aber das ist nicht das Stück, das ich gehört habe. Denn so, wie sie Modest Mussorgski in Noten umsetzte, wurde diese sinfonische Dichtung nur selten zu Gehör gebracht – ich muss das wohl glauben, und fand auch keine Information, die dagegen sprach. Auch über die ursprüngliche Orchestrierung war wenig zu erfahren. Jedenfalls hörte ich die Ursprungsfassung in einer eindrucksvollen Aufführung des Gewandhausorchesters Leipzig.

Erstaunlich, wie kleinlaut die ansonsten wortstarken Kritiker werden, wenn sie nur wenig oder gar keine Vergleichsmöglichkeiten haben. Beklagt wurde vor allem, dass der blutjunge Dirigent Jakub Hrůša so vehement dirigierte, dass sein ganzer Körper sich ständig in heftigen Bewegungen befand. Warum sollte er nicht? Es ist ein erregendes Stück mit einem teuflischen Thema. Aber da zeigt sich ein Haken bei Konzertkritikern wie auch bei Besuchern: Musik erzeugt Emotionen, und das soll auch so sein. Doch viele Kritiker und Besucher sehen Begeisterung eher als ein Hindernis für den Genuss sogenannter „klassischer Musik“ an.

Wie denn überhaupt für alle Konzerte in Respekt einflößenden Sälen zu vermelden wäre: Das Publikum hört unbewegt zu, wenn die Musik wogt und schrillt und knallt, sodass Gefühle aller Art aufkommen. Findet die Begeisterung etwa nur hinter der Hirnschale statt? Oder ist dem Publikum an sich wurscht, was gegeben wir: Hauptsache, man lässt sich ab und an bei kulturellen Ereignissen sehen?

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